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Landeszeitung

24. Oktober 2017 | 01:17 Uhr

Fisch-Köder Faust-Kampf Master-Plan

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

shz.de von
erstellt am 14.Feb.2014 | 16:14 Uhr

„Der Köder soll dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.“ CDU-Ratsherr Thomas Krabbes sagte diesen Satz im Zusammenhang mit der Suche nach einem neuen Stadtslogan. Das Wort „Eider“ solle besser nicht vorkommen, da das Motto nicht nur in der Region, sondern auch in Köln oder anderswo verstanden werden müsse.

Der Spruch mit dem Köder und dem Angler passt auch zum krachenden Scheitern der „Ziele und Grundsätze der Stadt“. Das Vorhaben hat Pierre Gilgenast und einigen anderen geschmeckt, den üblichen Verdächtigen in den Parteien aber nicht. Darüber täuscht der einstimmige Beschluss in der Ratsversammlung nicht hinweg. Einige von denen, die am 12. Dezember die rechte Hand zum Ja hoben, hatten die linke Hand zur Faust geballt. Unter dem Tisch. Im Senat schnellten diese Fäuste hervor.

Kann man Pierre Gilgenast daraus einen Vorwurf machen? Ja und nein. Für die Sturheit und den Stolz der Hardliner kann er nichts. Dennoch trägt der Rathauschef eine Mitschuld. Der Fockbeker kennt das politische Milieu im Alten Rathaus ja nicht erst seit seinem Amtsantritt vor gut einem Jahr. Er hat sich ja nicht von Büsum oder Kiel oder Großhansdorf aus um das Amt des Bürgermeisters beworben. Mit seinem Wissen hätte er erkennen müssen, dass mit einigen Herren kein Ringelpiez mit Anfassen zu machen ist. Selbst CDU-Mann Krabbes, neben Gilgenast der größte Fan des Alle-an-einem-Strang-Projekts, bekam die Quertreiber im eigenen Laden nicht auf Linie.

Der taktische Masterplan war zu groß und starr für diese Stadt. Statt sich daran einen Bruch zu heben, hätte Gilgenast konkrete Projekte anpacken können. Warum fand erst jetzt das erste persönliche Gespräch beim Hertie-Abwickler in Berlin statt? Warum versucht man erst jetzt, die leeren Schaufenster in der Innenstadt zusammen mit den Wirtschaftsverbänden zumindest vorübergehend mit Leben zu füllen? Gilgenast, der Meister des milden Tons, hat diese Woche erfahren, dass mit Diplomatie allein kein Staat zu machen ist.

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