Reaktion : Fahrverbot stößt auf Ablehnung

Ein Golf TDI älteren Baujahrs steht gestern auf dem Paradeplatz in Rendsburg. Auch dieses Modell wäre vermutlich von einem Fahrverbot betroffen.
Ein Golf TDI älteren Baujahrs steht gestern auf dem Paradeplatz in Rendsburg. Auch dieses Modell wäre vermutlich von einem Fahrverbot betroffen.

Handwerker können nicht auf günstige Dieseltransporter verzichten / Bürger sehen beim Umweltschutz Autoindustrie in der Pflicht

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28. Februar 2018, 10:12 Uhr

Jeder will in der Stadt saubere Luft atmen. Die wenigsten Menschen können es sich aber leisten, dafür ihr Dieselfahrzeug stehen zu lassen. Die gestrige Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts, dass Städte Fahrverbote für Diesel einführen dürfen, stößt in Rendsburg und Umgebung auf wenig Zustimmung.

„Das trifft die Ärmsten: die Rentner und die, die weite Wege fahren müssen“, sagt Holger Küenle, Geschäftsführer des Autohauses Huf in Büdelsdorf. Jeder zweite Kunde kaufe einen Diesel. „Wir sind nicht erfreut.“

Fahrverbote für Diesel würden vor allem Handwerker vor Probleme stellen. Die Mitarbeiter des Osterrönfelder Heizungs- und Sanitärfachbetriebs Rolf Petersen fahren täglich zu Baustellen in Hamburg. „Die wollen da nicht übernachten. Das kann ich nur mit Dieselfahrzeugen leisten“, sagt Prokurist Stephan Ernst-Petersen. Sollte Hamburg Fahrverbote verhängen, wären dringend Ausnahmen für Gewerbebetriebe nötig.

Michael Thomas Fröhlich, Geschäftsführer des Unternehmensverbands Mittelholstein, betont: „Fahrverbote lehnen wir prinzipiell ab.“ Sie träfen nicht nur die Falschen, wie Pendler und Kleinsthandwerker, die sich keine neuen Modelle leisten können. Die Verbote würden auch nicht helfen: Wenn sich der Verkehr dadurch neue Wege suche, entstehe der ökologische Schaden zum Beispiel in Wohnstraßen. Fröhlich rechnet jedoch nicht damit, dass Kommunen im Kreis Rendsburg-Eckernförde Dieselfahrzeuge tatsächlich verbannen. Die Belastung ist seiner Einschätzung nach gering.

Messstationen gibt es im Kreisgebiet allerdings nicht, teilte Kreissprecher Martin Schmedtje mit. Die Konzentration von Stickstoffoxiden wird landesweit an 14 Punkten erhoben. Die nächsten Messstationen stehen in Kiel.

Taxi-Unternehmer Adalbert Bogalski akzeptiert die erhöhten Umweltauflagen, vermisst aber Alternativen zum Diesel. Benziner sind unwirtschaftlich. Elektroautos fehlt es an Reichweite. Selbst wenn es am Bahnhof Stromzapfsäulen gäbe, könnte er Kunden nicht sagen: „Warten Sie, ich muss noch 15 Minuten tanken.“

Viele Bürger sehen beim Umweltschutz die Autoindustrie in der Pflicht. „Sie hat es verbockt. Sie muss alle Dieselfahrzeuge mit Hardware umrüsten“, fordert Bernd Rathje (64) aus Holzbunge. Rüdiger Czesnat (57) aus Rendsburg betont, dass auch die Abgase der Schiffe nicht außer Acht gelassen werden dürfen.

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