Fleißige Klapperstörche im Kreis

Hautnah dabei: Gebannt sehen die Mädchen und Jungen des Kindergartens Jochen Schröder beim Beringen zu.
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Hautnah dabei: Gebannt sehen die Mädchen und Jungen des Kindergartens Jochen Schröder beim Beringen zu.

Positive Zwischenbilanz: 52 Küken von 29 Adebar-Paaren haben überlebt / Drei Jungvögel in Krogaspe beringt

shz.de von
19. Juni 2018, 14:22 Uhr

Aufregung am Krogasper Storchennest: Um den Nachwuchs in den nächsten Jahren identifizieren zu können, sollten die drei Jungstörche beringt werden. Und damit auch die Mädchen und Jungen des gegenüberliegenden Kindergartens zusehen konnten, fand die Prozedur nicht – wie normalerweise üblich – im Nest, sondern am Boden statt.

Ein gefahrloses Beringen ist nur möglich, da die jungen Weiß-Störche bei Gefahr in Akinese verfallen. Ein Totstellreflex, wie man ihn unter anderem auch von Reh-Kitzen kennt. „Deshalb müssen wir die Beringung innerhalb der dritten bis zur siebten Lebenswoche durchführen, danach legen sie das Verhalten ab“, erklärt Jochen Schröder, der die Prozedur unter Anleitung vom Schleswig-Holsteinischen Oberberinger Jörg Heiner von der Vogelschutzwarte Helgoland übernahm.

„Das Krogasper ist eines von insgesamt 29 Storchenpaaren, die in unserem Kreis brüten“, berichten die Storchenbetreuer Birgit und Jürgen Lustig vom Nabu (Naturschutzbund), die für den Kreis Rendsburg-Eckernförde zuständig sind. „Und von den 69 geschlüpften Küken sind derzeit 52 am Leben“, fügt Jürgen Lustig an. Ein wesentlich besserer Schnitt als im letzten Jahr. Aufgrund des schlechten Wetters mit dem Dauerregen hatten von 75 Geschlüpften nur 34 überlebt – viele von ihnen waren schlichtweg im Nest ertrunken, da die Drainage nicht ausreichte. Daher kann es auch schwerwiegende Folgen haben, wenn die Altstörche Silage als Nestmaterial benutzen. Sorgt diese doch nicht nur dafür, dass das Wasser nicht ablaufen kann, Silage kann auch die Schnäbel des Storchennachwuchses verkleben und so zu Fehlbildungen führen.

Mit einem satten Klack schnappt der Beringer den zweiteiligen, rund elf Gramm schweren Kunststoffring knapp über der Tibia – vergleichbar mit dem Kniegelenk – zusammen. „In geraden Jahreszahlen wird das rechte Bein beringt, in ungeraden das linke. Dadurch haben wir eine zusätzliche Kontrollmöglichkeit“, ergänzt Schröder, der selbst Storchenbetreuer im Kreis Süd-Dithmarschen ist. Danach müssen die Jungtiere noch gewogen werden. Mit einem Gewicht von drei bis 3,5 Kilogramm machen die Störche einen guten Eindruck. Wiegen die Altstörche doch selbst nur zwischen 3,5 und vier Kilogramm. „Der Gewichts und Größenunterschied bei den Jungtieren liegt daran, dass das Storchenweibchen nur alle zwei Tage ein Ei legt. Dementsprechend zeitversetzt schlüpfen dann auch die Küken.“

Insgesamt stehen in diesem Jahr 200 sogenannte ELSA-Ringe zum Kennzeichnen des Storchennachwuchses zur Verfügung. Welche Tiere einen Ring erhalten entscheidet der Beringer in Absprache mit den jeweiligen Storchenbetreuern. Eine Rolle spielen dabei unter anderem auch die örtlichen Gegebenheiten. Denn unabhängig von dem Einverständnis der Grundstückseigentümer muss natürlich auch die Möglichkeit bestehen, eine Hebebühne standfest aufbauen zu können, was zum Beispiel unter dem Storchennest in Langwedel nicht gegeben ist.

Ihr Einverständnis geben Marianne und Willi Hamann gerne. Sind doch bereits seit 1936 Störche in Krogaspe dokumentarisch erfasst. „Als wir vor gut 40 Jahren die Alte Meierei kauften, hatten die Störche den Meierei-Schornstein gerade als neuen Nistplatz entdeckt“, erinnert sich Willi Hamann zurück. Nach dem Abriss des Schornsteins ließen die beiden dann auf ihrem Grundstück einen Betonmast für das Nest aufstellen, das die Störche seit dem auch jedes Jahr nutzen.

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