SHMF : Fantastisch, diese Vier!

Der „Tatort“-Kommissar Ulrich Tukur hat auch am Klavier einiges drauf. Sein Können zeigte er zusammen mit den „Rhythmus Boys“ in der ACO-Thormannhalle.
Der „Tatort“-Kommissar Ulrich Tukur hat auch am Klavier einiges drauf. Sein Können zeigte er zusammen mit den „Rhythmus Boys“ in der ACO-Thormannhalle.

„Ulrich Tukur und die Rhythmus Boys“ begeisterten in der ACO-Thormannhalle.

shz.de von
05. Juli 2018, 10:55 Uhr

Mehr als 1000 gebannt lauschende Zuhörer hatte das Schleswig-Holstein Musik-Festival (SHMF) zu einem besonderen Erlebnis in die ACO-Thormannhalle nach Büdelsdorf gelockt. „Grüß mir den Mond! Durch die Nacht mit ,Ulrich Tukur und die Rhythmus Boys‘“ war das Programm überschrieben. Es war prall gefüllt mit Fantasiegeschichten, Ausflügen in die Jazz-Geschichte und Tanzmusik der 1930-er Jahre, Schauspiel und Sprechkunst. Nicht zu vergessen Gesang und Tanz, flankiert von Klavier-, Kontrabass-, Gitarren- und Schlagzeugsoli. Der vor allem als Charakterdarsteller bekannte Ulrich Tukur, Ulrich Mayer (Gitarre, Gesang), Günter Märtens (Kontrabass, Gesang) und Kalle Mews (Schlagzeug, Gesang) überschritten sämtliche Genregrenzen. Durch sie wurde der Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Angefangen hatte er mit Vogelgezwitscher aus dem Lautsprecher – bis Ulrich Tukur mit den „Rhythmus Boys“ aus dem Dunkel des Saals mit Funzel-Laterne auf die Bühne stürmte und sie erkundete. Schwarzer Anzug, weißes Hemd, roter Schlips: Die Vier sind nicht nur Könner in Sachen Musik, Gesang und Wort.

Tukur fantasierte bei aufgehendem Mond über das einzige Himmelsgestirn, das im Laufe eines Menschenlebens aufgrund seiner „kleinen“ Entfernung zur Erde zu Fuß erreichbar wäre. Mit einer Fantasiegeschichte über die Mondlandung 1969 schaffte er, offensichtlich selbst verwundert über die lange Redeschleife von fünf köstlichen Minuten, den Übergang zum amerikanischen Komponisten Cole Porter und seinem Hit „Night and Day“. Tukur: „So, das war der ganze Sinn der Ansage!“ Eine großartige Entführung in die fantastische Musikwelt damals.

Ebenso traumhaft harmonierte das Quartett. Alle waren in Hochform – mit Tukur als Erzähler fantastischer Geschichten, Pianist und Chef der Gruppe im Zentrum. Literarisch gewürzte Ansagen mit Eichendorff-Zitat, eine Hommage an Ilse Werners Song „Mit der letzten Straßenbahn, die uns glücklich macht“ sowie kurze Zeilen von Wilhelm Busch oder Joachim Ringelnatz gaben dem Abend immer wieder überraschende Wendungen. „In the Mood“ von Glenn Miller – natürlich eingeleitet von Tukur mit einer ausgedachten Lebensgeschichte. Fabelhaft! In „Everybody loves my baby“ mit virtuosem Schlagzeugsolo zeigte Kalle Mews, dass er noch viel mehr kann außer cool zu sein und scheinbar regungslos die kompliziertesten Rhythmen anzugeben.

Mit Stepp-Tanzeinlagen von Günter Märtens und Ulrich Tukur, quasi ungeplant nebenbei, und vielen gekonnt gemachten Extras entstand eine Musik-, Text-, und Schauspiel-Komödie mit ironischen Akzenten, treffend beleuchtet von einer Disco-Glitzerkugel. Alles ohne Sprachgrenzen: Tukur als Italiener oder Franzose ließ sich über die „ethymythologische Geschlechtlichkeit der Planeten“ aus. Nach der Pause ging’s in Schlafanzügen weiter: „Let’s spend the night together“ mit Günter Märtens, einer Puppenhochzeit mit dem größten Zwerg der Welt – und als Zugabe „La Paloma“ mit Bühnennebel.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen