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Landeszeitung

19. August 2017 | 02:05 Uhr

Ex-Landrat kritisiert Nachfolger

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Computer-Desaster im Kreishaus: Wolfgang von Ancken glaubt Dr. Rolf-Oliver Schwemer nicht, dass der davon nichts wusste

Hat Landrat Dr. Rolf-Oliver Schwemer nach seinem Amtsantritt 2008 von der jahrelangen Vernachlässigung der Informationstechnik (IT) im Kreishaus gewusst oder nicht? An dieser Frage scheiden sich derzeit die Geister. Denn nun kritisiert der ehemalige Landrat Wolfgang von Ancken seinen Nachfolger Schwemer. Dem muss von Ancken zufolge der Bericht des Landesrechnungshofes über den katastrophalen Zustand von Computern und Programmen bekannt gewesen sein. Schwemer bestreitet das nach wie vor. Eine erste Recherche im Kreishaus stützt das: Dabei wurde das Dokument nicht gefunden.

Bei der vergangenen Sitzung des Hauptausschusses war ans Licht gekommen, dass der Landesrechnungshof in einem Bericht von August 2014 zu einem vernichtenden Urteil über die IT-Infrastruktur gekommen ist (wir berichteten). Der Schriftsatz fasst die Ergebnisse einer Prüfung zusammen, die vor einem Jahr stattfand. Demnach war die Ausstattung an Geräten und Programmen veraltet, wodurch auch Sicherheitslücken entstanden waren. Ausschussmitglied Hans-Jörg Lüth (SPD) kritisierte den Zustand scharf und stellte in Frage, ob die Verwaltung überhaupt noch leistungsfähig arbeiten könne. Zudem wurde klar, dass die Mängel bereits bei vorherigen Prüfungen 1999 und 2004 festgestellt wurden. Rolf-Oliver Schwemer beteuerte, bis zum Abschluss der Prüfung im November 2013 nichts von dem Mängelbericht des Jahres 2004 gewusst zu haben.

Das halte er für „unseriös“, sagte von Ancken nun gegenüber der Landeszeitung. Richtig sei, dass es in seiner Amtszeit von 2000 bis 2008 einen kritischen Prüfbericht gegeben habe, der aber ordnungsgemäß mit einer Stellungnahme der Verwaltung beantwortet wurde. „Wir waren damals sehr empört und haben uns angegriffen gefühlt, denn wir hatten aus eigenem Antrieb begonnen, die IT-Infrastruktur zu modernisieren“, erinnert er sich. Nach seinem Amtsantritt sei nicht einmal jeder Arbeitsplatz mit einem Computer ausgestattet gewesen, immer zwei Mitarbeiter haben sich ein Telefon mit Wählscheibe teilen müssen und es habe nur zwei E-Mail-Anschlüsse gegeben.

„Es ist vollkommen unverständlich, dass die Stellungnahme an den Landesrechnungshof nicht auffindbar sein soll“, sagte von Ancken. Zudem sei der Hauptausschuss damals sicher informiert worden.

Landrat Schwemer sagte dazu: „Ich gehe davon aus, dass die Politik damals nicht in Kenntnis gesetzt worden ist.“ In den Tagesordnungen, Vorlagen und Niederschriften der Hauptausschuss-Sitzungen der Jahre 2004 und 2005 ist eine derartige Stellungnahme gestern auch nicht gefunden worden. Den Prüfbericht von 2004 habe er auch erst auf den Hinweis des Rechnungshofes hin gefunden. Das Problem habe in der IT-Abteilung selbst gelegen, wiederholte er. Ihm sei es aber nun wichtiger, die Missstände weiter abzubauen. „Ein Konflikt mit Wolfgang von Ancken ist nicht meine Baustelle.“

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erstellt am 22.Okt.2014 | 12:05 Uhr

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