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Öffentliche Probe : „Fagottkomplott“ im Nordkolleg

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

21 Freunde des „seltsamen Instruments“ trafen sich in Rendsburg zur Probe für ein öffentliches Konzert. Das Alter der Kursteilnehmer war breit gefächert. Ulrike Dinslage aus Berlin und Helga Warner-Buhlmann aus Bremen dirigierten die Spieler.

Der Nordkollegkurs „Fagottkomplott“ hatte nur wenig mit der ursprünglichen Bedeutung des Komplott-Begriffs zu tun: Eine „geheime Verabredung mehrerer Personen zur Begehung einer oder mehrerer Straftaten“ war es nicht, wohl aber das weitgehend von großer Öffentlichkeit unbeachtete Zusammentreffen von 21 begeisterten Fagott-Spieler/innen, die sich unter der Leitung von Ulrike Dinslage, Florian Winkler und Helga Warner-Buhlmann intensiv dem Gebrauch dieses seltsamen Instruments widmeten.

Das Fagott wird mit einem Doppelrohrblatt angeblasen. Es setzt die Luft in Schwingung, die durch den S-Bogen in die hölzerne Röhre des Instruments gelangt. Die Tonhöhe reguliert der Spieler durch das Abdecken oder Öffnen von Grifflöchern und mit Klappen. Beim Bau des Doppelrohrblatts gibt es viele Geheimnisse und Tricks zu beachten. Wer es nicht selbst herstellt, kann beim mitspielenden Spezialisten Nikolaus Müller von „tutti fagotti“ aus Hamburg bestellen. Der Preis: Ab 15 Euro. Weil es aus Naturmaterial besteht und immer feucht gehalten werden muss, beträgt die Spiel-Lebensdauer nur wenige Wochen.

Deshalb lohnt sich Selbermachen als zusätzliches Hobby für Fagottisten, die über das nötige handwerkliche Geschick verfügen. Für Wiltrud Endriss aus Rendsburg gilt das nicht. „Für mich ist das Fagott bei weitem nicht so anstrengend zu spielen wie die Querflöte. Die braucht mehr Luft, da geht die Hälfte vorbei!“ Populär ist das Fagott auch bei Musikkennern nicht. Dennoch spielt es wichtige Klang-Farbenrollen im Konzert, auch in Beethovens 5. Sinfonie. Besonders gut solistisch zu hören ist ein Kontrafagott in Joseph Haydns „Schöpfung“ bei der Darstellung des Gewürms.

Die größte Fagottdichte dieses Wochenendes gab es zweifellos im Nordkolleg. Der Probensaal ist erfüllt vom angenehmen, fülligen und erhaben Klang der 21 Fagotte gleichzeitig. So etwas hört man sonst nie. Das Alter der Kursteilnehmer reicht von „älter als 10 Jahre bis übers Rentenalter“; genauso vielfältig sind auch die Spielkünste. Ulrike Dinslage aus Berlin und Helga Warner-Buhlmann aus Bremen dirigieren, spielen auch selbst mit. So entsteht nach und nach wohlklingendes Zusammenspiel. „Das Ritardando am Ende der Phrase ist hübsch, dadurch wird aber das Tempo langsamer“. Ganz normal bei Nicht-Profis. Eine verschworene Gruppe bilden sie allemal, alle spielen gerne Fagott im Ensemble. Die Stimmung ist entspannt, alle sind emsig und konzentriert bei der Sache, wollen etwas schaffen.

Je länger die 21 zusammenspielen, umso deutlicher steigt die Qualität. Der Klang wird leichtfüßiger, eleganter; das Behäbige verschwindet. Damit gewinnt Frank Churchills Marsch der sieben Zwerge aus „Schneewittchen“ an Glaubwürdigkeit. Nur bei schnellen Passagen hapert es noch. „Das können einige noch nicht ganz so schnell, das müssen wir noch einmal langsamer machen“, lässt Helga Warner-Buhlmann eine Passage wiederholen. „Morgen spielen wir es schneller.“

Unter ihrer verständnisvollen Anleitung wird das Programm fürs Abschlusskonzert eingeübt und geprobt. Auch in später Abendstunde ist nach einem langen Tag keine Ungeduld spürbar. Dafür spielen alle viel zu gerne Fagott. Alle freuen sich auf das kommende Abschlusskonzert.

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erstellt am 14.Okt.2013 | 12:00 Uhr

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