Experten tauschen sich aus : Faszination Moor

An einigen Stellen bildet das Torfmoos bereits grüne Teppiche.
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An einigen Stellen bildet das Torfmoos bereits grüne Teppiche.

Die Stiftung Naturschutz und das Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein luden Moorschutz-Aktiven aus dem ganzen Land zu einem Treffen ein.

shz.de von
14. März 2018, 10:28 Uhr

Auch wenn Moore relativ viele Gemeinsamkeiten haben, gibt es genauso viele verschiedene Aspekte, die sie voneinander unterscheiden. Daher hatten die Stiftung Naturschutz und das Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein die Moorschutz-Aktiven aus dem ganzen Land zu einem Treffen eingeladen, bei dem der Erfahrungsaustausch und die fachliche Weiterbildung im Vordergrund standen. Thema der Veranstaltung: Die Wiedervernässungsaktion im Großen Moor bei Dätgen. Die Fragen dabei waren, welche Zielsetzungen bei verschiedenen Voraussetzungen realistisch sind und wie einige Maßnahmen umgesetzt werden können.

„Alles, was wir machen, ist auch für uns Neuland – keine Generation vorher hat bisher Projekte dieser Art realisiert“, brachte es Dr. Walter Hemmerling von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein auf den Punkt. Daher sei man zurzeit ausschließlich auf Erfahrungswerte angewiesen, sowohl im geologischen als auch im zoologischen Bereich. Das Große Moor bot sich besonders an, da hier gleich mehrere besondere Gegebenheiten vorliegen.

Dabei gelte es nicht nur, die Besitztums-Verhältnisse der zahlreichen einzelnen Parzellen zu berücksichtigen, eine große Herausforderung stellen Höhenunterschiede auf dem Gelände dar. „Während wir Stellen haben, die nahezu unangetastet sind, sind andere durch den bäuerlichen und industriellen Torfabbau teilweise bis auf den Grund des Moores abgetragen“, berichtet der Neumünsteraner Biologe Björn-Henning Rickert. Dementsprechend habe man teilweise Höhenunterschiede von fünf Metern und mehr. Zu viel, um das selbst bei einem Oberbodenabtrag mit einem Mal ausgleichen zu können. Daher ging man dazu über, das gut 412 Hektar große Moor in einzelne Module aufzuteilen, die jeweils von Randverwallungen umschlossen sind. „Durch verstellbare Überläufe können wir so die Wasserstände in jedem Modul beeinflussen“, ergänzt der freie Biologe. Haben doch nur so Flora und Fauna genug Zeit, sich schrittweise anzupassen. „Und erst wenn sich ein Modul stabilisiert hat, wird das benachbarte vorbereitet“, plant Rickert die nächsten Schritte.

Rund 200 000 Euro sind bis jetzt allein in dieses Projekt geflossen. Mit Bagger und Pistenbulli wurden fast sechs Kilometer Verwallung aufgeschüttet und 57 Grabenstaue gebaut. „Durch diese Maßnahmen konnten bisher rund 81 Hektar vernässt werden“, erklärt Veronika Breuer von der Stiftung Naturschutz, die die Teilnehmer des Erfahrungsaustausches im Anschluss mit auf eine Exkursion in das Moor nahm.

„Torfmoose sind die Bausteine eines Moores“, verrät Breuer. Sie sind wurzellos und können, wie ein Schwamm, das bis zu 20-fache ihres Volumens an Wasser einlagern. Während ihre Spitzen unbegrenzt hoch wachsen, sterben die unteren und älteren Teile aus Licht- und Luftmangel ab. Und so bilden sich auch bereits im Großen Moor die ersten Moosteppiche. „Übrigens sind Torfmoose auch für die extremen Lebensbedingungen im Hochmoor maßgeblich verantwortlich, weil sie dem Regenwasser nahezu alle Nährstoffe entziehen – was wiederum den Säuregehalt des Moorwassers erhöht“, fügt Breuer an. Die zusätzlich abgesonderten Gerbsäuren sind dann auch der Grund für den guten Erhaltungszustand von Moorleichen, die sich dadurch nicht zersetzten können.

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