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Landeszeitung

22. August 2017 | 09:25 Uhr

Finanzbeamte rechnen mit Lauenroth ab

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Zerrüttetes Verhältnis zwischen Steuerbehörde und Angeklagtem / Zweiter Tag im Mordprozess

Das Verhältnis war zerrüttet, das Misstrauen groß. Der des Mordes an einem leitenden Beamten des Rendsburgers Finanzamtes angeklagte Steuerberater Olaf Lauenroth aus Fockbek fühlte sich vom Rendsburger Finanzamt schikaniert. Gestern – am zweiten Prozesstag vor dem Schwurgericht – waren vier der Beamten als Zeugen geladen. Zwei von ihnen übten scharfe Kritik an dem Angeklagten.

So schilderte ein 56-jähriger Mitarbeiter der Behörde, dass Lauenroth zwar alles für seine Mandaten herausholen wollte, aber bisweilen „hirnrissige Anträge stellte, die keinerlei Erfolgsaussichten hatten“. Während man mit anderen Steuerberatern konstruktiv zusammenarbeiten könne, sei Lauenroth destruktiv gewesen. „Er hat keine Einsicht gezeigt.“ Als Beispiel für einen Antrag ohne Erfolgsaussicht nannte er das Anliegen, für eine Bibliothekarin ein Arbeitszimmer steuerlich abzusetzen, damit diese darin ihre neuen Bücher lesen könne.

Ein anderer Beamter (57) schilderte, dass Lauenroth sehr umfangreiche Einsprüche eingelegt und sehr eigenwillige Rechtsauffassungen vertreten habe. Wenn er „komische Sachen“ beantragt habe, sei intensiver geprüft worden. „Es war sehr mühsam, seine Sachen zu bearbeiten. Es war sehr arbeitsintensiv“. Die Streitigkeiten führten dazu, dass die Mitarbeiter von ihrem Chef per Dienstanweisung verpflichtet wurden, sämtliche Lauenroth-Fälle zur Abzeichnung vorzulegen. Der Angeklagte schluchzte während der Äußerungen des Zeugen.

Den Vorwurf des Angeklagten, das Finanzamt habe ihm Mandanten abspenstig gemacht, wiesen die Zeugen zurück. Der 57-jährige Beamte erklärte, dass er niemals nach außen hin gesagt habe, dass Lauenroths Mandanten den Steuerberater wechseln sollten. „Aber gedacht habe ich es“, ergänzte er. Allerdings habe man intern darüber geredet.

Am zweiten Prozesstag wurden auch weitere Details zu den tragischen Umständen im Büro Nr. 18 des Rendsburger Finanzamtes bekannt. Drei der gestern geladenen Zeugen hatten mitverfolgt, wie Lauenroth im Rollstuhl in das Büro seines Opfers gefahren sei. „Dann passierte erstmal gar nichts, und dann hörte ich einen lauten Knall“, sagte einer von ihnen. Ein 37-jähriger Finanzbeamter erklärte, dass er nach dem ersten Schuss Hilferufe des Angeschossenen gehört habe, dann seien mindestens zwei weitere Schüsse gefallen. Zwei Beamte öffneten die Tür zum Amtszimmer ihres Chefs: Dieser habe auf dem Rücken vor seinem Schreibtisch gelegen und sich nicht bewegt, während Olaf Lauenroth in seinem Rollstuhl saß und eine Waffe in der Hand hielt.

Der Angeklagte will sich an die Tat nicht erinnern können, weil er unter starkem Medikamenteneinfluss stand. Sein Hausarzt sprach gestern von einem „extrem komplexen Krankheitsfall.“ Bei der Festnahme erlitt Lauenroth eine Kopfverletzung. Auf den Polizisten, der ihn ins Krankenhaus brachte, wirkte er „wie ein großes Stück Elend“. Auf einem Krankenbett sitzend, habe er sein Opfer als „bösen Menschen“ bezeichnet.

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