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Landeszeitung

24. August 2017 | 11:04 Uhr

Flüchtlinge im Handwerk willkommen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Amtsköste der Kreishandwerkerschaft mit Wirtschaftsminister Meyer: Ob Martin oder Mehmet – jungen Menschen eine Perspektive biete.

„Grundvoraussetzung für erfolgreiche Handwerksbetriebe sind motivierte und gut ausgebildete Fachkräfte.“ Mit einer klaren Aussage eröffnete Kreishandwerksmeister Thomas Wriedt die 23. Amtsköste der Kreishandwerkerschaft Rendsburg-Eckernförde. Rund 90 Gäste waren der Einladung in das Kulturzentrum „Hohes Arnenal“ gefolgt – Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung sowie die Obermeister der Innungen waren zur Amtsköste nach Rendsburg gekommen. „Dat gifft Eten und Drinken satt, und denn wöllt wi wedder een utsnacken“, hatte Wriedt auf seiner Einladung angekündigt.

In seiner Rede betonte Thomas Wriedt, dass Deutschland jenen Menschen offen stehen müsse, die hier eine neue Heimat, gesellschaftliche Anerkennung, Integration und Arbeit suchen. „Denn für uns zählt nicht, wo jemand herkommt, sondern wohin jemand will“, betonte der Kreishandwerkerpräsident. Mit Blick auf die Fachkräftesicherung spielten Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund eine maßgebliche Rolle, wenn das Handwerk seine wirtschaftliche Stärke halten und ausbauen wolle, machte er in seiner Ansprache deutlich.

Der Kreishandwerksmeister warnte vor einem „Akademisierungswahn“, der die Ausbildung immer mehr zur „zweiten Wahl“ für junge Leute mache. Die Innungsbetriebe des Handwerks würden sich verstärkt für eine duale Ausbildung oder ein Duales Studium einsetzen, um auf diese Weise die Fachkräftelücke, die sich durch den demografischen Wandel aufzeige, zu schließen. Auch der Festredner des Abends, Wirtschaftsminister Reinhard Meyer, sah in dem drohenden Fachkräftemangel eine große Herausforderung für die Unternehmen. „12  000 Akademiker, aber vor allem 85  000 Fachkräfte mittlerer Qualifikation, also mit beruflicher Ausbildung, werden 2030 laut Prognose in Schleswig-Holstein fehlen“, sagte Meyer. Die Debatten um Bildung und Beschäftigung fokussierten sich oft sehr stark auf die Akademikerquote. Dabei werde oft die duale Ausbildung als Deutschlands Erfolgsmodell vergessen. Viele europäische Länder, die unter Arbeitslosigkeit und besonders unter hoher Jugendarbeitslosigkeit litten, wünschten sich, sie hätten etwas Vergleichbares.

Meyer rief dazu auf, die duale Ausbildung gemeinsam noch besser zu bewerben. Jungen Menschen eine Perspektive zu bieten, ihnen einen attraktiven Karriereweg aufzeigen zu können, sei nicht nur für den einzelnen Betrieb eine gute Aufgabe, sondern auch gesellschaftspolitisch ganz wichtig, betonte der Minister vor den Gästen aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde. „Und dabei muss es egal sein, ob dieser junge Mensch Martin oder Mehmet heißt.“ Meyer lobte das Handwerk dafür, sich öffentlich zu der Aufgabe zu bekennen, bei der Integration mitzuhelfen.

Nach einem deftigen Rübenmus und einem Obermeisterschnaps nutzten die Gäste die Amtsköste der Kreishandwerkerschaft im Rendsburger „Arsenal“ anschließend zu zahlreichen anregenden Gesprächen.

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