Gegen Umbettung : Familie kämpft um Vaters Grab

Aufgelöste Gräber werden nicht wieder vergeben. Die Stadt Büdelsdorf schließt den Westteil ihres Friedhofs. Der Trend geht zu Bestattungen in Urnengräbern und Friedwäldern.  Fotos: JH Frank (2)
Aufgelöste Gräber werden nicht wieder vergeben. Die Stadt Büdelsdorf schließt den Westteil ihres Friedhofs. Der Trend geht zu Bestattungen in Urnengräbern und Friedwäldern. Fotos: JH Frank (2)

Stadt Büdelsdorf legt Teil des Friedhofs still.

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21. Juni 2018, 11:02 Uhr

Büdelsdorf | Frauke Sauer bangt um ihre letzte Ruhestätte. Die 80-Jährige will auf dem Büdelsdorfer Friedhof in einem Doppelgrab neben ihrem Ehemann Manfred beerdigt werden, der 2016 starb. Beim Blumengießen erfuhr sie aber zufällig, dass Bestattungen in dem Teil der städtischen Anlage nicht mehr erlaubt sind. „Das hat uns eine Woche schlaflose Nächte bereitet. Wir waren sehr verzweifelt“, berichtet Tochter Heike Sauer.

Im Rathaus erhielt sie die Auskunft: Der Westteil des Friedhofs, in dem das Doppelgrab der Familie Sauer liegt, wurde mangels Auslastung geschlossen. So vereinbarte es die Stadtvertretung im Juli 2017. „Das bedeutet, dass dort keine Bestattungen mehr vorgenommen werden“, erläuterte Bürgermeister Rainer Hinrichs.

Familie Sauer besitzt das Grab seit 1976. Die Eltern von Frauke Sauer wurden dort bestattet. Sie verlängerte das Nutzungsrecht nach dem Tod ihres Mannes um 20 Jahre. Mehr als 1400 Euro berechnete die Stadt dafür. Für die 80-Jährige ist es wichtig, neben ihrem Ehemann beerdigt zu werden. „Wenn man fünf Jahre seinen schwer dementen Partner gepflegt hat, möchte man auch neben ihm bestattet werden“, sagt Heike Sauer. Stattdessen bot ihr die Verwaltung ein Einzelgrab für die Mutter oder eine Umbettung des Vaters auf Stadtkosten an. Die 55-Jährige half bei seiner Pflege. „Er wollte immer seine Ruhe haben. Deshalb kommt eine Umbettung für uns nicht infrage.“

Die Stadt kämpft mit einem Wandel in der Bestattungskultur: Immer weniger Menschen lassen sich in Särgen beerdigen. Das ist im protestantischen Norddeutschland genauso wie im katholischen Süden. „Der Trend zur Feuerbestattung nebst Urnengrab oder Beisetzungen außerhalb der Friedhöfe sorgen für Einnahmeausfälle“, teilte die Gesellschaft deutscher Friedhofsgärtner gestern mit. Das zeigt sich auch in Büdelsdorf. Der Friedhof umfasst laut Verwaltung etwa 5100 Grabstätten, von denen 2850 (56 Prozent) belegt sind. Im stillgelegten Abschnitt wird nur jedes vierte Grab gebraucht. Zwischen Gedenksteinen wächst kniehohes Gras, daneben stehen Bienenstöcke. Die Anlage verursachte 2017 Kosten von 256 000 Euro, brachte aber nur Einnahmen von 104 000 Euro. Die Stadt musste 152 000 Euro zuschießen.

Der Bürgermeister will Familie Sauer entgegenkommen. Er schlägt dem Ausschuss für Ordnung, Senioren und Soziales vor, in der Sitzung am Mittwoch, 27. Juni, ab 18.30 Uhr, in der Feuerwehrwache, Memelstraße 1, eine Ausnahmeregelung zu beschließen. Die Bestattung von Eheleuten in Familiengräbern soll erlaubt bleiben. Im Westteil gibt es 52 Doppelgräber. Die meisten Angehörigen meldeten sich nicht.

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