Extraportionen Heu für die Landschaftspflege-Rinder

Für Winter-Fütterungen: Naturschutzring-Geschäftsführer Niklas Ullrich vor dem Göpelschauer, den die ERNA-Mitglieder in Eigenleistung gebaut haben.
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Für Winter-Fütterungen: Naturschutzring-Geschäftsführer Niklas Ullrich vor dem Göpelschauer, den die ERNA-Mitglieder in Eigenleistung gebaut haben.

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23. Dezember 2009, 09:38 Uhr

AUKRUG | Die Heckrind-Herden an Buckener Au, Bünzau und Kirchweddelbach erleben zurzeit einen etwas rauheren mittelholsteinischen Winter. Normalerweise sollen die Auerochsen die kalte Jahreszeit ohne Zufütterung überstehen. Weil aber beim Verein für "Extensive Robustrinderhaltung im Naturpark Aukrug" (ERNA) der Tierschutz im Vordergrund steht, gabs gestern die ersten Extraportionen Heu für die Auerochsen.

Gleich 32 in diesem Jahr geborene Heckrind-Kälber erleben derzeit ihren ersten Winter im Naturpark Aukrug. "Die sind im Frühjahr und Frühsommer gekommen, das hat alles sehr gut geklappt", stellt Niklas Ullrich vom Naturschutzring Aukrug fest, "die sind jetzt alle groß und kräftig genug, um die harte Jahreszeit zu überstehen." Nur einen Nachzügler habe es gegeben: ein Kälbchen, das erst Anfang November zur Welt kam. In diesem Fall könne das frostige Wetter zum Problem werden, wenn das Muttertier nicht genügend Futter für die Milchproduktion findet. "Aber im Moment sehen die beiden super aus", vermerkt Ullrich.

Wie bei der Familienplanung lassen die ERNA-Züchter ihren Auerochsen normalerweise auch bei der täglichen "Menü-Zusammenstellung" völlig freie Hand. Extensive Robustrinderhaltung im Naturpark Aukrug bedeutet, dass die auf drei Herden verteilten 107 Auerochen ganzjährig auf ihren Weideflächen bleiben und auch im Winter im Normalfall ohne Zufütterungen auskommen müssen. Durch das karge Futterangebot in den Wintermonaten sind die Rinder gezwungen, auch die Pflanzen abzugrasen, die sie sonst verschmähen. "Auch die Binsen, an die sie im Sommer nicht rangehen, weil ihnen da andere Sachen besser schmecken, werden nun im Winter gefressen", hat Ullrich beobachtet. Dadurch, dass sie die ungeliebten Binsen nun auf ihren Speisezettel nehmen, sorgen die Auerochsen dafür, dass eben diese Binsen im kommenden Sommer nicht alle anderen Pflanzen überwuchern werden. "Jetzt machen die Rinder genau das, was sie sollen", lobt Ullrich die vierbeinigen Landschaftspfleger, "das Ziel von ERNA ist es ja gerade, durch die Beweidung eine möglichst große Vielfalt der Vegetation und darüber hinaus auch optimale Brutmöglichkeiten für Wiesenbrüter zu schaffen."

Auf den drei ERNA-Weideflächen müssen die Auerochsen derzeit mit unterschiedlichen Bedingungen zurechtkommen. "An der Buckener Au haben wir viele sehr nasse Bereiche", erläutert der Naturschutzring-Geschäftsführer, "da kommen die Tiere nun auf dem frostigen Boden auch in Wiesenareale, wo sie sonst nicht weiden können." An der Bünzau und am Kirchweddelbach (Fitzbek) ist der Untergrund weniger feucht: "Da kann man die Tiere nun meist am Waldrand stehen sehen, wo sie Schutz vor dem eisigen Wind suchen."

Was das Zufüttern bei Eis und Schnee angeht, wolle man so lange wie möglich ohne zusätzliches Futter auskommen. Bei längeren Frostperioden gebe es aber durchaus eine Extraportion Heu. "Der Tierschutz geht vor", betont Ullrich, "wir gucken uns die Tiere ständig an. Und wenn wir feststellen, dass sie Not leiden, fangen wir an, als Ergänzung Heu hinzu zu geben." An der Bünzau steht seit dem Sommer ein von den ERNA-Mitgliedern errichteter so genannter Göpelschauer als Heulagerschuppen zur Verfügung (wir berichteten), und aus eben diesem Göpelschauer wurden gestern zum ersten Mal in diesem Winter Heuballen an die Auerochsen verfüttert. Weitere weihnachtliche Sonderportionen werden folgen, falls sich die Wetterlage nicht grundlegend ändert. "Wenn das länger so kalt bleibt, werden wir auch weiter zufüttern", kündigt Niklas Ullrich an.

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