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Reise : Europa der Länge nach – per Fahrrad

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ein Lebenstraum wird wahr: Bodo Schnoor aus Büdelsdorf erreicht nach 7300 Kilometern das Nordkap. Start war am 1. April in Südspanien.

shz.de von
erstellt am 20.Jun.2017 | 13:29 Uhr

Warum bis zur Rente warten? Bodo Schnoor erfüllt sich seinen Traum schon jetzt. Der 57-jährige Büdelsdorfer hat Europa von einem Ende zum anderen durchquert – auf dem Fahrrad. Los ging’s am 1. April ganz im Süden von Spanien. In der Nacht auf den vergangenen Mittwoch, 14. Juni, erreichte Schnoor das Nordkap, den nördlichsten Festlandspunkt Europas. In knapp elf Wochen legte der Extremradler 7300 Kilometer zurück, ganz ohne elektrische Unterstützung. Schnoor, Sprecher der Rendsburger Ortsgruppe im Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC), sprach mit LZ-Redaktionsmitglied Frank Höfer am Handy über seine Motive für die Reise, die Ausrüstung – und darüber, was ihn auf den letzten Metern vor dem Ziel erwartete.

Herr Schnoor, wo erwischen wir Sie?

Bodo Schnoor: In Finnland, wir sitzen im geparkten Auto, meine Frau hat mich am Nordkap abgeholt. Jetzt reisen wir zurück in den Süden. Aber ganz langsam, wir wollen uns Zeit lassen.

Wird es da oben eigentlich noch dunkel?

Nein. Schon seit mindestens zwei Wochen nicht. Die Sonne bleibt immer über dem Horizont.

Warum machen Sie die Reise?

Der Wunsch ist im vergangenen Jahr endgültig gewachsen. Ich bin aktiver Kanute und hatte lang darüber nachgedacht, von Büdelsdorf nach Helsinki zu paddeln. Alternativ dazu kam die Idee, quer durch Europa zu radeln. Entschieden habe ich mich dann für das Radfahren, auch in der Hoffnung, mehr Leute zu treffen als beim Kajakfahren.

Und? Haben Sie viele andere Radfahrer getroffen?

Viel weniger als erwartet. Vor allem im hohen Norden. Da war ich etwas enttäuscht. Aber ich war auch recht früh in der Saison so weit oben unterwegs. Mit anderen Reisenden kommt man trotzdem schnell in Kontakt. Vor ein paar Tagen habe ich auf einem Rastplatz eine Reisegruppe aus Belgien kennengelernt. Als ich denen sagte, dass ich am 1. Mai in Brüssel war und die Strecke bis hierher mit dem Fahrrad zurückgelegt habe, staunten die nicht schlecht.

Wie haben Sie die Tour mit ihrem Beruf vereinbaren können?

Ich arbeite als Diplom-Informatiker bei Mobilcom-Debitel. Mit meinem Arbeitgeber habe ich eine Vereinbarung getroffen, dass ich durch Gehaltsverzicht vom 1. April bis zum 16. Juli Urlaub nehmen kann. Viele warten mit einer so langen Reise, bis sie Rentner sind. Das hätte für mich noch weitere zehn Jahre Warten bedeutet – verbunden mit der Frage, ob ich das dann noch gesundheitlich schaffen könnte. Bewusst habe ich mich für eine Reise entschieden, bei der der sportliche Aspekt 80 bis 90 Prozent ausmacht.

Wie lief die Vorbereitung?

Ich habe viel im Internet recherchiert, was andere gemacht haben. Außerdem habe ich mich mit anderen Reiseradlern aus Schleswig-Holstein und Hamburg getroffen, um von deren Erfahrungen zu profitieren. Für mich ist es die erste längere Gepäcktour mit Zelt und Fahrrad. Bei der ersten Prüfung im vergangenen August, wie weit die Strecke bis zum Nordkap eigentlich sein würde, kamen 5325 Kilometer heraus. Bei der späteren Verfeinerung der Route mit dem Besuch der Hauptstädte Madrid, Paris, Brüssel, Amsterdam und Kopenhagen wurden es dann mehr.

Warum allein?

Ich habe über das Kontaktportal des ADFC versucht, jemanden zu finden, mit dem ich einige Tage gemeinsam radeln könnte. Eventuell auch nur abschnittsweise. Aber für Rentner, die mehr Zeit haben, ist mein Tempo zu hoch. Und andere Reiseradler, die in die selbe Richtung wollten, habe ich nicht gefunden. Alleinreisen hat auch den Vorteil, jede Entscheidung, die man selbst trifft, sofort ändern zu können.

Ein paar Details zur Ausrüstung?

Das Fahrrad ist mein elf Jahre altes „Böttcher“-Tourenfahrrad mit Stahlrahmen, 14-Gang-Rohloff-Nabenschaltung und Magura-Hydraulikbremsen. Die vier Fahrradtaschen sind wasserdicht und von Ortlieb. Auf dem Gepäckträger sind dann in zwei wasserdichten Säcken einmal das Zelt und einmal Schlafsack und Liegematte verstaut. In der Lenkertasche befinden sich alle Wertsachen. Ich fahre grundsätzlich mit Helm, da ich damit auch bei einem Alleinunfall besser geschützt bin.

Und wie war die Ankunft am ersehnten Ziel, dem Nordkap?

Es war extrem gespenstisch und ziemlich dunkel. Das Nordkap-Infozentrum liegt auf einem Plateau etwa 300 Meter über dem Meeresspiegel. Alles war in dichten Nebel gehüllt. Auf der Fahrt dorthin waren links und rechts der Straße noch die Schneereste in einer Höhe von ein bis drei Metern zu sehen und dazwischen im Nebel die Fahrbahn. Auch als meine Routing-App nur noch 450 Meter bis zum Ziel anzeigte, war außer Dunst und Wolken nichts zu erkennen. Erst 50 Meter vor dem Infozentrum erkannte ich dann, dass ich es geschafft hatte. Dicht an der Felsenkante zum Meer steht dann diese Weltkugel, die in allen Reiseführern zu sehen ist. Dort habe ich um 1.41 Uhr das „Zielfoto“ gemacht. Ich war zu der Zeit der einzige Mensch, der sich auf dem Platz um die Weltkugel aufhielt. Die Aufnahme ist deshalb mit Selbstauslöser entstanden. Es ist zu erkennen, dass keine Mitternachtssonne schien, sondern dunkle Wolken am Himmel waren.

Und dann?

Neben einem anderen Radreisenden aus Frankreich baute ich mein Zelt auf, kochte mir im Vorzelt einen heißen Tee und aß noch etwas. Danach kroch ich in den warmen Schlafsack. Da das Zelt die ganze Nacht im Wind flatterte, habe ich nicht besonders gut geschlafen. Meine Frau war nach einem Telefonat zehn Kilometer vor dem Ziel losgefahren, um mich abzufangen. Sie war auch zeitgleich auf dem Plateau, hat aber mein Zelt im dichten Nebel nachts nicht mehr gefunden. Am nächsten Morgen haben wir dann gemeinsam gefrühstückt.

Die Reise von Bodo Schnoor im Blog

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