zur Navigation springen

Marke Eigenbau : Filmstreifen aus Butterbrotpapier

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ein einzigartiger Filmprojektor aus der Nachkriegszeit funktioniert noch heute. Gerhard Meier stellte das Gerät bei einem Klassentreffen in Owschlag vor. Die Bilder wurden einst auf Butterbrotpapier gemalt.

„Ata-Kiste, Ofenrohr und Nachttischlampe“, so beschreibt Gerhard Meier den „Filmprojektor“, mit dem er seine ehemaligen Mitschüler des Aufbauzugs Owschlag beim Klassentreffen in Erstaunen versetzte. Zum Fest der diamantenen Konfirmation am vergangenen Sonntag (wir berichteten) hatte Meier auch ein Treffen des ersten Abschlussjahrgangs von 1954 organisiert.

„Owschlag – mitten in der Geest“ und „Wochenschau aus aller Welt“ waren zwei der Filme, die Meier im „Landhaus Hentschel“ vorführte. Auf Butterbrot gezeichnete Bilder im Format fünf mal vier Zentimeter wurden mit einem selbst gebauten Apparat an die Wand projiziert. „Eine Holzkiste, in der vorher Scheuermittel war, ein verstellbarer Tubus zur Aufnahme einer Vergrößerungslupe und eine Nachttischlampe mit einer 100-Watt-Birne, das ist der Filmprojektor“, erklärte Meier.

Beim Spielen mit buntem, bedrucktem und transparentem Bonbonpapier, einem Vergrößerungsglas und einer Lichtquelle seien er und sein Bruder Wolfgang auf die Idee gekommen, „Filme“ selbst zu zeichnen und an die Wand zu werfen. Der Vater Kurt Meier wurde zu Rat gezogen und so entstand der Apparat und immer wieder neue Filme, die überwiegend der Vater gezeichnet hat. Viele davon hatten Motive von Wilhelm Busch wie „Max und Moritz“, und „Hans Huckebein, der Unglücksrabe“ zum Vorbild. 71 Filme mit insgesamt 5148 Bildern hat Kurt Meier, der von allen Owschlagern nur Aktentaschen-Meier genannt wurde, gezeichnet.

„Alles fing 1947 an, da war ich noch keine zehn Jahre alt“, erinnert sich Gerhard Meier, der mit seiner Familie aus Ostpreußen nach Owschlag kam, noch genau. Und der junge Schüler zeichnete schon seine ersten Filme, die er mit seinen Initialen „GM“ kennzeichnete. Die Filmgesellschaft der Brüder Gerhard und Wolfgang erhielt den Namen „Gerwolf“.

Die Filmvorführungen fanden nicht nur im Familien- und Bekanntenkreis statt. „Meine Eltern sind mit uns beiden Kindern über die Dörfer gezogen und haben in den Sälen der Gasthöfe unsere Filme gezeigt“, weiß Gerhard Meier noch genau. „Meine Mutter Charlotte hat in den Pausen Süßigkeiten verteilt.“

1954 zog die Familie nach Nordrhein-Westfalen. Für Gerhard Meier, Textilingenieur im Ruhestand, folgte später der Umzug nach Hameln in Niedersachsen, wo er heute noch wohnt. Die Filme und das Vorführgerät wurden zwar mitgenommen, verschwanden aber in der Versenkung und fanden keinerlei Beachtung mehr. „Erst im Jahr 1998 wurde die alte Filmkiste wieder hervorgeholt“, erklärt der 75-Jährige.

Beim Klassentreffen in Owschlag hatte Gerhard Meier damit jedenfalls eine große Überraschung für seine Schulfreunde parat.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 15.Sep.2013 | 09:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen