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Trauma für 670 Bauherren : Ex-Chefs der IBG Holding vor Gericht: Prozess beginnt mit Verspätung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

2012 ging die Büdelsdorfer Baufirma IBG-Haus spektakulär pleite – ab Mittwoch stehen die Chefs vor Gericht.

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2017 | 11:22 Uhr

Kiel/Büdelsdorf | Fünf Jahre nach der spektakulären Insolvenz der IBG-Haus aus Büdelsdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) werden Mittwoch zahlreiche Bauherren aus ganz Deutschland gebannt nach Kiel blicken: Vor dem Landgericht müssen sich die ehemaligen Geschäftsführer und ihr Steuerberater verantworten. Der Prozessbeginn verzögerte sich um rund eineinhalb Stunden, weil sich eine Schöffin verspätete.

Die Staatsanwaltschaft hat die Ex-Chefs Marc P. (41) und Wolfgang O. (58) „im Wesentlichen wegen gewerbs- und bandenmäßige Untreue und Steuerhinterziehung in Millionenhöhe“ angeklagt. Dem Steuerberater aus Nordrhein-Westfalen wird Beihilfe dazu vorgeworfen. Die drei Männer sollen mit Winkelzügen Geld aus der IBG herausgezogen haben. „Die Anklage geht von Steuer- und Vermögensschäden von rund elf Millionen Euro aus“, sagte Gerichtssprecherin Rebekka Kleine. Insgesamt seien in dem komplexen Verfahren elf Anklagen erhoben worden.

Laut Anklage räumten die beiden Geschäftsführer die Umsatzsteuerhinterziehung von rund neun Millionen Euro im Oktober 2012 per Selbstanzeige beim Finanzamt Kiel-Süd ein. Zwei Staatsanwälte verlasen zu Prozessbeginn die elf Anklagen. Der Tatzeitraum reicht im Wesentlichen von 2008 bis 2012 - dem Jahr, in dem die IBG im November Insolvenz anmeldete.

Die Büdelsdorfer IBG Holding GmbH gehörte mit ihren zahlreichen Regionalgesellschaften zu den führenden Herstellern schlüsselfertiger Massivhäuser in Norddeutschland. Mit einer Doppelstrategie aus betont seriösem Auftreten (Eigenwerbung: „Richtig gut gebaut“) und Kampfpreisen hatte die 1994 gegründete IBG den Markt attackiert. Was folgte, war eine der größten Baupleiten Deutschlands. Ende 2012 konnte das Unternehmen seine Rechnungen nicht mehr bezahlen. Bundesweit blieben 670 Bauherren auf unfertigen IBG-Häusern sitzen, was sie in existenzbedrohende Finanznöte brachte.

Laut Insolvenzverwalter warten 2400 Gläubiger auf ihr Geld, die Verbindlichkeiten der IBG belaufen sich auf 120 Millionen Euro. Doch die Chance, dass geschädigte Bauherren, geprellte Handwerker oder Lieferanten einen nennenswerten Teil davon wiedersehen, ist gleich Null – denn die Insolvenzmasse kommt über einen einstelligen Millionen-Betrag nicht hinaus. Zudem sind Marc P. und Wolfgang O. in die Privatinsolvenz gegangen, und ihre Geschäftsführer-Haftpflicht kommt nur für Schäden bis zu fünf Millionen Euro im Jahr auf.

Vor Gericht geht es um den Verdacht, die Geschäftsführer könnten in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Sie sollen eine Gesellschaft gegründet haben, die Bauherren-Versicherungen vermittelte. Aber die Preise für diese Versicherungen, die der IBG in Rechnung gestellt wurden, waren offenbar viel zu hoch. Die Differenz zwischen den tatsächlichen Kosten für die Versicherung und der überhöhten Rechnung soll abgezweigt worden sein. Der Steuerberater steht im Verdacht, den beiden Geschäftsführern, die nach Razzien mehrere Wochen in Untersuchungshaft saßen, dabei geholfen zu haben.

Der Prozess sollte schon im vergangenen Jahr beginnen, der Start war aber wegen der komplexen Materie mehrfach verschoben worden. Die 6. Strafkammer hat bis Mitte Juni kommenden Jahres 40 Verhandlungstermine festgesetzt.

mit dpa

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