gegen Fachkräftemangel : Fachschule soll Lücke schließen

Der Bedarf an Fachkräften in der Bauwirtschaft ist größer denn je: Auch Arbeiten, wie hier im Rendsburger-Tunnel, gehören zum vielseitigen Bereich „Bauwirtschaft“.
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Der Bedarf an Fachkräften in der Bauwirtschaft ist größer denn je: Auch Arbeiten, wie hier im Rendsburger-Tunnel, gehören zum vielseitigen Bereich „Bauwirtschaft“.

Künftig bildet BBZ auch Tiefbau-Techniker aus

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23. März 2018, 11:16 Uhr

Rendsburg | Das Berufsbildungszentrum (BBZ) am Nord-Ostsee-Kanal reagiert auf den akuten Fachkräftemangel in der Bauwirtschaft: Die Lösung soll eine Fachschule mit dem Schwerpunkt Tiefbau sein. Damit wäre es ein Alleinstellungsmerkmal für Rendsburg in ganz Schleswig-Holstein. Nur zwei weitere Fachschulen haben sich landesweit entweder auf Hochbau (Kiel) oder auf Hoch- und Tiefbau (Husum) spezialisiert.

Seit mehr als zwei Jahren erreichen das BBZ zahlreiche Anfragen nach Fachpersonal aus der Bauwirtschaft, sowohl aus dem öffentlichen Sektor als auch aus der Privatwirtschaft. „Wir wollen helfen, Techniker auszubilden“, berichtet BBZ-Schulleiterin Monika Boye, die auf eine arbeits- und gesprächsintensive Zeit zurückblickt. Immerhin musste die neue Fachschule, die zum 22. August starten soll, erst noch vom Bildungsministerium genehmigt werden. Sowohl das BBZ als auch das Ministerium waren sich einig: „Die Aufträge im Land sind nur mit qualifizierten Fachkräften zu realisieren.“

Als treibende Kraft bezeichnet die BBZ-Schulleiterin Sonja Stryi vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV). „Wir sind immer wieder ins Gespräch gekommen“, so Monika Boye. Dass es nun endlich in die finale Phase gehe, freut das Team um die Schulleiterin sehr. Besonders vor dem Hintergrund, dass es schon acht Anmeldungen gibt. Ziel sei es, rund 30 Schüler pro Klasse aus ganz Schleswig-Holstein zu bekommen, so Boye. Der Ablauf der zweijährigen Fachschule für Bautechnik ist dann ganz einfach: Die vollschulische Technikerausbildung ist auf vier Tage ausgelegt und wird auch online (E-Learning) in den Abendstunden fortgesetzt. Der freie Tag kann dann für die Erhaltung des Beschäftigungsverhältnisses genutzt werden.

„Nach dem Praxisjahr und dem mittleren Bildungsabschluss können die Schüler in der Technikerausbildung zukünftig ihre fachlichen Kompetenzen ausbauen, um die anstehenden Aufgaben im mittleren Baumanagement zu bewältigen“, sagt Jens Wilharm, Lehrkraft in der Fachrichtung Bautechnik am Berufsbildungszentrum in Rendsburg. Große Erwartungen an die neue Fachschule hat auch Michael Lutzenberger vom Tiefbauunternehmen Thomsen (Osterrönfeld), der den aktuellen Arbeitsmarkt als „sehr angespannt“ bezeichnet. „Wir brauchen ganz dringend Fachkräfte für die Wirtschaft“, so Lutzenberger, der auf eine erschreckende Erkenntnis aufmerksam macht: „Zwischen 1997 und 2002 haben wir rund 50 Prozent aller Arbeitsplätze in der Bauwirtschaft verloren.“ Gründe dafür seien der vorzeitige Ruhestand oder der Wechsel in eine andere Branche, so Lutzmacher, der gleichzeitig auf die Vielseitigkeit der Branche hinweist. So werden Techniker für Baufirmen, Ingenieurbüros und Behörden gebraucht.

Das Berufsbildungszentrum am Nord-Ostsee-Kanal bildet derzeit insgesamt 580 Schüler aus ganz Schleswig-Holstein in Bauberufen aus. Das sind 100 mehr als noch 2011. Mit der neuen Fachschule soll nun endlich eine wichtige Lücke geschlossen werden.

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