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Rendsburg : Feuerprobe im neuen Kanaltunnel: Vollsperrung am 30. Mai

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Stresstest für die neue Brandschutztechnik: Ende Mai werden beide Röhren für kurze Zeit voll gesperrt - mitten am Tag.

shz.de von
erstellt am 21.Mai.2016 | 08:00 Uhr

Rendsburg | Die schlechte Nachricht vorweg: Für die Inbetriebnahme der Oströhre des Kanaltunnels gibt es noch immer keinen verbindlichen Termin. Dennoch stehen die Verantwortlichen kurz vor einem entscheidenden Schritt auf dem Weg dorthin. Am Montag (30. Mai) kommt es auf der Dauerbaustelle zu einem Praxistest, ohne den die Freigabe nicht erfolgen kann.

Die Bauarbeiten dauern immer länger, die Kosten schießen in die Höhe, die Nerven liegen blank. Eine Ärgernis ist die Großbaustelle vor allem für tausende Pendler, die vor dem Tunnel jeden Tag im Stau stehen.

Die neue Brandschutz- und Lüftungstechnik wird an diesem Tag den Belastungen eines Feuers mit extremer Rauchentwicklung ausgesetzt. Zu diesem Zweck müssen beide Röhren für kurze Zeit gesperrt werden. Nicht nachts, wie bei Wartungsarbeiten üblich, sondern mitten am Tag. Details zum Ablauf und Zeitpunkt des „Brandversuchs“, so die behördliche Bezeichnung der Feuerprobe unter dem Kanal, will das zuständige Wasser- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau (WSA) am Donnerstag mitteilen.

Die technischen Anlagen im Tunnel und entlang der Zufahrten sind weitgehend fertig. Nach Angaben von Sönke Meesenburg, Chef der Planungsgruppe Ausbau Nord-Ostsee-Kanal im WSA und Projektleiter der Tunnelerneuerung, arbeiten die Fachfirmen in diesen Wochen eine Mängelliste ab. „Wir sind im Optimierungsprozess“, sagt Meesenburg. Auch eine Dokumentation der neu installierten Betriebs- und Sicherheitstechnik muss das Baufirmen-Konsortium noch vorlegen. Erst wenn dieser Bericht vorliegt und der Tunnel-Tüv bei der abschließenden Bauabnahme nichts mehr zu beanstanden hat, dürfen in der Oströhre alle Signale auf Grün gestellt werden. Auf einen Zeitpunkt wollte Meesenburg sich nach den leidvollen Erfahrungen der vergangenen Jahre nicht festlegen. Es sei „nicht mehr soweit hin“.

Fest steht: Die sanierte Hälfte des Kanaltunnels hat eine technische Ausstattung, die weit über den Standard der alten Röhre hinausgeht. Erstmals kommt eine automatische Höhenkontrolle zum Einsatz. Sie wird immer dann ausgelöst, wenn ein Fahrzeug das Höchstmaß von vier Metern überschreitet. Die dafür nötige Technik mit Lichtschranken und Kameras an einem Kragarm über der B77 sowie Kontaktschleifen in der Fahrbahn wurde bereits vor Monaten montiert. Wird die Höhenkontrolle ausgelöst, springen entlang der betroffenen Tunnelzufahrt sofort alle Signale auf Rot.

Eine andere technische Verbesserung betrifft den Radio- und Handyempfang. Das Mobilfunksignal in der Oströhre wird stärker sein als in der alten Querung nebenan, kündigte der Projektleiter an. Auch das Radio kann unter dem Kanal weiter vor sich hin dudeln – sogar mehrere Sender sollen sich unter dem Kanal einstellen lassen. Die dritte technische Finesse hingegen kommt nur im Notfall zum Einsatz: Lautsprecherdurchsagen aus der Leitwarte des Unterwasser-Bauwerks können mit einer eigenen Sendeanlage auf UKW-Frequenzen auch im Autoradio verbreitet werden. So werden nach einem schweren Unfall selbst Autofahrer, die laut Musik hören und die Fenster geschlossen haben, mit möglicherweise lebenswichtigen Informationen versorgt.

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