Osterrönfeld : Fahrlehrer: Vor dem Tunnel fehlen Stau-Warnschilder

1. Juli: Der weiße Kleinbus eines Paketdienstes löst den Unfall mit insgesamt vier Fahrzeugen aus. Er rammt einen Renault, der wiederum drückt weitere Autos ineinander.
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1. Juli: Der weiße Kleinbus eines Paketdienstes löst den Unfall mit insgesamt vier Fahrzeugen aus. Er rammt einen Renault, der wiederum drückt weitere Autos ineinander.

Zweiter schwerer Auffahrunfall auf der B 202 innerhalb einer Woche.

shz.de von
02. Juli 2015, 09:34 Uhr

Vor einem solchen Unfall fürchtet sich jeder Autofahrer: B  202, gestern um 9.40 Uhr. Es ist taghell, die Sonne scheint von einem blauen Himmel, vor dem Kanaltunnel kommt der Berufsverkehr zum Erliegen. Wie an vielen Werktagen, seit eine Röhre saniert wird. Die Blechschlange reicht zurück bis zur Brücke, die zum Agrarzentrum Grüner Kamp und Rendsburg Port führt. In diesem Bereich sind noch 80 Stundenkilometer erlaubt, erst ein paar hundert Meter weiter gilt Tempo 50. Dann passiert’s: Ein Paketdienst-Kleinbus mit Hamburger Kennzeichen kracht in die stehende Kolonne. Drei Menschen werden verletzt, einer von ihnen schwer. Insgesamt vier Fahrzeuge sind an dem Zusammenstoß beteiligt.

Laut Polizei hat der 28-jährige Unfallverursacher das Ende des Staus übersehen. Der weiße Transporter der Marke Iveco rammt einen Renault Megane, in dem die Fahrerin (59) leicht verletzt wird, und schiebt zwei weitere Fahrzeuge davor ineinander: den Golf eines 49-Jährigen, der schwer verletzt in die Imland-Klinik gebracht wird, und den Ford Fiesta einer 27-Jährigen. Die junge Frau kommt mit dem Schrecken davon und kann die Fahrt in ihrem nur leicht lädierten Auto fortsetzen. Den gesamten Schaden schätzt die Polizei auf mehr als 21  000 Euro. Die Bundesstraße muss für die Rettungs- und Aufräumarbeiten kurzfristig voll gesperrt werden.

Duplizität der Ereignisse: Genau eine Woche zuvor krachte es auf der B202 im Schatten der Brücke schon einmal. Der Fahrer (42) eines dänischen Sattelzuges mit Fahrtrichtung Rendsburg übersah am Morgen des 24. Juni im Berufsverkehr den über einen Kilometer langen Stau vor dem Kanaltunnel. Der Lkw rammte ein Wohnmobil, das durch die Wucht des Aufpralls umkippte. Zwei Personen wurden schwer verletzt.

Zufall? Oder musste es irgendwann so kommen? Wer sich über die A  210 kommend dem Tunnel nähert, wird beim Übergang auf die Bundesstraße durch ein Schild vor möglichen Staus gewarnt. Danach nicht mehr. Ein Versäumnis – meint Dieter Mumm, Lkw-Fahrlehrer bei der Deula in Rendsburg. „Das Warnschild müsste ein weiteres Mal aufgestellt werden. Spätestens auf Höhe der Eisenbahnhochbrücke denken die Leute doch: hier ist ja gar kein Stau.“ Noch besser wären nach Ansicht des Leiters der Abteilung Berufskraftfahrer-Qualifikation und -Weiterbildung stationäre Hinweistafeln mit LED-Schrift, die über die augenblickliche Verkehrslage informieren. Nicht nur an der B  202, sondern auch an der B  77. „Elektronische Stauwarner, die aktuell anzeigen, ob vor dem Tunnel was los ist oder nicht, würden sich lohnen.“ Angesichts der immer neuen Verzögerungen gebe es keine Gründe, eine solche Investition abzulehnen, so Mumm. Die meisten Pendler seien von der Dauerbaustelle und dem nicht absehbaren Ende schwer genervt und reagierten zunehmend ungeduldig, berichtet der Fahrlehrer aus der täglichen Praxis. „Es kommt vor, dass unsere Lkw sogar im Tempo-80-Bereich von Autos überholt werden – und zwar auf der Abbiegespur.“ Im Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV), der für das Aufstellen der Hinweistafeln zuständigen Behörde, war gestern Nachmittag kein Verantwortlicher zu erreichen. Ein Polizeisprecher gab den Tipp, am Stauende mindestens eine Autolänge Abstand zum Vordermann zu lassen und den Rückspiegel im Auge zu behalten. Mit Glück entkommt man so im letzten Moment der Karambolage.

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