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1700 rasten im Börmer Koog : Experten eröffnen Zwergschwantage

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

In der Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge machen die Zwergschwäne Rast auf dem Weg zu ihren Brutplätzen in Sibirien. Aber die Population der Vögel ist rückläufig, wurde bei der Eröffnung der Zwergschwantage deutlich.

„Aus Sicht der sibirischen Zwergschwäne sind Bergenhusen und die Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge zurzeit der Mittelpunkt der Welt. An keinem anderen Ort sind so viele Vertreter der bedrohten Art gleichzeitig anwesend“. Mit diesen Worten eröffnete Dr. Hermann Hötker vom Michael-Otto-Institut (NABU) die Tagung zum Start der Zwergschwantage. Umweltstaatssekretärin Dr. Silke Schneider, lokale Politiker, Naturschützer und internationale Experten kamen in Bergenhusen zusammen, um über den Schutz der weltweit bedrohten Art zu beraten und die Zwergschwantage zu eröffnen. „Wir wollen auf das besondere Phänomen aufmerksam machen und die Bevölkerung und die Politik mit einbinden.“

Renate Rahn, Vorsitzende von „KUNO“ (Kulturlandschaft nachhaltig organisieren) machte deutlich, dass diese bedeutsame Kulturlandschaft nur im Zusammenspiel von Landwirtschaft, Bevölkerung und Politik erhalten werden kann. Besonders wichtig sei der Erhalt der intensiv genutzten Grünflächen für die Vogelwelt, insbesondere für die Zwergschwäne. Dabei müsse die Milchviehlandwirtschaft unterstützt werden in ihren Bemühungen. Die Landwirte seien mit eingebunden und hielten sich an die Absprachen. Rahn bat außerdem darum, dass die Besucher die Angebote der organisierten Touren nutzen, um einen Blick auf die Tiere zu werfen. „Die Zwergschwäne sind so sensibel und scheu. Sie dürfen nicht durch einzelne Besucher aufgescheucht werden“, erklärte sie.

Staatssekretärin Silke Schneider betonte die Bedeutung des Zwergschwanes für den Naturschutz in der Region: Der Schutz der intensiv genutzten Grünlandflächen sei notwendig, um Einbrüche beim Zugverhalten dieser bedrohten Art zu vermeiden. „Die gute Kooperation der hiesigen Landwirtschaft ist eine echte Anerkennung wert“, lobte sie in diesem Zusammenhang.

Heike und Knut Jeromin vom NABU und der Ornithologischen Gesellschaft Schleswig-Holstein und Hamburg berichteten, dass die Kombination von intensiv genutztem Grünland zur Nahrungssuche und ungestörten Schlafgewässern die Attraktivität der Flusslandschaft ausmachen. Die Tiere finden hier Möglichkeiten der schnellen und ungestörten Nahrungsaufnahme auf ihrem Weg ins 4000 Kilometer entfernte Brutgebiet in Sibirien. Das Zeitfenster für Brut und Aufzucht liegt bei unter 120 Tagen. Der britische Zwergschwanexperte Mike Smart aus Slimbridge machte deutlich, dass die Bestände rückläufig sind: Gab es 1990 noch 29  000 Exemplare, sind es heute noch 18  000. Das Wissen über die Brutplätze sei sehr gering, da es sich um unzugängliche Flächen handelt. „Unser Bestreben ist es, die Population auf 23  000 zu steigern“, so der Experte. Hierfür müsse die Forschung forciert werden, um Ergebnisse und Lösungsmöglichkeiten vorzulegen.

Johannes Wahl vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (Vogelkundler) zeigte auf, dass der Zwergschwan vom Niederrhein bis an die mittlere Elbe vorkommt. In der Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge konzentrieren sich die Bestände und nehmen sogar zu.

Abschließend machten die Tagungsteilnehmer eine Exkursion zu den Zwergschwänen im Börmer Koog unter der Führung von Dr. Martina Bode, KUNO-Geschäftsführerin. Dabei wurden die Tiere gezählt und ihr Verhalten beobachtet: Es waren über 1700 Zwergschwäne, davon waren fünf beringt. Ein voller Erfolg für die Experten. Auf der Fahrt übergab Joachim Sprengel von der Ernst-Commentz-Stiftung Hermann Hötker, zwei Ferngläser und ein Spektiv. Sie kamen gleich in den Einsatz.

 

Mehr Informationen über die Zwergschwantage gibt es im Internet unter www.kunoev.de.

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