Frühjahrsbilanz : Fachkräftemangel in Mittelholstein trübt Konjunkturhoch

Sie vertreten annähernd 500 Mitgliedsunternehmen: Jens van der Walle (links) und Michael Thomas Fröhlich vom Unternehmensverband Mittelholstein.
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Sie vertreten annähernd 500 Mitgliedsunternehmen: Jens van der Walle (links) und Michael Thomas Fröhlich vom Unternehmensverband Mittelholstein.

Unternehmensverband: „Unsere Betriebe sind wirtschaftlich gesund“ .

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17. April 2018, 10:17 Uhr

Rendsburg | Die Zahlen sind glänzend wie lange nicht – aber sie könnten noch besser sein, würde die Unternehmen nicht der Fachkräftemangel quälen. Das ist die Bilanz der Frühjahrspressekonferenz des Unternehmensverbandes Mittelholstein, kurz UVM. Der nach eigenen Angaben größte regionale Arbeitgeberverband in Schleswig-Holstein hatte 86 Unternehmen mit zusammen 12.500 Beschäftigten im Wirtschaftsraum Rendsburg befragt. Fazit: „Für das erste Quartal können wir eine leicht positive Konjunktur verzeichnen. Der positive Trend aus der Herbstumfrage des letzten Jahres hat sich fortgesetzt“, sagte UVM-Vorsitzender Jens van der Walle am Montag im Haus der Wirtschaftsverbände am Paradeplatz in Rendsburg.

Die Unternehmen seien mit guten Ergebnissen ins neue Jahr gestartet. Nur zehn Prozent der Firmen bezeichneten ihre wirtschaftliche Situation als unbefriedigend. 90 Prozent rechnen im laufenden Quartal mit gleich hohen oder steigenden Auftragszahlen. Über alle Branchen hinweg wird der Personalbestand sich leicht erhöhen. 87 sozialversicherungspflichtige Stellen kommen neu hinzu. Zum Vergleich: Im gleichen Vorjahreszeitraum waren es nur 52 Stellen. UVM-Geschäftsführer Michael Thomas Fröhlich nannte den Raum Rendsburg sogar die „Wachstumsregion des Nordens“ – und machte zugleich eine Einschränkung. Der Mangel an Fachkräften erweist sich als Hemmschuh. Daran ändern auch volle Auftragsbücher nichts. Neun von zehn befragten Unternehmen beurteilten die Verfügbarkeit von Fachkräften mit „unbefriedigend“ oder gar „schlecht“.

Um den Bedarf an Spezialisten möglichst durch Nachwuchs aus der Region an Eider und Kanal zu befriedigen, nimmt der Unternehmensverband auch die Lehrerinnen und Lehrer in die Pflicht. Der vorausschauende Blick in die Wirtschaftsbranchen, etwa durch Gastspiele von Unternehmen, müsse fester Bestandteil des Unterrichts werden. „Schulen können noch mehr machen“, meinte van der Walle und wurde von Fröhlich bestätigt. Er forderte ein besseres Übergangsmanagement von der Schul- in die Arbeitswelt. „Kein Abschluss darf ohne Anschluss bleiben.“ Auch anerkannte Asylbewerber kommen für viele Berufszweige in Frage. „Die Werkstore stehen weit auf für Geflüchtete, aber wir können den Unternehmen die Integration nicht auferlegen“, sagte Fröhlich und nannte ein weiteres Problem: „Die meisten Flüchtlinge wollen nicht in die Ausbildung, sondern sofort in die Arbeit.“

Erfreut zeigten sich die Unternehmer angesichts einiger Entwicklungen in Rendsburg. „Man scheint auf uns gehört zu haben“, so van der Walle. „Die Lösung der Schwierigkeiten der ,Neuen Heimat‘ ist durch die Partnerschaft mit der Brücke in greifbare Nähe gerückt. Der Start des Umbaus des Hertie-Gebäudes und die schnell voranschreitende Baustelle auf dem Gelände des ehemaligen Christophorushauses zeigen in diesem Frühling die ersten Knospen der Saat.“ Auch die Belebung der ehemaligen Eiderkaserne schreite voran und müsse nun mit Nachdruck weiter verfolgt werden. Positive Signale, so UVM-Vorsitzender van der Walle, sende auch die geplante Ausweisung der Heitmann’schen Koppeln in Mastbrook als Baugebiet sowie der Verkauf der Grundstücke am Obereiderhafen. „Lange haben wir gewartet, jetzt geht es los.“ Man gehe fest davon aus, dass Rendsburg und Büdelsdorf „das Filetstück“ gemeinsam reanimieren können. Jens van der Walle freute sich: „Ein Frühling, wie wir ihn uns wünschen. Weiter so!“

Zahlen aus der Blitz-Umfrage zur Konjunktur

Der Unternehmensverband Mittelholstein vertritt mit seinen nahezu 500 Mitgliedsunternehmen die Interessen der Wirtschaft gegenüber Politik und Verwaltung. Allein im Wirtschaftsraum Rendsburg gehören dem Verband mehr als 280 Unternehmen mit zusammen rund 15.000 Beschäftigten an. Unter den Betrieben, die zur Konjunktur befragt wurden, sind auch die großen Arbeitgeber der Region, allen voran Hobby und Aco, aber auch Mobilcom-Debitel, die Werften, Hotels und Einzelhändler.

Schlaglichter aus der Blitzumfrage zur Konjunktur:

  • Als Gründe für den wirtschaftlichen Aufschwung nennen die Entscheider: anhaltend gute Konsumlaune, niedrige Zinsen, gute kommunale Auftragslage, gute Auslastung.
  • Als Hindernisse werden von den Firmenchefs genannt: unklare Gesetzesentwicklungen, Anforderungen des Datenschutzes, schlechte Wetterlage, Fachkräftemangel.
  • 57 Prozent der Unternehmen sehen die norddeutschen Interessen in der Bundesregierung weniger gut vertreten.
  • Die Hälfte der 19 befragten Unternehmen in der Metall- und Elektroindustrie erwartet im zweiten Halbjahr höhere Umsätze.
  • Im Bau und bei den Zulieferern erwarten neun von zehn Unternehmen keine Verschlechterung der Lage.
  • Im Dienstleistungssektor erwarten 62 Prozent der Unternehmen für den Rest des Jahres gleichbleibend hohe Umsätze. 29 Prozent wollen ihre Investitionen erhöhen.
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