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Nord-Ostsee-Kanal : Fähr-Leute unter Beschuss: Die Nerven liegen blank

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Dramatischer Zwischenfall an der Fährstelle Nobiskrug: Eine Frau rast auf das Schiff zu, der Decksmann rettet sich mit einem Sprung zur Seite. Beschimpfungen nehmen als Folge der Großbaustellen zu.

Nicht nur Autofahrer, auch die Besatzungen der Fähren haben unter den Baustellen am Kanaltunnel und auf der Rader Hochbrücke zu leiden. Weil Verkehrsteilnehmer auf den verstopften Umleitungsstrecken die Geduld verlieren, werden Decksleute und Kapitäne zunehmend beschimpft oder sogar bedroht. Negativer Höhepunkt war ein Vorfall am 8. September, als einer Autofahrerin die Nerven durchbrannten. Sie drängelte sich auf dem Weg zur Fährstelle Nobiskrug mit ihrem Pkw an einer Kolonne der Feuerwehr vorbei, die nach einer Großübung auf das nächste Schiff wartete. Ohne ein Zeichen des Decksmanns, der für die Einweisung der Fahrzeuge zuständig ist, rollte die Autofahrerin auf die Fähre. Der Mann an der Schranke wurde noch am Schienbein getroffen, bevor er sich gegen die Motorhaube stemmen und zur Seite drehen konnte, um nicht unter die Räder zu geraten. Begründung der Frau: Sie sei unter Zeitdruck. Jetzt wird gegen sie wegen des Verdachts der Nötigung ermittelt.

Ein extremer Fall – doch er beleuchtet einen Trend, der nach Einschätzung des für den Fährbetrieb zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Kiel-Holtenau deutlich zugenommen hat. „Immer mehr Autofahrer entladen ihre Wut bei den Decksleuten“, sagt Jörg Winkelmann, der WSA-Außenbezirksleiter Rendsburg. „Dieses Problem hat zugenommen, seitdem am Kanaltunnel gebaut wird.“ Kapitän Bodo Bauer bestätigt, dass viele seiner Kollegen unter der angespannten Situation zu leiden haben. „Der eine kriegt ein dickes Fell, der andere einen dicken Hals.“

Winkelmann appelliert an die Verkehrsteilnehmer, sich an die Vorschriften zu halten und auf die Besatzungen der Kanalfähren Rücksicht zu nehmen. „Die Decksleute können doch nichts für die augenblickliche Verkehrssituation.“

Dabei sind es nicht nur die längeren Wartezeiten an sich, die Autofahrer zur Weißglut treiben. Auf fast jeder Fähre stehen Motorradfahrer, die sich an der Schlange der Wartenden vorbeigemogelt haben. Die Quote der Vordrängler unter den Zweirädern mit Verbrennungsmotor ist hoch. Dabei müssten auch sie warten. Denn die Regel besagt, dass nur Linien- und Schulbusse sowie Einsatzfahrzeuge von Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst Vorrang haben. Ein leerer Krankenwagen ohne Blaulicht hingegen muss sich hinten anstellen. Ebenso jedes Taxi.

Die Sünder zur Räson zu ziehen oder Motorradfahrer von der Fähre zurück aufs Land zu schicken, sehen die WSA-Bediensteten nicht als ihre Aufgabe an. „Das könnten wir auch zeitlich gar nicht leisten“, betont Winkelmann. Im Fall am 8. September eilten die Feuerwehrfahrzeuge nach seinen Angaben zwar nicht zu einem Einsatz. „Sie fuhren aber in einer Kolonne und hatten deshalb Sonderrechte.“

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erstellt am 17.Sep.2013 | 12:00 Uhr

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