zur Navigation springen

Ein Jubiläum : Festakt eröffnet die Novembertage

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Das Jüdische Museum besteht seit 25 Jahren. Eine Ausstellung der Fotokünstlerin Gisela Floto erinnert an die Geschichte der Talmud Tora Schule in Hamburg. Den ganzen Monat gibt es Filme, Konzerte und Vorträge.

shz.de von
erstellt am 31.Okt.2013 | 19:01 Uhr

Schoschanna von Bastiller hält ein wohl in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts aufgenommenes Foto der noch jugendlich wirkenden Ida Ehre in den Händen. Die berühmte jüdische Schauspielerin (1900 bis 1989) und langjährige Chefin der Hamburger Kammerspiele war die Urgroßmutter der 26-Jährigen. Ein anderes Bild zeigt zwei junge Frauen in weißen Kleidern, anmutig auf einer Treppe platziert. Beide Aufnahmen sind Bestandteile einer Ausstellung der Hamburger Fotokünstlerin Gisela Floto, mit der am kommenden Sonntag die Novembertage im Jüdischen Museum eröffnet werden. Dargestellt wird „Die Talmud Tora Schule am Grindelhof in Hamburg zwischen gestern und heute“. In einem Festakt wird zugleich das 25-jährige Bestehen der Einrichtung in der Prinzessinstraße gewürdigt. Genauso lange gibt es die Novembertage.

Rendsburg hat nach Augsburg in seinen Mauern das zweitälteste Jüdische Museum der Bundesrepublik. Das Gebäude der ehemaligen Synagoge wurde von der seit Ende des 17. Jahrhunderts in der Stadt bestehenden jüdischen Gemeinde 1844/45 errichtet. Ebenso wie die benachbarte Talmud Tora Schule aus den 1830-er Jahren hat es die Nazi-Zeit überstanden. Der Tora-Schrein wurde im Zuge der Reichspogromnacht des 9. November 1938 von den Nationalsozialisten gesprengt. Später wurde das Gestühl zerstört und das Haus an einen Fischhändler zwangsverkauft.

Bis 1939 wurden hier Fische geschlachtet, geräuchert und eingelagert, bis ab Ende der siebziger Jahre eine neue Generation nach der Vergangenheit der Eltern und der Zukunft des Gebäudes fragte. Heute wird vom Museum aus das Jüdische in vielen Aspekten wietervermittelt. Die zur Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen gehörende Einrichtung zeigt in Dauer- und Wechselausstellungen Werke von Künstlern, die in der NS-Zeit als Juden verfolgt wurden. Daneben stehen religiöse, geschichtliche und kulturgeschichtliche Themen.

Während der reichsweiten Pogrome wurden alle Lehrer der von der jüdischen Gemeinde Hamburg betriebenen Tora Talmud Schule verhaftet. Nur drei Lehrer und 76 Schüler überlebten die Shoah; dabei waren 1937 noch über 800 Schüler von 33 Lehrern unterrichtet worden. Mit den Überlebenden nahm Gisela Floto Kontakt auf; der dabei entstandene Briefwechsel bildet die Grundlage der Beschäftigung Flotos mit der Schule, die seit einigen Jahren wieder betrieben und heute von 115 Kindern besucht wird. Die künstlerisch inszenierten Fotos der heutigen Schule mit ihren Schülern sollen die Verbindung zur Vergangenheit herstellen – wie das Bild der großen Ida Ehre.

Die Ausstellung mit Unterstützung durch die Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein läuft bis 2. Februar (Dienstag bis Sonntag, 12 bis 17 Uhr). Sonntagsführungen mit Museumsleiter Dr. Christian Walda finden am 1. Dezember, 12. Januar und 2. Februar (jeweils 12 Uhr) statt. Der Eröffnungs- und Jubiläums-Festakt mit Ministerpräsident Torsten Albig und dem Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan J. Kramer, beginnt am Sonntag, dem 3. November (12 Uhr). Als nächste Veranstaltung der Novembertage folgt am Dienstag, dem 5. November (18 Uhr), ein Vortrag von Lea Fleischmann mit dem Titel „Meine Sprache wohnt woanders – Gedanken zu Deutschland und Israel“. Zum Programm gehören weiter Konzerte mit sephardischen und jiddischen Liedern, ein Theaterabend sowie drei Filmvorstellungen.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen