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Kreis Rendsburg-Eckernförde : Feuerwehr sorgt sich um Krabbelkinder

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Bei Bränden in den Krippen können sich Jungen und Mädchen unter drei Jahren nicht selbst retten. Nun sucht der Kreisfeuerwehrverband nach Lösungen.

Wenn es brennt, dann hilft die Feuerwehr. Diese Hilfe soll möglichst effektiv sein. Das jedoch wird den Einsatzkräften nicht immer leicht gemacht. Aktuell stellt vor allem die Rettung von U3-Krippenkindern die Feuerwehren vor Probleme. Denn dort sind besondere Anforderungen zu beachten. Der Kreisfeuerwehrverband (KFV) Rendsburg-Eckernförde übernimmt bei diesem Thema in Sachen Aufklärung eine Vorreiterrolle.

„Der Gesetzgeber sorgt für vollendete Tatsachen. Und die Feuerwehr soll sehen, wie sie damit umgeht“, sagt Hauptbrandmeister Dieter Krusche. Er ist Fachwart für Brandschutzerziehung und Brandschutzaufklärung (BEBA) beim KFV und spricht als Beispiel unter anderem Biogas-Anlagen und eben Gruppen für Jungen und Mädchen unter drei Jahren in Kindertagesstätten an. Besondere Voraussetzungen verlangen auch einen besonderen Leitfaden für die Löscharbeiten, doch ein solcher ist nicht vorhanden – noch nicht. Jetzt will der Landesfeuerwehrverband ein Merkblatt in Sachen Brandschutzerziehung in Kinderkrippen herausbringen, und zwar auf Initiative des KFV Rendsburg-Eckernförde. Krusche betont: „Wir sind nicht die Bauaufsicht und wollen auch keine Besserwisser sein. Wir bieten lediglich unsere Hilfe an.“

Dass der KFV das Heft des Handelns in die Hand nahm, geht auf einen Hinweis der Leiterin des Kindergartens Aukrug, Heike Staben-Söth, zurück. Im November 2010 meldete sie sich ob einer bevorstehenden Brandschutzübung bei Heinrich Kühl und fragte, wie mit den U3-Kindern verfahren werden solle. Der Wasbeker Gemeindewehrführer und Brandschutzbeauftragte im Amt Mittelholstein erkundigte sich beim KFV, beim Landesverband sowie bei der Berufsfeuerwehr – niemand konnte ihm weiterhelfen. Daraufhin ergriff Kühl selbst die Initiative und erarbeitete gemeinsam mit der Leiterin einen Brandschutzplan für den Aukruger Kindergarten. Und aus dem ersten Projekt heraus entwickelte sich mittlerweile eine komplette Präsentation, mit der Feuerwehr-Personal aber auch Mitarbeiter von Kindertagesstätten geschult werden.

Bei Kindergärten mit U3-Kindern kommen ganz andere Faktoren zum Tragen, wenn es einmal brennen sollte. Die Kinder sind nicht in der Lage, alleine ins Freie zu gehen und müssen getragen werden. Im Freien angelangt, müssen sie warm gehalten werden. Falls nötig, ist auch die Erste Hilfe für Kleinkinder und Säuglinge anders als zum Beispiel für Erwachsene. Speziell wärmende Babydecken, geeignete Transportmittel, freie Fluchtwege – all das sollte gegeben sein. Zudem sollten U3-Gruppen wenn möglich im Erdgeschoss ihren Raum haben, der Türen direkt ins Freie hat.

Erste Brandschutzübungen in Kindergärten zeigten diverse Defizite auf, die es bei der Rettung von U3-Kindern gibt. „Das ist auch kein Wunder. Zwei Erzieherinnen auf zehn U3-Kinder – das ist im Brandfall kaum zu bewerkstelligen“, sagt Krusche. Bei den Übungen sollen die Kleinen nicht unnötig belastet werden. Um den Ernstfall aber so realistisch wie möglich zu erproben, stellte Heinrich Kühl mit seiner Frau Marlen in Heimarbeit neun Puppen her, die nun als Testobjekte dienen und die von anderen Wehren ausgeliehen werden können. „Vorher haben wir dafür Kanister benutzt. Aber die lassen sich durch die Griffe ganz anders tragen als Kinder“, erklärt Kühl.

Auf Kitas alleine beschränkt sich das Problem übrigens nicht. „Es wäre sehr gut, wenn die Gemeindewehrführer für ihren Zuständigkeitsbereich wissen, wo Tagesmütter wohnen. Denn falls es dort einmal brennen sollte, dann ändert sich die Ausgangslage enorm, wenn plötzlich fünf, sechs Kinder mehr zu retten sind als zuvor angenommen“, betont Kühl, der sich diesbezüglich Auskünfte von den Verwaltungen wünscht.

Kurz nach den ersten Denkanstößen aus Aukrug bildete Heinrich Kühl mit Dieter Krusche und Löschmeister Carsten Wienhold aus Wattenbek eine Arbeitsgruppe. Beim Landesforum für Brandschutzerziehung im Mai 2013 in Albersdorf hielt diese Arbeitsgruppe vier Workshops zum Thema „Betrieblicher Brandschutz im Kindergarten“ ab. „Die waren alle ausgebucht. Wir haben über 100 Feuerwehrleute geschult“, berichtet Krusche. Auf dem Bundesforum in Filderstadt im November sei das Thema indes überhaupt nicht angeboten worden. „Das zeigt, dass wir hier in Schleswig-Holstein und speziell im Kreis Rendsburg-Eckernförde schon ziemlich weit sind“, sagt der stellvertretende Kreiswehrführer Fritz Kruse.

Das Thema wird sowohl beim nächsten Landesforum in Rendsburg im April als auch beim Bundesforum in Lübeck im November auf den Tisch kommen. Heinrich Kühl: „Die Feuerwehr will bestmöglich auf den Ernstfall vorbereitet sein. Es wäre von großem Nutzen, wenn auch andere bestmöglich vorbereitet sind.“

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erstellt am 27.Feb.2014 | 10:30 Uhr

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