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Interview : Fliegende Hilfe für Mali aus Hohn

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ein Fluggerätemechaniker des LTG 63 über den Einsatz in Westafrika, die Eindrücke außerhalb des Feldlagers – und was ihm in der Ferne besonders fehlt.

shz.de von
erstellt am 22.Sep.2013 | 16:10 Uhr

Das nordwestafrikanische Mali stürzte 2012 von einer Krise in die nächste. Nach einem Militärputsch nutzten rebellierende Stämme und islamistische Gruppierungen das Chaos und übernahmen die Macht im Norden des Landes. Als die straff organisierten Islamisten wichtige Städte wie Timbuktu einnahmen und immer weiter Richtung Süden vorrückten, griffen die frühere Kolonialmacht Frankreich und die westafrikanische Gemeinschaft Ecowas militärisch ein. An der „MINUSMA“ genannten Mission der Vereinten Nationen ist auch das Lufttransportgeschwader (LTG) 63 aus Hohn beteiligt. Fragen an den dort stationierten 26-jährigen Stabsunteroffizier Sven H. (Foto), Fluggerätemechaniker an der Transall.


Herr H., seit wann befinden Sie sich in Afrika und wie lange bleiben Sie?

Ich bin bereits seit dem 26. August in der senegalesischen Hauptstadt Dakar und werde voraussichtlich bis Mitte Oktober hier bleiben.

 

Ihr Lufttransportstützpunkt befindet sich in Malis Nachbarland Senegal. Wie ist die Sicherheitslage in beiden Ländern?

In unserem Gastland Senegal, wo sich unser Lufttransportstützpunkt befindet, ist die Sicherheitslage ruhig. Zum Nachbarland Mali kann ich keine Auskunft geben.

 

Über den Mali-Einsatz der Bundeswehr wird in Deutschland kaum berichtet. Frustriert Sie das?

Nein, weil wir alle in Dakar und Bamako wissen, welch wichtigen Beitrag unsere Hohner Transall für die Menschen im Krisenland Mali leisten. Diese beiden Flugzeuge sind permanent im Rahmen der UN-Hilfsmission MINUSMA unterwegs. Auch erzählen die Besatzungen von ihren Erlebnissen vor Ort. Grund genug, zufrieden zu sein. Als gebürtiger Kieler freut es mich dann doch, dass meine Regionalzeitung Interesse an ihren norddeutschen Soldaten im Einsatzland Mali und Senegal zeigt.

 

Was genau sind die Aufgaben, die das LTG 63 in Mali und Dakar erfüllt?

Auf der einen Seite fliegen unsere Besatzungen Hilfsgüter wie beispielsweise Lebensmittel und Wasser in entlegene Gebiete im Norden Malis. Aber auch der Transport von Inspektionsteams der Vereinten Nationen steht auf dem Flugplan. Ferner gibt es den Lufttransportstützpunkt, oder einfacher die Luftwaffenwerkstatt, in Dakar. Hier werden erforderliche Reparaturen oder Überprüfungen an den Flugzeugen durchgeführt.

Aber nicht nur das Transportgeschwader aus Hohn entsendet Personal ins senegalesische Dakar oder nach Bamako in Mali. Vielmehr wird diese Einsatzaufgabe durch Truppenteile aus ganz Deutschland wahrgenommen und geteilt. Allerdings sind derzeit viele Soldaten aus Schleswig-Holstein hier vor Ort.

 

Und was ist speziell Ihr Part?

Zu meinen Aufgaben hier in Dakar gehört die Reparatur dieser Flugzeuge. Dies beinhaltet beispielsweise die Wartung und Instandsetzung der bordeigenen Klima- und Sauerstoffanlage. Diese sorgt für eine angenehme Umgebungsatmosphäre in großen Flughöhen. Messinstrumente für Kraftstoffvorrat und Geschwindigkeit kennen wir alle aus unseren Autos. Beim Flugzeug kommt allerdings noch eine riesengroße Palette an weiteren Anzeigen und Kontrolllampen hinzu, um die ich mich kümmere. Unter anderem fällt auch noch die einwandfreie Funktion der Triebwerk- und Hydraulikinstrumente in meinen Aufgabenbereich.

 

Bekommen Sie vom Leben außerhalb des Feldlagers etwas mit?

Bei den täglichen Fahrten zum Flugplatz, auf dem sich unser Lufttransportstützpunkt befindet, bekommt man viele Eindrücke vom Leben in Dakar mit. Vieles ist anders. Das Leben der Bewohner spielt sich hier vielmehr auf den Straßen und vor den Haustüren ab. Dort wird gekocht, verkauft und Beisammen gesessen. Doch auch einige Gegensätze fallen mir ins Auge. Auf den teilweise unbefestigten Straßen der Stadt findet man einfachste Pferdekarren, die als wichtiges Transportmittel dienen. Seite an Seite mit europäischen Luxuswagen aktueller Modellreihen.

Einen direkten Kontakt zu den Menschen habe ich, wenn wir zum Einkaufen den Stützpunkt verlassen. Spannend sind die Besuche der lokalen Basare und Märkte. Preisschilder sucht man hier vergebens. Alles wird an Ort und Stelle mündlich verhandelt.

 

Wie halten Sie Kontakt zur Heimat?

Manchmal skype ich mit meiner Frau, oftmals schreibe ich einfach nur eine Mail. Kostenloses Internet im Unterkunftbereich für die Truppe macht das möglich. Dank der guten Betreuung durch die Bundeswehr bekomme ich wöchentlich eine Telefonkarte bereitgestellt. Dies erlaubt mir zusätzlich, mal die Stimmen meiner Familie zu hören. Ebenso können wir Postkarten, Briefe und Päckchen über die Feldpoststelle in Darmstadt versenden und empfangen. Alles zu üblichen deutschen Postgebühren. Es ist eigentlich für alles Wichtige hier in Dakar gesorgt. In der heutigen Zeit ist es meiner Meinung nach von fast keinem Ort auf der Welt schwierig, mit den Liebsten in Deutschland Kontakt zu halten.

 

Trotz dieser Versorgung: Was fehlt Ihnen in Dakar am meisten?

Natürlich fehlen mir meine Frau und meine Familie am meisten. Freunde und Familie vermisst man ja sowieso, wenn man im Einsatz ist. Egal wo auf der Welt. Dennoch freue ich mich nach meiner Rückkehr wieder auf die frische norddeutsche Brise.

 

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