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Tiere : Feuermelder retten Kitze vor Tod im Mähwerk

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ein Sorgwohlder Landwirt hat eine besondere Methode zum Wildtierschutz.

Acht bis zehn tote Rehkitze – bis vor wenigen Jahren war das die traurige Bilanz, wenn Fiete Pahl eine seiner Wiesen gemäht hat. Der Betriebshelfer der Landwirtschaft aus Sorgwohld besitzt mehrere Hektar an Flächen und hat jahrelang in Kauf nehmen müssen, dass der Reh-Nachwuchs beim Mähen zu Tode kam. Doch der 53-Jährige wurde erfinderisch, um das zu verhindern. Erst Mitte Mai hatte der Fall eines toten Rehkitzes in Embühren für gemischte Gefühle bei den Landwirten in der Region gesorgt. Einem Landwirt war vorgeworfen worden, in vollem Bewusstsein ein Kitz übermäht zu haben (wir berichteten).

Fiete Pahl hat dafür kein Verständnis, er selbst ist Mitglied im Hegering und ausgebildeter Jäger, der Wildtierschutz ist ihm ein ernstes Anliegen. Auf einem Jahrmarkt kam ihm dann eine Idee. Er nahm bunte Ballons, band sie zu einem Bündel zusammen und hing sie entlang der Weide auf. „Die Bewegung und das Parfum, mit dem wir die Luftballons eingesprüht haben, hat die Rehe abgeschreckt. Die Kitze laufen ihrer Mutter dann hinterher“, erklärt Pahl. Mit seiner selbst entworfenen Taktik konnte er die toten Kitze auf die Hälfte reduzieren. Denn neugeborene Kitze suchen oft Schutz im hohen Gras und verharren in einer Starre, selbst wenn Gefahr droht.

Einige Jahre später entdeckte Pahl batteriebetriebene Feuermelder, die am Rand der Weiden aufgestellt werden und die Rehe abschrecken sollen. „Die kurzgeschlossenen Feuermelder senden hohe Frequenztöne aus, die Wildtiere noch viel besser hören als der Mensch“, erläutert Pahl. Seitdem stellt er am Abend vor dem Mähen vier bis fünf dieser Feuermelder auf. Die Tiere hören die Signale und laufen von der Weide. Seitdem habe er kaum Kitze mehr tot aufgefunden. „Es ist so einfach und überhaupt nicht teuer. Man sollte mehr Geld in den Schutz der Tiere investieren“, erzählt Fiete Pahl. Ungefähr 20 Euro kostet ein kurzgeschlossener Feuermelder, 2000 Euro eine komplett neue Jagdwaffe. Das Geld für den Schutz der Tiere auszugeben, sollte seiner Meinung nach Priorität bei den Jägern haben, um einen gesunden und artenreichen Wildtierbestand zu erhalten. In seinem Hegering haben sich alle Jäger dem angeschlossen und verzeichnen seitdem eine Abnahme auf ein Fünftel von toten Rehkitzen. „Ein Kitz zu übermähen kann nie komplett verhindert werden, man kann aber definitiv alles daran setzen, es zu vermeiden“, betont der 53-Jährige.

Dass es auch spontan geht, beweist der Enrichmentkursus „Unsere heimische Tierwelt – entdecken und erforschen“ der Rendsburger Gymnasien und Umgebung. Die Schüler trafen sich jetzt zur Wildtierbeobachtung mit mehreren Jägern aus Nübbel, als ein Landwirt sich für den folgenden Tag zum Mähen anmeldete. Kurzerhand entschlossen sich die Schüler zu helfen. Sie liefen in einer engen Kette das Feld ab, um Ricken mit ihren Kitzen ausfindig zu machen. An einer Koppel, die gemäht werden sollte, sahen die Schüler und Jäger schon eine Ricke und einen Bock im hohen Gras stehen. Auch hier waren zusätzlich die Rauchmelder angebracht, die mit Signalen die Rehe von der Koppel scheuchen sollen. Anwohner hatten sich zwar anschließend über eine Lärmbelästigung am Abend beschwert, konnten aber die Erklärung, dass die Feuermelder dem Wildtierschutz dienen, verstehen. An dem Tag wurden keine versteckten Kitze gefunden, auf Nachfrage bestätigte der Landwirt allerdings, dass er beim Mähen auf keine toten Rehe getroffen sei. Ob Luftballons, Feuermelder, Jagdhunde oder gemeinsame Suchaktionen – es ist vieles möglich, um die Kitze vor den Mähfahrzeugen zu schützen.

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erstellt am 31.Mai.2017 | 12:05 Uhr

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