zur Navigation springen
Landeszeitung

17. Oktober 2017 | 08:09 Uhr

Bericht aus Sien : „Esel schmeckt gut“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Hella Kohlmeyer berichtet über ihre Erlebnisse in Aukrugs Partnergemeinde Sien. 10 Monate unterrichtete sie an der Schule in Burkina Faso und über neue kulinarische Erfahrungen.

von
erstellt am 20.Sep.2013 | 06:15 Uhr

Ein Jahr Burkina Faso in zwei Stunden: Hella Kohlmeyer berichtete im Gästehaus von ihren Erlebnissen in Aukrugs Partnergemeinde Sien. Die ehemalige Schulleiterin von Bargstedt (1995-2012) und Langwedel (2011-12) hat zehn Monate in Burkina Faso gelebt und dort für ein besonderes Schulangebot gesorgt: Deutschunterricht für die 7. bis 11. Klassen von Sien.
Den verzögerten Beginn ihres Afrika-Abenteuers hatte Hella Kohlmeyer schon geschildert, als sie am 2. April an gleicher Stelle einen Zwischenbericht ihres Burkina-Faso-Aufenthalts abgegeben hatte, ehe sie zurück nach Afrika flog, um ihr Sien-Gastspiel bis Ende Juni fortzusetzen. Diesmal beschränkte sie sich auf den Hinweis, dass sie extra von Antwerpen, wo sie schon an Bord eines Frachtschiffs gehen wollte, nach Berlin fahren musste, um sich ein Transitvisum für Nigeria zu beschaffen, „das ich dann nicht gebraucht habe“. Auch die mangels Zwischenstopps etwas eintönige Schiffsreise nach Afrika handelte die ehemalige Schulleiterin kurz und bündig ab: „Zehn Tage vorne Wasser, hinten Wasser, links und rechts und unten Wasser.“

„Weil Burkina Faso ja nicht ans Wasser grenzt“, reiste Hella Kohlmeyer über Benin Richtung Sien, wo sie von der Dorfbevölkerung mit allem Tamtam empfangen wurde: „Wie Queen Mum wurde ich vom Dorfeingang zu meiner Herberge geleitet.“ Diese dem Privatschulbesitzer von Sien gehörende „Luxus-Suite“ (so Hella Kohlmeyer) mit eigener Terrasse und Fernseher sollte sogar noch luxuriöser ausgestattet werden: „Man hat mir eine riesige Parabolantenne im Garten installiert, damit ich deutsches Fernsehen empfangen könnte, was letztendlich nicht geklappt hat, aber das war eine nette Geste.“ Die Großfamilie, mit der die Schleswig-Holsteinerin auf dem gleichen Hof zusammenlebte, war meist draußen unter einem Maisstrohdach anzutreffen: „Man geht nur zum Schlafen ins Haus, alles andere spielt sich draußen ab.“

In den Schulklassen der weiterführenden Schule von Sien sah sich die Deutschlehrerin Klassen mit bis zu 80 Jugendlichen gegenüber: „Am Anfang hatte ich einen Weißen-Bonus, aber als der sich abgeschliffen hatte, war es schwierig, so eine große Anzahl von Schülern zu bändigen.“ Denn: „Es gibt die, die lernen wollen, und dann gibt es die, die schlafen wollen, am meisten stören aber die, die ihren Spaß haben wollen.“

Die Schilderung des Schulunterrichts war das Stichwort für Eitel-Wolf Necker, der seinen Job als Fotoeinspieler am Laptop kurz unterbrach, um über das neueste Projekt des Rotary-Clubs Neumünster-Vicelin berichtete. „Wir bezahlen das Schulgeld für einige begabte Kinder, damit die Abitur machen können“, erklärte Aukrugs Ex-Bürgermeister, „dies Jahr haben sich sechs Schüler beworben, allen sechs konnte ich ein Stipendium zusagen, und das Geld ist auch schon überwiesen.“ Mit Abitur hätten die Jugendlichen dann schon deutliche bessere Zukunftsaussichten, sagte Necker.

Hella Kohlmeyer lud ihr Publikum zu einem „Spaziergang durch Sien“ ein, bei dem man unter anderem erfahren konnte, dass das Mofabenzin in Flaschen verkauft, das Dolo-Bier hingegen in Kanistern angeliefert und aus Kalebassen getrunken wird. Das Fleischangebot bietet für jeden Geschmack etwas: „Esel schmeckt gut, Hund sehr zart, Rind etwas zäh.“ Dem Leibgericht der Einheimischen konnte Hella Kohlmeyer nicht allzu viel abgewinnen: „Es gibt morgens Hirsebrei und abends Hirsebrei und immer mit irgendeiner grünen Schleimsoße.“ An den dauernden Hirsebrei gewöhne man sich indes irgendwann: „Er schmeckt ja nicht wirklich schlimm, er schmeckt eigentlich nicht nach viel.“ Der Begriff „Schleimsoße“ sei „nicht abwertend gemeint“, sagte Hella Kohlmeyer: „Aber die Konsistenz ist für uns sehr gewöhnungsbedürftig.“

Die neuerdings in Düsseldorf wohnende Lehrerin zeigte auch Bilder vom Besuch einer Krankenstation im fünf Kilometer entfernten Zouma. „So eine Krankenstation ist ja auch das nächste Projekt unseres Partnerschaftsvereins für Sien“, erläuterte Hella Kohlmeyer, „als ich da war, haben wir das angeleiert, jetzt liegt der Antrag bei den richtigen Stellen, und nun warten wir auf die Genehmigung, dass auch in Sien so eine Krankenstation gebaut werden kann.“
Nach der Fotoreise durch Sien und einige Nachbarorte gab es als „Bonus“ ein Video vom Abfischen im Regenrückhaltebecken, und dann bedankte sich Partnerschaftsvereins-Chef Reimer Reimers beim 70-köpfigen Publikum: „Durch Ihr Interesse ermutigen Sie uns, mit unserer Arbeit weiter zu machen.“

 

 

Hella Kohlmeyer hat ihre Erlebnisse ausführlich in einem Blog geschildert, den man auf www.aukrug-sien.com nachlesen kann.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen