Bauarbeiten in Rendsburg : Fluchttüren vernagelt: Ist der Tunnel sicher genug?

Nadelöhr Kanaltunnel: Trotz Bauarbeiten müssen viele Pendler hindurch. Foto: Trittmaack
Nadelöhr Kanaltunnel: Trotz Bauarbeiten müssen viele Pendler hindurch. Foto: Trittmaack

Während der Bauarbeiten im Rendsburger Kanaltunnel sind einige Fluchttüren zugenagelt. Besorgte Autofahrer fragen jetzt: Was passiert, wenn in den Röhren Panik ausbricht?

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28. November 2011, 09:52 Uhr

Rendsburg | Es ist wohl das, was der Volksmund Drecksarbeit nennt: Seit Mitte November wird die alte Betonsohle im Betriebsgang des Kanaltunnels mit Hilfe von Hochdruckwasserstrahlen teilweise abgetragen. Dabei wird mit einem Wasserdruck von bis zu 2500 bar gearbeitet. Einige Fluchttüren wurden deshalb vorsichtshalber vernagelt.
Was aus Sicht der Sanierer unumgänglich ist, wirft bei Autofahrern besorgte Fragen auf: Ist der Tunnel während der Bauphase eigentlich sicher genug? Ist es richtig, dass einige Fluchttüren nicht mehr oder nur schwer passierbar sind? Was ist, wenn es in einer der Röhren zur Panik kommt?
Jede dritte Tür dient als Fluchtschleuse
Nach Angaben des für den Tunnel zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Kiel-Holtenau sind nach den "Richtlinien für Ausstattung und Betrieb von Straßentunneln" (RABT) Fluchtschleusen im Abstand von 300 Metern vorgeschrieben. "Dies wird im Tunnel Rendsburg auch während der Bauzeit erfüllt", sagt WSA-Sprecherin Dagmar Hees-Rave auf Anfrage des sh:z. "Rund jede dritte der alten Türen dient während des Baustellenbetriebs als Fluchtschleuse und bietet somit im Abstand von rund 120 Metern einen Fluchtweg in die gegenüberliegende Tunnelröhre."
Gleichzeitig, so Hees-Rave, würden auch während der Bauphase beide Tunnelröhren vom Leitstand aus über Monitore überwacht - rund um die Uhr. Sollten Gefahren auftreten, werde über Lichtsignale umgehend die weitere Zufahrt in die Tunnelröhren gesperrt. "So könnte dann zum Beispiel die Tunnelröhre auch sicher verlassen werden", erläuterte Hees-Rave.
Arbeiten werden bis Mitte Dezember andauern
Welche Notausgänge zur Verfügung stehen, wechselt von Woche zu Woche und hängt vom Stand der Bauarbeiten ab. Über den jeweils aktivierten Fluchtwegen leuchtet nach Angaben des Amtes ein grünes Hinweisschild. "Diese Ausgänge sind im Mittelgang vom Baugeschehen abgeschirmt, und es ist sichergestellt, dass die Notruftelefone hier funktionieren. Über den jeweils nicht nutzbaren ehemaligen Fluchtwegen wird im Wechsel das Fluchtwegezeichen abgeklebt."
Die Arbeiten in Dampf, Hitze und mit fliegenden Betonbrocken im Mittelgang werden voraussichtlich bis Mitte Dezember andauern. Auf 640 Metern Länge werden teilweise bis zu zehn Zentimeter Beton entfernt. Ergebnis: rund 64 Kubikmeter Schutt.
Auch die Rendsburger Feuerwehr wird über den Stand der Sanierung informiert. Vor zwei Wochen war Wehrführer Gerrit Hilburger selbst unter Tage, um sich ein Bild zu machen. Sein Urteil: "Als Feuerwehr können wir da arbeiten."

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