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Embühren : Feuer zerstört Zuhause – und fast ein ganzes Leben

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Das Ehepaar Westphal leidet bis heute unter dem Hausbrand vor einem Jahr – jetzt soll es bergauf gehen.

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2014 | 06:00 Uhr

Embühren | Ein ausgebranntes Auto steht in der Einfahrt, daneben die kläglichen Überreste des Hauses von Karl Heinz und Christine Westphal. Ihre Sammlung an Kochbüchern ist genau so zerstört wie seine 27 Jahre alte Mercedes-Limousine. Nur wer genau hinsieht erkennt auf dem Grundstück noch Mauerreste, Dachziegel, Teile vom selbst gebauten Holztor oder der Gartendekoration. Zwischen Schutt und Asche wächst bereits das erste Grün. Am 23. Juli 2013 zerstörte ein Feuer die vier Wände des Ehepaars. Christine und Karl Heinz Westphal verkraften diesen Schicksalsschlag bis heute nicht.

„Hier hat alles angefangen“, sagt der 59-Jährige und zeigt auf eine Hecke am Rande des Grundstücks. Von dort war das Feuer auf das Auto und anschließend auf das Haus übergegangen. Eine aufmerksame Nachbarin hatte den Rauch entdeckt und die Bewohner gewarnt. Eineinhalb Stunden später standen die Westphals buchstäblich auf der Straße. „Ich hatte nur Schlappen an, keine Socken, eine kurze Hose und ein Unterhemd. Mehr nicht“, erinnert sich der Hausbesitzer. Es blieb gerade noch Zeit, die Kanarienvögel zu retten. „Wir wollten noch mal rein, aber die Feuerwehr hat uns natürlich aufgehalten“, sagt seine Frau. „Die waren unglaublich schnell vor Ort. Die Zusammenarbeit der Wehren hat großartig funktioniert.“ Auch von den Freunden kam sofort Unterstützung. „Ohne den Spendenaufruf unserer Nachbarin hätten wir jetzt nicht einmal Möbel“, erzählt Christine Westphal. Bei einem benachbarten Bauern dürfen sie einiges unterstellen, es gab Sachspenden für den neuen Haushalt und eine Mitarbeiterin vom Roten Kreuz ist sogar vorzeitig aus ihrem Urlaub zurückgekommen, um zu helfen. „Man weiß gar nicht, wie man das wieder gut machen soll“, zeigt sich die 44-Jährige von der nicht abreißenden Hilfsbereitschaft überwältigt.

Aber die Westphals haben nicht nur gute Erfahrungen nach ihrem Hausbrand gemacht. Auf eine Zahlung der Versicherung warten sie noch heute, eine Auseinandersetzungen mit der Bank lässt das Paar mittlerweile durch einen Anwalt klären. „Die machen uns das Leben echt schwer. Wieso zahlt man die Beiträge, wenn man dann doch nur getreten wird?“, fragt Christine Westphal. „Es gibt Tage“, gesteht sie ehrlich, „wenn Briefe von der Bank kommen, da wünsche ich mir, damals im Haus geblieben zu sein.“ Das Lachen habe sie nach dem Brand verlernt. „Wir dachten: Die Zeit heilt alle Wunden. Aber so etwas setzt einem unglaublich zu.“

Besonders schwer wiegt jedoch der Vorwurf, die Westphals hätten ihr Haus selbst angezündet. Dass er ein Brandstifter sei, musste dich Karl Heinz Westphal nicht nur von Außenstehenden sagen lassen, sondern hörte die Unterstellung auch aus dem Kreis der Familie. Die Brandursache ist bis heute nicht geklärt, mittlerweile gibt es aber ein Gutachten, welches zumindest besagt, dass den Betroffenen keine Schuld nachzuweisen ist. Manche tun es trotzdem und machen den Westphals das Leben damit noch schwerer.

Immer wieder haben sie versucht, rund um die Ruine klar Schiff zu machen, kamen aber nicht voran. „Wir packen fünf Teile an und dann kommt alles wieder hoch. Mir wird jedes Mal schlecht, wenn ich hier bin“, sagt sie. Trotzdem ist das erklärte Ziel des Paares, irgendwann wieder an genau dieser Stelle zu wohnen: „Das wird sehr harte Arbeit für uns werden, aber selbst wenn es zehn Jahre dauert, wir wollen einfach nur nach Hause, wir wollen wieder hier her.“ Damit es auf dem Grundstück voran geht, kommt nun ein Freund vorbei und packt mit an. Er hilft nicht nur bei der Arbeit, sondern ist auch moralische Unterstützung. „Hier muss was passieren. Man muss erst mal kapieren, dass man seine Sachen jetzt komplett wegschmeißen muss“, sagt Karl Heinz Westphal.

Und wenn all das geschafft ist, bekommt nicht nur der kleine Enkel, der einen Monat nach dem Brand zur Welt kam, eine Schaukel in den Garten gestellt, sondern dann gibt es auch gleich ein kleines Dorffest. „Irgendwie muss man ja Danke sagen.“

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