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„WhatsApp“-Spam : Falsche Warnung vor angeblichen Rauchmelder-Kontrolleuren

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Vor der angeblichen kriminellen Masche wird gewarnt, obwohl der Polizei keine Fälle gemeldet wurden.

von
erstellt am 26.Okt.2017 | 11:13 Uhr

Der Text ist immer ähnlich. Er ist eine Warnung, die in Alarmbereitschaft versetzt. Die Absender sind Freunde, Kollegen oder Verwandte und die Nachricht wird meist über den Messenger „WhatsApp“ verbreitet. „Wir bekommen gerade Meldung intern von der Feuerwehr“, heißt es da beispielsweise. „Es sind Leute unterwegs, die sich von Haus zu Haus durcharbeiten und kontrollieren wollen, ob die jetzt seit Januar gesetzlich vorgeschriebenen Rauchmelder vorhanden sind.“ Dann folgt die Warnung: „Nicht reinlassen und Polizei rufen. Es ist eine organisierte Verbrecher-Bande!!! Weiter posten!!“

Angeblich soll diese Bande im Raum Kiel, in den Kreisen Plön und Rendsburg-Eckernförde unterwegs sein. Wer der Urheber der Nachricht ist, lässt sich nicht feststellen, denn nach dem Schneeballprinzip verbreitet sie sich von Haushalt zu Haushalt. Aber: Polizei und Feuerwehr ist nichts bekannt. „Ähnliche Nachrichten waren schon vor mehr als einem Jahr im Umlauf“, erinnert sich Sönke Hinrichs, Pressesprecher der Polizeidirektion Neumünster, die auch für Rendsburg zuständig ist. Aktuell kann er nur sagen: „Fälle dieser Art wurden der Kriminalpolizei in Rendsburg und Eckernförde nicht angezeigt.“

Jürgen Beyer, Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbandes Rendsburg-Eckernförde, hat eine derartige Nachricht auch erhalten – von seinen Söhnen und von seinem Bruder aus Niedersachsen. Dass die Warnung eine Fälschung sein muss, erkennt der Fachmann an einem kleinen Detail: „Rauchmelder sind in Schleswig-Holstein bereits seit dem 1. April 2005 für Neu- und Umbauten Pflicht“, erklärt er auf Nachfrage der Landeszeitung. In bestehende Bauten müssen die Geräte seit dem 31. Dezember 2010 montiert werden.

Für die Funktionsfähigkeit der Alarmanlagen sind die Eigentümer der Gebäude zuständig. Also die Vermieter oder bei privaten Wohnungen deren Eigentümer. „Mieter einer Wohnung können beim Bauamt melden, wenn der Vermieter seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen ist“, heißt es in den Bestimmungen. In diesen Fällen drohen Bußgelder und Auflagen. Im schlimmsten Fall kommt es zu einem Brand und Feuerwehr, Polizei oder Gutachter stellen das Fehlen entsprechender Warnsysteme fest. Dann verliert die verantwortliche Person nicht nur den Versicherungsschutz, sondern es droht auch eine strafrechtliche Verfolgung. Jürgen Beyer macht jedenfalls im Zusammenhang mit der WhatsApp-Meldung deutlich: „Sie können sicher sein, unsere Leute werden keine Privathaushalte kontrollieren.“

Rauchmelder-Pflicht für Privathaushalte in Deutschland:

> Im Jahr 2003 führte Rheinland-Pfalz als erstes Bundesland die Rauchmelderpflicht ein. Seitdem folgen nach und nach die anderen Bundesländer. Inzwischen haben alle 16 eine Pflicht eingeführt.

> Die Bundesländer können die Regelungen dabei selbst ausgestalten, da Brandschutz Ländersache ist.

> Die Bestimmungen sind dahin gehend einig, welche Räume auszustatten sind: In Schlaf- und Kinderzimmern sowie in Fluren, die als Fluchtwege dienen, müssen Rauchmelder angebracht werden.

> Wer für Anschaffung, Installation und Wartung verantwortlich ist, ist unterschiedlich geregelt. Bei Mietwohnungen ist in der Regel der Vermieter zuständig.

> Wenn der Vermieter die Kosten übernehmen muss, darf er diese zum Teil auf die Miete umlegen. Wartungskosten dürfen zu den Nebenkosten dazugerechnet werden.

> Der Begriff „Wartung“ kommt in den Landes-Bauordnungen im Zusammenhang mit Rauchwarnmeldern nicht vor. In den Bauordnungen der meisten Bundesländer ist formuliert: „Die Sicherstellung der Betriebsbereitschaft obliegt den unmittelbaren Besitzern, es sei denn, die Eigentümerin oder die Eigentümer haben diese Verpflichtung übernommen.“



 

 


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