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Rund ums Schaf - folge 4 : Flauschige Fleischlieferanten

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Es gibt Landschafe, Milchschafe - und Fleischschafe. Letztere züchtet Angelus Brandt aus Breiholz.

von
erstellt am 07.Jan.2016 | 12:40 Uhr

Mit Krücken geht es über die Koppel. Langsam aber sicher in Richtung der kleinen Schafherde, die in der hintersten Ecke der Weide steht. Auch eine Operation an der Hüfte kann den 60-jährigen Angelus Brandt aus Breiholz nicht davon abhalten, nach seinen Tieren zu sehen. Eine Gruppe von 15 Exemplaren der Gattung Texelschaf blickt auf, als er den Futtereimer schüttelt und mit lauten Hey-Hey-Rufen auf sich aufmerksam macht. Während sich Angelus Brandt versichert, dass es den Tieren gut geht, fährt ein Containerschiff vorbei. „Das ist das besondere an der Lage“, sagt er. Seine Koppeln liegen direkt am Nord-Ostsee-Kanal.

Seit mehr als 30 Jahren züchtet der Lehrer für Landwirtschaft gemeinsam mit seiner Frau Dörte Struve-Brandt Holsteiner-Pferde und Texelschafe. Zwischen 50 und 60 Muttertiere plus drei Böcke können sie ihr Eigen nennen. Aufs Schaf ist Brandt schon in jungen Jahren gekommen. Auf dem Hof seiner Eltern in Deinstedt (zwischen Hamburg und Bremen) hatte er drei eigene Tiere, um die er sich kümmern musste. Inzwischen ist aus dem kindlichen Hobby eine Nebenbeschäftigung geworden.

Was ist aber das Besondere an den Tieren? „Sie lassen sich sehr gut halten und sind äußerst widerstandsfähig“, sagt Angelus Brandt. Gerade Texelschafe gelten als sehr umgängliche und ruhige Rasse, weiß er. Doch das ist längst nicht alles. Beim Züchten gehe es schließlich auch ums Verkaufen, und da seien die Texelschafe als die Fleisch-Schafrasse schlechthin sehr beliebt. Kein Wunder, allein die Lammböcke bringen schon im Alter von sechs Monaten bis zu 90 Kilogramm auf die Waage (Zum Vergleich: Ein einjähriger Bock der Pommerschen Landschafe wiegt zwischen 50 und 60 Kilogramm).

Angelus Brandt züchtet aber nicht, um zu schlachten. Fast die Hälfte seiner Tiere werde nach dem Verkauf für die weitere Texelzucht verwendet, die andere landet früher oder später auf dem Küchentisch.

Für den Breiholzer bietet die Schafzucht jedes Jahr zwei Höhepunkte: Die große Versteigerung im Sommer in Husum und die Zeit, in der die Lämmer geboren werden. „Bei uns auf dem Hof werden pro Saison im Frühjahr, wenn es gut läuft, 120 Tiere geboren“, berichtet Brandt. Die sogenannte Ablammsaison ist die Hauptarbeitszeit für den Züchter. Zwar müsse man nicht 24 Stunden lang im Stall Wache stehen, aber alle zwei Stunden sollte jemand nach den Tieren schauen, um im Notfall zu unterstützen, so Brandt. Jede Geburt wird dann ganz genau dokumentiert. „Nachdem ich mir die Hände gewaschen habe, zücke ich sofort mein Buch und notiere, wie alles verlaufen ist und was das Lamm auszeichnet.“ Über Zwillinge freue er sich am meisten, Drillinge seien dagegen weniger beliebt. Denn Mutterschafe haben nur zwei Zitzen, bei drei Geschwistern kommt immer einer zu kurz.

In Husum sind alle Augen nicht auf die süßen Lämmer sondern auf die großen, männlichen Prachtexemplare gerichtet. „Optik verkauft sich mit“, weiß Brandt, und legt deshalb besonders viel Wert auf die Kotelettfläche und die Ausprägung der Keule. Sein teuerster Bock hat es im Jahr 2014 sogar auf 1500 Euro gebracht. „Das größte Kompliment für mich als Züchter ist aber, wenn mir jemand sagt, dass er bei mir ein zweites Mal einkauft, weil er so zufrieden mit den Tieren war“, sagt Brandt.

Der 60-Jährige unterrichtet in seiner Freizeit Schäfer in der Ausbildung. Außerdem ist er im Landesverband Schleswig-Holsteinischer Schafzüchter aktiv und hat den Posten des Bezirksvorsitzenden für den Kreis Rendsburg-Eckernförde übernommen. Weiter wirkt er im Landesvorstand sowie im Zuchtausschuss des Verbands mit. Manchmal vertritt er auch die Landesinteressen bei der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände. Immer mit dem einen Ziel: Die Zucht in den einzelnen Rassen aus Schleswig-Holstein zu verbessern.

STECKBRIEF: TEXEL

Herkunft und Verbreitung

Das Schaf hat seinen Namen von der niederländischen Nordseeinsel Texel. Von dort hat sich die Rasse mit dem Ruf, ein besonders guter Fleischlieferant zu sein, über das Festland nach Deutschland verbreitet. Seit Anfang der 60er-Jahre werden Texelschafe in die Bundesrepublik importiert.
Aussehen

Texel sind mittelgroße bis große Tiere. Sie haben einen weiß-grauen Kopf, an dem sich keine Wolle befindet. Die Ohren sind kräftig und abstehend, das Maul ist meist dunkel. Der Hals dieser Tiere ist sehr kurz und muskulös. Der Rumpf zeigt einen langen breiten Rücken mit breiter Nierenpartie, guter Rippenwölbung sowie ein langes, breites Becken.
Besonderheiten

Texelschafe gelten als sehr genügsam, wenig krankheitsanfällig sowie widerstandsfähig und sind deshalb für die Koppelhaltung sehr gut geeignet. Weiter zeichnen sich die Tiere durch ihre sogenannte sehr große Fleischwüchsigkeit und gute Schlachtkörperqualität aus. Die Tiere sind sehr frühreif und somit fruchtbar.
Quellen

www. Deutscher Landesschafzuchtverband

Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände:

www.schafe-sind-toll.com



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