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Verkehr in Rendsburg : Fahrrad-Flegel in der Fußgängerzone

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Das Fahrverbot in der Rendsburger Haupteinkaufsstraße wird oft ignoriert. Von der Polizei ertappte Sünder müssen Bußgeld zahlen.

shz.de von
erstellt am 29.Jun.2017 | 10:16 Uhr

Der junge Mann will Geld holen und hat es eilig. In Schlangenlinien kurvt er lässig durch die Hohe Straße, haarscharf an mehreren Fußgängern vorbei, und stellt sein schwarzes Trekking-Fahrrad vor dem kleinen Raum mit dem Geldautomaten der Sparkasse ab. Womit der Jugendliche nicht gerechnet hat: Die Polizisten Matthias Schladetsch und Bernd Lück stehen an der Ecke Hohe Straße/Kurze Straße und haben sein Treiben beobachtet. Jetzt stellen sie den Fahrrad-Flegel zur Rede. „Radfahren ist hier tagsüber nicht erlaubt“, sagt Lück und nimmt wenig später die Personalien des 15-Jährigen auf. Seine Ausrede, er habe nur Geld abheben wollen, tut jetzt nichts zur Sache. Die Eltern bekommen bald teure Post – mit der amtlichen Aufforderung, 15 Euro Strafe zu zahlen. Tatbestand: Befahren einer nicht freigegebenen Fußgängerzone.

Polizeihauptmeister Lück ist seit zehn Jahren unter anderem für das Stadtzentrum zuständig. Das Problem mit den Fahrradsündern in der Einkaufsstraße ist ihm hinlänglich bekannt. „Das ist ein altes Problem Rendsburgs“, erklärt der Beamte. „Für Radfahrer fehlt eine Möglichkeit, fahrenderweise durch die Innenstadt zu kommen.“ Vor allem in Nord-Süd-Richtung (und umgekehrt) erweist sich das in der Tat als schwierig. Wer seinen rollenden Untersatz zwischen Theater und Schiffbrückenplatz nicht durch die Einkaufszone schieben will, muss über die Wallstraße, das Stadtseegelände oder den Obereiderhafen ausweichen. Alle Varianten sind mit Umwegen und Zeitverlusten verbunden. Die Neue Straße ist eine Einbahnstraße und darf auch von Radfahrern nur in Fahrtrichtung Süden genutzt werden. Der Gehweg an der Tangente zwischen Schloßplatz und Mühlenstraße ist zwar für Pedaleure freigegeben, bringt einen aber nicht weit voran. Fazit: Die kürzeste Veloroute wären Hohe Straße und Stegen – doch in der Zeit mit dem höchsten Verkehrsaufkommen sind beide für Radfahrer tabu.

Sieben Verkehrssünder ertappen die Polizisten in einer Stunde am gestrigen Vormittag. Vor dem ehemaligen Hertie-Kaufhaus halten sie mehrere Asylbewerber an, die kaum Deutsch sprechen und zu erkennen geben, sie hätten von dem Verbot nichts gewusst. Oberkommissar Schladetsch und Hauptmeister Lück bleibt nichts anderes übrig, auch gegen sie ein Bußgeld zu verhängen. Ob es jemals gezahlt werden wird, erfahren die Beamten nicht.

Selten trauen sich Zivilisten, einen Rad-Rowdy auf offener Straße zur Rede zu stellen. Zu ihnen zählt Ratsherr Lothar Möhding, der selbst viel auf dem Sattel unterwegs ist. „Mein Gefühl sagt, dass sich die Zahl der Fahrradfahrer in der Fußgängerzone in den letzten Jahren verdoppelt hat. Es wird richtig gerast“, erzählt der zweite Stellvertreter der Stadtpräsidentin verärgert. „Dass viele Erwachsene sich nicht an das Verbot halten, ist mir völlig unverständlich. Sie sind doch ein Vorbild für alle Kinder!“

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