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Rendsburg-Eckernförde : Fachkräftemangel in der Altenpflege verschärft sich

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

In 30 Prozent der Einrichtungen fehlen qualifizierte Mitarbeiterinnen.

Fast jedes dritte der 58 Altenpflegeheime im Kreis Rendsburg-Eckernförde beschäftigt zu wenige Fachkräfte. Damit hat sich der Personalengpass noch einmal verschärft. Zu diesem Ergebnis kommt die Heimaufsicht der Kreisverwaltung in ihrem jüngsten Bericht nach dem Selbstbestimmungsstärkungsgesetz. Im Gegensatz zum vorherigen Untersuchungszeitraum musste sie jedoch kein Altenheim mit einem Aufnahmestopp belegen.

Die Belegschaften der Altenpflege-Einrichtungen müssen zur Hälfte aus Fachkräften bestehen, die restlichen Mitarbeiter können Hilfskräfte sein. Seit 2009 ist der Mangel an ausgebildeten Altenpflegerinnen stark gestiegen. Damals erfüllten 8,5 Prozent der Heime die Fachkraftquote von 50 Prozent nicht. 2012 erreichte der Anteil seinen vorläufigen Höhepunkt mit 38 Prozent, bevor er 2013 wieder auf 25 Prozent sank. Ein Jahr später stieg er jedoch wieder: 2014 erreichten rund 30 Prozent der Heime die Fachkraftquote nicht.

Die Folge sind Mängel in der Pflege, die von Nachlässigkeiten bei Dokumentationspflichten bis zu unvollständigen Medikamentengaben reichen können. Je nachdem, wie schwer die Mängel sind, erteilt die Heimaufsicht Beratungen, Anordnungen oder sogar Untersagungen. Im Zeitraum des jüngsten Berichts von 2013 bis 2014 hat es keinen Aufnahmestopp gegeben, während zwischen 2011 und 2012 noch vier verhängt wurden. In diesem Jahr wurde laut Fachbereichsleiterin „Soziales, Arbeit und Gesundheit“, Susanne Jeske-Paasch, erneut einer ausgesprochen. „In der Einrichtung fehlten Fachkräfte. Wir haben auch Pflegemängel festgestellt, die müssen aber nicht unbedingt auf die fehlenden Fachkräfte zurückzuführen sein“, so Jeske-Paasch. Gute Pflege stehe und falle mit der Führung in einer Einrichtung. Aufnahmestopps dürfen höchstens drei Monate dauern. Das reiche meistens aus, um eine Veränderung zu bewirken.

Die Fachbereichsleiterin hat jedoch eine andere Entwicklung in den Altenheimen festgestellt, die die Qualität der Pflege mindern: Der Fachkräftemangel werde häufig mit Pflegerinnen von Zeitarbeitsfirmen und durch Teilzeit-Beschäftigte gelindert. So werde die geforderte Quote von 50 Prozent zwar in dem Moment erfüllt – diese Praxis berge jedoch Risiken. Denn kurzfristig eingesetzte Pflegerinnen sind mit der Einrichtung nicht so vertraut wie festangestellte Kräfte. „Wir haben die Befürchtung, dass Mängel in der Pflege zunehmen, wenn die Personal-Kontinuität nicht vorhanden ist“, so Jeske-Paasch. Dafür gebe es bereits Beispiele. In einem Fall seien Medikamente etwa nicht vollständig verabreicht worden. Die Zukunft könne nicht so aussehen, dass das Personal mehrmals täglich wechsle. Der Anspruch an die Pflege sei heute höher als früher. Es gehe etwa auch darum, die Stärken der Altenheim-Bewohner zu fördern. Das sei kaum möglich, wenn nur die Quote angewendet werde, damit die „nackten Zahlen“ stimmen.

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erstellt am 27.Sep.2015 | 06:00 Uhr

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