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Rendsburg und Umgebung : Fahrräder sind oft eine leichte Beute

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Diebe knacken primitive Schlösser in drei Sekunden. Fehlende Kennzeichnung von Rädern erschwert die Arbeit der Polizei.

Es war einmal ein Fahrrad: Finn Bünning steht mit seinem Metallrahmen, an den Sitz und Lenker und Pedale montiert sind, bei „Fahrrad Rosacker“ in Büdelsdorf. Die Reifen fehlen. Abmontiert von Dieben vor der Schule in Schacht-Audorf. Fahrrad-Diebstähle gibt es dort öfter, sagt die Mutter Nina Bünning: „Vor drei Monaten wurde Finn schon ein komplettes Fahrrad gestohlen.“ Es passierte in einem abgeschlossenen Raum der Schule. Die Versicherung zahlte nicht. „Damals haben wir kein Geld bekommen, weil das Rad nur ab-, aber nicht angeschlossen war. Ich habe erst danach gelernt, dass das einen Unterschied macht.“

Martina Rosacker-Sommerfeldt weiß um die Bedeutung solcher Feinheiten. Seit 2002 führt sie den Laden, in dem Finns Fahrrad wieder Räder bekommen soll. „Wenn das Rad nur abgeschlossen, aber nicht an einen unverrückbaren Gegenstand angeschlossen wurde, zahlt die Versicherung nicht“, erklärt Rosacker-Sommerfeldt. Außerdem sollte das Schloss auch um den Rahmen, nicht nur um einen Reifen gelegt werden. Wird das Rad trotzdem gestohlen, sollte die Versicherung möglichst den Neupreis abdecken. Wer will, kann auch Einzelteile mitversichern. „Nach dem ersten Diebstahl haben wir das komplette neue Rad versichert“, sagt Nina Bünning. Die neuen Rädern kosten Finns Mutter außer Zeit und Nerven nichts.

Sicherheit beginnt nicht erst bei der Versicherung. Abgesehen davon, dass es gewagt wäre, sein Fahrrad über Nacht an einem Bahnhof stehen zu lassen, kommt es vor allem auf die Qualität des Schlosses an: je hochwertiger, desto geringer das Diebstahlrisiko. „Diebe gucken auf die Zeit: Zehn Minuten zum Aufkriegen einen Schlosses wären ihnen wahrscheinlich schon zu lang“, sagt Rosacker-Sommerfeldt. Zehn Prozent vom Kaufpreis eines neuen Rades ins Schloss zu investieren, empfehlen Versicherungen. „Bei spiralförmigen Kabelschlössern, die es ab zehn Euro gibt, spricht die Polizei von ,Geschenkbändern‘, sagt Rosacker-Sommerfeldt. Im Laden nennt man sie „Drei-Sekunden-Schlösser“. „So lange dauert es, bis die ein Profi geknackt hat.“ Selbst Panzerkabel-Schlösser sind relativ einfach aufzubekommen, sagt Rosacker-Sommerfeldt. „Faltschlösser werden am meisten verkauft. Die sind sehr stabil und platzsparend.“ Auch Bügel- und Kettenschlösser empfiehlt sie. „Sehr teure Schlösser sind massiv, und auch die Schließvorrichtungen können nicht einfach geknackt werden.“

Gegen Reifendiebe gibt es ebenfalls Mittel: von Spezialschlüsseln bis zu einem System aus Muttern und Kappen, das nur geöffnet werden kann, wenn das Fahrrad auf der Seite liegt – was wiederum durchs richtige Anschließen verhindert werden kann. So viel Sicherheit hat ihren Preis. Einen zu hohen? „Es gibt Kunden, die sagen, dass sie bei sich auf dem Dorf kein Schloss brauchen“, erzählt Rosacker-Sommerfeldt. „Aber besonders bei Festen wie dem Rendsburger Herbst stehen am ersten Arbeitstag danach am Morgen oft mehrere Leute vor der Tür, um sich noch mal verlegte Kaufbelege für die Versicherung ausstellen zu lassen.“ 363 Fahrrad-Diebstähle wurden 2016 allein in Rendsburg angezeigt. Im gesamten Kreis waren es 979. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.

„Jeder Fahrraddiebstahl sollte angezeigt werden, völlig losgelöst von der Frage, was das Fahrrad gekostet hat und ob es versichert ist“, betont Sönke Hinrichs, Sprecher der Polizeidirektion Neumünster. „Sonst können gestohlene Räder später oft nicht dem rechtmäßigen Eigentümer zugeordnet werden.“ Zur besseren Identifizierung empfiehlt die Polizei, Fahrräder codieren zu lassen. Dabei wird eine Nummer in den Rahmen eingraviert, die individueller und haltbarer ist als die übliche Rahmennummer. Kosten: 15 Euro. Bei „Fahrrad Rosacker“ ist das jeden Tag möglich, bei „Mega Bike“ in Rendsburg, Friedrichstädter Straße 75-77, einmal monatlich.

Dass sich der Aufwand lohnt, mussten auch die Bünnings feststellen. Als Finns erstes Rad gestohlen wurde, konnten sie nur eine Beschreibung abgeben. Als Finn das Rad dann nahe der Fähre auf der Rendsburger Seite wiederentdeckte, nahm es die Polizei mit, um die Besitzverhältnisse zu klären. Finn wartet seit Wochen auf sein altes Rad. Sein neues ist codiert. Bald hat es auch wieder Reifen.

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erstellt am 28.Jun.2017 | 06:25 Uhr

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