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Rendsburg/Nortorf : Fatale Fehler der Nachwuchs-Radler

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Automobilclub stellt in seinen Übungskursen zunehmend Defizite bei Kindern fest. Häufigste Unfallursache: Fahren auf der falschen Seite.

Die Zahl der Unfälle mit Radfahrern befindet sich auf einem Rekordniveau – seit mehreren Jahren verunglücken mehr als 300 Radler jährlich im Kreis Rendsburg-Eckernförde. 2016 waren es 329, nahezu alle davon wurden dabei verletzt. Deshalb wird Prävention besonders groß geschrieben und mit der Ausbildung bereits im Kindesalter begonnen. Viele Grundschüler meistern die Radfahrprüfung mit Bravour, doch Polizei und Automobilclub ADAC stellen zunehmend Defizite bei den Nachwuchs-Verkehrsteilnehmern fest.

Das Risiko ist unberechenbar: Wer die Verkehrsregeln nicht richtig kennt oder beachten will beziehungsweise sein Fahrrad nicht beherrscht, bringt sich und andere Verkehrsteilnehmer in lebensgefährliche Situationen. „Die häufigste Unfallursache bei den sechs- bis 14-jährigen Radfahrern, die an Unfällen mit Personenschaden beteiligt waren, war eine verkehrte Straßenbenutzung, wie zum Beispiel das Befahren der falschen Fahrbahn“, berichtet Polizeihauptkommissarin Petra Strahl, die Leiterin der Präventionsstelle der Polizei Neumünster. Das war im vergangenen Jahr in 22 Prozent der Rad-Unfälle der Fall. „Damit haben wir große Probleme, denn Autofahrer rechnen nicht damit, dass Radler von rechts kommen“, ergänzt Polizeisprecher Sönke Hinrichs. In zweiter Linie führten Fehler beim Abbiegen und Wenden sowie besonders beim Einfahren in den fließenden Verkehr zu Zusammenstößen. Auch das Anfahren vom Fahrbahnrand bereitet Petra Strahl zufolge Probleme. Dabei beziehen sich die Zahlen nur auf polizeilich dokumentierte Unfälle. „Die Dunkelziffer der Unfälle mit leichteren Blessuren oder Sachschäden, in die Rad fahrende Kinder zwar verwickelt waren, die aber nicht polizeilich aufgenommen wurden, ist dabei wahrscheinlich um ein Vielfaches höher“, fügt Strahl an. Neben der landesweiten Ausbildung und Radfahr-Prüfung der Schüler aller vierten Klassen durch speziell ausgebildete Präventionsbeamte der Polizei hat auch der ADAC mit dem Jugend-Fahrradturnier ein Übungsprogramm für junge Radfahrer im Alter von acht bis 15 Jahren entwickelt. Es kann von den Schulen direkt bei den Verkehrsabteilungen der ADAC-Regionalclubs kostenlos angefordert werden.

„Der Parcours wurde Anfang des Jahres geändert, um die Anforderungen und Situationen im täglichen Verkehr noch realer nachzustellen“, erklärt Ute Thriene, die als Jugendwartin des Nortorfer Automobilclubs seit gut 20 Jahren die Turniere an den Schulen durchführt. So gibt es jetzt – statt einer zu durchfahrenden Acht – eine „S-Gasse“ und statt wie bisher nur einem gibt es nun zwei Kreisel, die rechts- und linksherum einhändig zu umfahren sind. „Wer nicht mit einer Hand fahren kann, ist auch nicht in der Lage, Handzeichen beim Abbiegen oder Spurwechsel zu geben – das kann, gepaart mit dem fehlenden Blick über die Schulter, im fließenden Verkehr fatale Folgen haben“, weiß die Jugendwartin. Dabei stellte sie im Laufe der vergangenen Jahre fest, dass sich gerade die motorischen Defizite bei den Mädchen und Jungen verstärken. „Einige Kinder dürften gar nicht mit dem Rad unterwegs sein“, vermerkt Thriene. „Wir hatten schon Kinder dabei, die waren so unsicher, dass ich am liebsten ihr Fahrrad weggeschlossen hätte, damit nichts passiert.“

„Hier stehen die Eltern in der Pflicht“, betont Polizeihauptkommissar Reiner Tödt von der Polizei-Zentralstation Nortorf. Dem Kind mit einem Fahrrad einen Herzenswunsch zu erfüllen, sei eine Sache. Sich darüber bewusst zu sein, welche Gefahren dabei auftauchen können, eine ganz andere. Innerhalb einer Siedlung mit verkehrsberuhigter Straße könne das noch einigermaßen gehen – aber Fahranfänger oder unsichere Kinder ohne Aufsicht in den fließenden Verkehr zu lassen, sei verantwortungslos. Ein plötzlich auftauchendes Hindernis reiche bei vielen Kindern schon aus, um die Kontrolle über das Fahrrad zu verlieren. Erwachsene haben nach wie vor eine Vorbildfunktion für Kinder. „Wer mit dem Fahrrad unterwegs ist und dabei die Verkehrsregeln nicht einhält, sollte immer daran denken, dass Kinder sich gern etwas abgucken und nachmachen“, gibt Tödt zu bedenken.

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erstellt am 23.Jul.2017 | 18:36 Uhr

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