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Hohe Stromnachzahlung : Familie aus Timmaspe: Das tägliche Bangen um den Stromanschluss

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

673 Euro monatlich für Strom – das kann ein Rentnerehepaar aus Timmaspe (Kreis Rendsburg-Eckernförde) nicht leisten. Die Stadtwerke Neumünster kündigen den Vertrag.

shz.de von
erstellt am 12.Mär.2015 | 18:48 Uhr

Ob Wasserkocher oder Licht, ob Computer oder Herd: Ohne Strom funktioniert im Alltag fast nichts. Doch was tun, wenn der Energieversorger ankündigt, den Strom abzustellen? Vor dieser Situation steht die Familie Horstmann aus Timmaspe. Die Stadtwerke Neumünster (SWN) haben der vierköpfigen Familie schriftlich mitgeteilt, dass die Energielieferung bis spätestens Ende dieser Woche eingestellt wird. Der Grund dafür: nicht beglichene Forderungen.

Im Herbst des vergangenen Jahres flatterte Christa und Ernst Horstmann die Jahresabrechnung ins Haus: 2800 Euro musste das Rentner-Ehepaar nachzahlen. Die Summe sollte nach Absprache mit den Stadtwerken in Raten in Höhe von 400 Euro im Monat abgezahlt werden. Außerdem wurde der monatliche Abschlag von 220 auf 273 Euro erhöht. Insgesamt galt es also, 673 Euro monatlich an die Stadtwerke zu überweisen – viel Geld für den ehemaligen Maler und die gelernte Näherin.

Das Paar lebt mit Enkelin Laura-Sophie und Tochter Michaela unter einem Dach. Diese arbeitet stundenweise als Verkäuferin bei einem Discounter. Laura-Sophie geht noch zur Schule. Viel Geld ist nicht vorhanden, zumal Christa und Ernst Horstmann auch noch ihr Haus abzahlen, in dem sie seit über 40 Jahren leben. Die hohen monatlichen Stromkosten sind für die Familie eine echte Belastung. „Die Stadtwerke haben ihr Geld aber immer bekommen“, so Christa Horstmann, die auch einräumt: „Ich habe das Geld bei der Sparkasse in Neumünster eingezahlt. Da ich dort nicht regelmäßig hinkomme, habe ich die Summe nicht immer zu einem festen Termin eingezahlt.“ Ein Lastschriftverfahren wollte die 67-Jährige nicht einrichten: „Ich überweise das Geld lieber selbst, damit ich weiß, was vom Konto abgeht.“

Hilfe hat die Rentnerin unter anderem bei Meike Derner, der Bürgermeisterin von Timmaspe gesucht. „Sie hat sich für uns eingesetzt, konnte uns letztlich aber auch nur mitteilen, dass die Stadtwerke die Kündigung nicht zurücknehmen“, so Christa Horstmann. Auch eine Anfrage beim Sozialamt in Nortorf verlief bisher ohne Ergebnis. Dort müsse geprüft werden, ob von dieser Seite Unterstützung zu bekommen ist – zum Beispiel in Form eines Darlehens. „Ich will ja gar nichts geschenkt haben, ich zahle das Geld zurück“, sagt sie. „Es sieht aber so aus, als sei unser Einkommen ein klein wenig zu hoch, um Unterstützung zu bekommen.“

Zwischenzeitlich musste sich Christa Horstmann wegen Arthrose einer Wirbelsäulen-Operation unterziehen. Noch aus dem Krankenhaus erkundigte sie sich bei den Stadtwerken, ob es eine Möglichkeit gibt, die Abschaltung des Stroms zu verhindern: „Dort wurde mir gesagt, dass nichts zu machen ist. Der Strom wird abgestellt.“ Nun wartet die Familie täglich auf den Besuch eines Mitarbeiters. „Meine Enkelin fragt mich jeden Tag, was wir dann machen. Und ich antworte immer, dass ich niemanden im Stich lasse und für alle kämpfe.“ Sie sei die letzte, die sich Hilfe holt, aber ihr Akku sei derzeit leer. Bald stehen weitere Operationen an, diesmal an den Knien. Vollkommen überraschend ist vergangene Woche zudem Christa Horstmanns Schwager verstorben. Ehemann und Tochter sind mutlos angesichts der Situation. „Meine Energie ist mittlerweile am Ende“, sagt die Timmasperin.

Die Stadtwerke Neumünster verweisen darauf, dass es nach der ersten Mahnung etwa drei Monate dauere, bis der Strom dann tatsächlich abgestellt wird. Genügend Gelegenheiten, seinen finanziellen Pflichten nachzukommen. „Die vereinbarte Ratenzahlung wird dann wirksam, wenn auch die monatlichen Teilbeträge gezahlt werden“, erklärte SWN-Sprecher Nikolaus Schmidt. Es sei zwar immer wieder Geld eingegangen, es habe aber an der zuverlässigen Regelmäßigkeit gefehlt. Die momentane Forderung beträgt knapp 2200 Euro. Der Strom wird der Familie in jedem Fall abgestellt.

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