Owschlag : Evangelischer Täufling mit muslimischen Wurzeln

Glück über die Religionen hinweg: Rudin Misiri, Rudjon und Eriona direkt nach der Taufe.
Foto:
1 von 2
Glück über die Religionen hinweg: Rudin Misiri, Rudjon und Eriona direkt nach der Taufe.

Rudjon (3) ist nun Teil der Kirchengemeinde Owschlag. Eltern gehören unterschiedlichen Religionen an.

shz.de von
14. Dezember 2015, 16:46 Uhr

Mit dem kleinen Rudjon hat die evangelische Kirchengemeinde Owschlag jetzt ein ganz besonderes neues Mitglied in ihren Kreis aufgenommen. Denn der Papa des dreijährigen Jungen ist Moslem – und seine Mutter gehört der katholischen Kirche an. Die kleine Familie ist aus Albanien geflohen und wurde in Owschlag aufgenommen.

Die Taufe wurde jetzt in der Erlöserkirche gefeiert. „Rudjon ist gerade drei Jahre alt geworden. Er geht in die Kita und spricht schon ziemlich gut deutsch. Er ist aufgeweckt und neugierig. Und er ist der treueste dreijährige Gottesdienstbesucher in dieser Gemeinde“, beschrieb Pastor Christian Bingel den kleinen „Joni“ während des Taufgottesdienstes und ergänzte: „Seine Mama Eriona ist Christin. Sein Vater Rudin fühlt sich in unserer Gemeinde wohl. Und beide haben gesagt: Wir wollen, dass Rudjon mit Gott groß wird. Er soll mit dieser Gemeinde aufwachsen, die uns so freundlich aufgenommen hat.“ Denn die Familie konnte nicht immer so friedlich leben wie jetzt in Owschlag. Vor gut einem Jahr kam Rudjon mit seinen Eltern Eriona und Rudin Misiri nach einer langen Odyssee in Deutschland an. Die Asylbewerber stammen aus Albanien. Dort konnten sie jedoch nicht bleiben. Denn sie berichten, dass sie verfolgt wurden, weil sie unterschiedlichen Religionen angehören. Zum ersten Mal seit vielen Jahren hat Eriona wieder einen Weihnachtsbaum aufgestellt, über den sie sich riesig freut.

Mit ihrer offenen und herzlichen Art haben Eriona und Rudin Misiri schnell Kontakte in ihrer neuen Heimat geknüpft und fühlen sich wohl in Owschlag. Regelmäßig besuchen sie das Kulturcafé im Gemeindehaus, den Gottesdienst und den Sprachunterricht der Gemeinde. Sie wollen nicht, dass sich Religionen feindlich gegenüber stehen. Sie begreifen sie nicht als Weltanschauung. Das zeigen die beiden Eltern mit ihrer Entscheidung, dass ihr Sohn der evangelischen Kirche angehören soll. Der größte Wunsch ist für die drei, dass ihr Asylantrag bewilligt wird und sie in Owschlag bleiben dürfen. „Wir hoffen sehr, dass alles gut wird“, so Rudin Misiri.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen