Ex-Ministerin spendiert Stein

Einmalig in Deutschland: Tierparkdirektor Prof. Dr. Dr. Kai Frölich und Ex- Landwirtschaftsministerin Dr. Juliane Rumpf bei der Einweihung des rekonstruierten Cleits.
Einmalig in Deutschland: Tierparkdirektor Prof. Dr. Dr. Kai Frölich und Ex- Landwirtschaftsministerin Dr. Juliane Rumpf bei der Einweihung des rekonstruierten Cleits.

Tierpark Arche Warder weiht Steinhaus speziell für Soay-Schafe ein / Material stammt auch von Dr. Juliane Rumpf

shz.de von
08. Juli 2015, 10:18 Uhr

Das kuppelförmige Steinhaus, das ab sofort den Soay-Schafen der Arche Warder als Unterstand dienen soll, ist einzigartig in ganz Deutschland. Solche „Cleit“ genannten Steinbauten gibt es sonst nur auf den Inseln des St.-Kilda-Archipels, dem westlichsten Abschnitt der Äußeren Hebriden, die sich vor der Küste Schottlands im Atlantik befinden. Cleitean (Plural von Cleit) waren die Lagerhäuser von Siedlern der Bronzezeit, sind also fast 4000 Jahre alt.

Warum hat die Arche Warder so einen Cleit, der in prähistorischen Zeiten auf weit entfernten Atlantikinseln errichtet wurde, so aufwendig rekonstruieren lassen? „Weil wir stets die kulturhistorische Bedeutung unserer alten Haustierrassen zeigen wollen“, erklärte Tierparkdirektor Professor Dr. Dr. Kai Frölich gestern bei der Einweihung. Cleit und Soay-Schaf gehören nämlich seit ein paar tausend Jahren zusammen. Die kleine Hausschafrasse hat nur auf der Insel Soay im St.-Kilda-Archipel überlebt, wo die Tiere Unterschlupf in den verlassenen Steinhäusern der bronzezeitlichen Siedler fanden. Soay-Schafe sind für die Arche Warder besonders interessant, weil sie eine entwicklungsgeschichtlich sehr frühe Form des Hausschafs darstellen, also den Tierparkbesuchern einen Eindruck davon vermitteln können, wie die allerersten domestizierten Schafe ausgesehen haben. Soay-Schafe sind die einzigen, die beim Schafschurtag der Arche Warder nicht Schlange stehen müssen. Die kleinwüchsigen Hornträger müssen nicht geschoren werden, weil sie ihre Wolle von April bis Juni selbstständig an Sträuchern und Zäunen abstreifen. „Das ist ein Merkmal dafür, dass es sich um eine sehr ursprüngliche Rasse handelt“, erläuterte Frölich, „das Soay-Schaf ist sehr robust und damit bestens angepasst an das raue atlantische Klima.“ 30 Tonnen Steine haben Tischlermeister Jörg Hamann und sein Team bei der Errichtung des Cleit verbaut. Der größte und für die ganze Konstruktion wichtigste Stein stammt aus Sehestedt – aus dem Garten von Ex-Landwirtschaftsministerin Dr. Juliane Rumpf. Vor dreieinhalb Jahren schon hatte Frölich Interesse an dem Stein angemeldet. „Ich freue mich, dass ich auf diese Weise einen Beitrag zum Bau dieses Steinhauses leisten durfte“, sagte Dr. Juliane Rumpf. Einen tatkräftigen Beitrag zum Cleit-Projekt leistete die Produktionsschule des Jugendaufbauwerks Schleswig, deren Teilnehmer bei den sechswöchigen Bauarbeiten mithalfen. Finanzielle Unterstützung gab es unter anderem von der Bingo-Umweltlotterie, die das 5000-Euro-Projekt mit 3000 Euro bezuschusst hat.

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