Faire Produkte unter dem Dach der Kirche

Der Rendsburger Weltladen feiert sein 30-jähriges Bestehen / Den Verkauf regeln ausschließlich Ehrenamtler

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05. Januar 2015, 18:30 Uhr

Genussmittel wie Kaffee, Tee, Kakao und Schokolade sind im Winter besonders beliebt – in deutschen Supermärkten gehören sie zum gewohnten Sortiment. Doch in den Entwicklungsländern werden Produkte wie diese nur selten unter angemessenen Bedingungen hergestellt. Das veranlasste Dorothea Heiland und weitere Freiwillige vor 30 Jahren dazu, den Rendsburger Weltladen ins Leben zu rufen.

Schon acht Jahre zuvor arrangierte Dorothea Heiland kleine Basare in Fockbek. Später verkaufte sie auch auf dem Rendsburger Wochenmarkt ausschließlich fair gehandelte Ware. Daraus entstand der Weltladen, der anfangs in der Hohen Straße zu finden war. Seit vier Jahren stellt der Kirchenkreis den Verkaufsraum im Haus der Marienkirche zur Verfügung. Am Konzept änderte sich nichts: Hier werden nur Produkte von Anbietern aus Dritte-Welt-Ländern gehandelt, die die Herstellungskriterien einhalten. Dazu gehören gerechter Lohn, geregelte Arbeitszeiten, keine Kinderarbeit sowie Gesundheits- und Mutterschutz.

Das überprüft der Dachverband des Weltladens alle drei Jahre. Erst dann können die Artikel mit dem Fair-Trade-Siegel versehen werden. Doch der Begriff ist nicht geschützt – bereits bei einem 20-prozentigen Anteil von fair gehandelten Inhaltsstoffen können Anbieter darauf verweisen. „Wenn bei uns ,Fair Trade‘ drauf steht, ist auch Fair Trade drin. Teilweise bis zu 100 Prozent“, verspricht Dorothea Heiland, die in dem Laden ehrenamtlich arbeitet. Auch Lederwaren und Musikinstrumente sowie Wein, Kerzen und Schmuck werden im Geschäft angeboten. Die pensionierte Pastorin übernimmt ein bis zwei Mal pro Woche eine der Schichten, die sie sich mit neun weiteren Freiwilligen teilt. „Ich bin stolz darauf, dass wir inzwischen kontinuierlich geöffnet haben können“, freut sich Heiland.

Etwa 1000 bis 1500 Euro Umsatz erwirtschaften die Ehrenamtler monatlich. Der gesamte Gewinn wird für entwicklungspolitische Projekte, die Ladenmodernisierung und Mitarbeiter-Fortbildung verwendet. 8000 Euro kamen im vergangenen Jahr zusammen, womit Bildungsmaßnahmen und Lebensbedingungen in Südafrika gefördert werden konnten. Mit 90 Kilogramm verkauftem Reis kann ein Bauer in Malawi ein Jahr lang den Schulbesuch seines Kindes bezahlen. „Die Projekte habe ich mehrfach besucht. Unter anderem ein Ausbildungszentrum für Jugendliche in Santa Cruz oder eine Musikschule in einem bolivianischen Slum“, berichtet Dorothea Heiland.

Selbst über kleinere Erfolge freut sich das Weltladen-Team. In der Buchhandlung Reichel wird durch ihr Engagement nun Fair-Trade-Kaffee ausgeschenkt. Und die Schüler der Grundschule Mastbrook erhalten zum Geburtstag Schokolade, die nicht nur gut schmeckt, sondern auch ohne Kinderarbeit hergestellt wurde. „Die Menschen darauf aufmerksam zu machen, ist unser Ziel“, so Heiland.

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