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Experten sehen in der Stadtbahn großes Potenzial

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Täglich 500 Passagiere / Bauausschuss will am 17. Juni entscheiden

Eine Stadtbahn zwischen dem Hauptbahnhof und Seemühlen-Nord würde täglich von mindestens 500 Fahrgästen genutzt werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse, die ein Institut aus München im Auftrag der Landesweiten Verkehrsservicegesellschaft (LVS) erstellt hat. LVS-Mitarbeiter Jochen Schulz stellte die Daten gestern Abend im Bauausschuss vor. Die Gutachter bewerteten die Erfolgschancen der neuen Bahnlinie mit der Note „sehr gut“. Als besonders positiv wurde der Anschluss an die Bahnverbindungen nach Kiel hervorgehoben.

Die zu reaktivierende Stadtbahnstrecke ist 3,5 Kilometer lang. Drei Haltepunkte sind vorgesehen: am Kronwerk-Gymnasium, in Mastbrook an der Schleswiger Chaussee und in Seemühlen an der Büsumer Straße. Nach den Worten von Schulz sei nicht zu erwarten, dass die Bahn dem Busverkehr einen Großteil der Passagiere abwerbe. Bus und Bahn würden sich ergänzen. Nach den Analysen der Gutachter würde der Verlust des Busverkehrs sich bei 70 Fahrgästen pro Tag einpendeln.

Eine Grundlage der Analyse war das aktuelle Nutzerverhalten der Bahnpassagiere. Dabei stellte sich heraus: Von 1000 Fahrgästen, die am Rendsburger Bahnhof einsteigen, fahren jeweils 40 Prozent nach Kiel oder Hamburg, 20 Prozent reisen nach Neumünster (die Fahrgäste in Richtung Norden wurden nicht berücksichtigt). Jeder zweite Reisende kommt aus dem direkten Einzugsgebiet des Bahnhofes, 30 Prozent aus benachbarten Gemeinden oder anderen Stadtteilen, aber bereits 20 Prozent aus dem Einzugsbereich der neuen Stationen – dieser Anteil werde durch die neue Bahnlinie gesteigert, prognostizierte Schulz: „Je näher man an einem Bahnhof wohnt, umso eher ist man auch bereit, mit der Bahn zu fahren“.

Mehrere Bürger meldeten sich im Zuge der Debatte zu Wort. Sie fragten nach, ob Park-and-Ride-Parkplätze an den neuen Haltepunkten geplant seien oder auf welcher Seite der Büsumer Straße die Endstation errichtet werden soll. Ausschussvorsitzender Marc-Olaf Begemann (SPD) wies darauf hin, dass diese Fragen abschließend erst dann beantwortet werden könnten, wenn eine grundsätzliche Entscheidung pro Stadtbahn getroffen worden sei. Das letzte Wort habe die Ratsversammlung. Der Bauausschuss werde auf seiner Sitzung am 17. Juni eine Empfehlung abgeben.

Die Reaktivierung der alten Bahnstrecke soll vier Millionen Euro kosten. Der Großteil der Summe würde von Land und Bahn übernommen werden. Auf die Stadt würde ein Anteil von 185 000 Euro entfallen. Die Gesamtkosten könnten steigen, wenn die Strecke auch für den Güterverkehr ertüchtigt werden müsste. Die Firma Bögl hatte Interesse am Transport schwerer Güter per Bahn angemeldet (wir berichteten).

Mit ihrem neuen Gutachten über die Fahrgastzahlen reagierte die LVS auf die Einwände von Bahnkritikern. Insbesondere das Busunternehmen T.H. Sievers hatte Zweifel an der Wirtschaftlichkeit der Bahnverbindung angemeldet. Ein von Sievers in Auftrag gegebenes Gutachten war im März zu dem Ergebnis gelangt, dass die Bahnlinie nach Seemühlen-Nord nur von 100 Passagieren pro Tag genutzt werde.

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erstellt am 20.Mai.2014 | 19:16 Uhr

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