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Kanaltunnel Rendsburg gesperrt : Es war eine Menge Geduld gefragt

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Das Chaos auf den Straßen blieb aus. Dafür gab es Wartezeiten vor den Fähren und eine leere Bundesstraße 77. Die Arbeiten am Kanaltunnel Rendsburg sind im Zeitplan.

Rendsburg | Wer am Wochenende mit Massen von verirrten Lkw, wütenden Einheimischen und gestrandeten Touristen von der Autobahn in der Region gerechnet hatte, sah sich getäuscht. Die Sperrung des Rendsburger Kanaltunnels wegen der dringend notwendigen Asphaltierung verlief auffällig ruhig. Von Chaos keine Spur. Allerdings wurde doch ein Versäumnis deutlich: Weil die Verkehrshinweise nur in deutscher Sprache im Radio gesendet wurden, landeten zahlreiche dänische Pkw im Stadtteil Hoheluft – ihnen wurde der Weg zur Fähre erklärt.

Als der Tunnel am Sonnabend pünktlich um 18 Uhr weiträumig abgesperrt wurde, begann die riesige Fräse sofort damit, den maroden Fahrbahnbelag in der Tunnelsenke abzuhobeln. Dass sich danach noch drei Autos in den Tunnel verirrten, verbuchte Jörg Winkelmann von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung als Nebensache: „Da gab es im Norden wohl noch ein Loch in der Absperrung.“ Viel wichtiger war, dass über einen Monitor im Leitstand ein Hindernis in der anderen Röhre entdeckt wurde, die derzeit saniert wird. Ein Lkw versperrte den Weg. Er wurde entfernt – so hatte gegen 21 Uhr ein Rettungswagen mit Patient freie Fahrt ins Rendsburger Krankenhaus.

Die drei Dutzend Schaulustigen, die sich gegen 18 Uhr auf der Brücke über die B77 in der Berliner Straße eingefunden hatten, bekamen nicht viel zu sehen. Die Aktion spielte sich mitten im Tunnel ab: Auf einer Strecke von 160 Metern wurde eine zehn Zentimeter dicke Schicht von der Fahrbahn abgefräst und ersetzt. Der Rest der insgesamt 1200 Meter langen Strecke wurde lediglich mit einer dünnen Verschleißschicht versehen – insgesamt eine ebene Fahrbahn, sie so lange halten soll, bis auch diese Röhre komplett und von Grund auf saniert wird.

Während im Tunnel fast rund um die Uhr gearbeitet wurde, herrschte auf den Zufahrtsstraßen ungewohnte Ruhe. Die Bundesstraße 77, in den vergangenen Monaten Staufalle für tausende von Lkw aus ganz Europa, lag verlassen da. Allerdings: Die insgesamt 40 000 Fahrzeuge, die sonst täglich durch den Tunnel fahren, mussten sich Alternativen suchen. An der Fährstelle Nobiskrug und an der Schwebefähre herrschte denn auch Hochbetrieb. Weil die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung aber die Fahrpläne außer Kraft gesetzt und in Nobiskrug ein zusätzliches Schiff eingesetzt hatte, hielten sich die Wartezeiten in Grenzen. Viel Betrieb herrschte auch im Fußgängertunnel, viele Familien waren mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs.

Auch wenn das befürchtete Verkehrs-Chaos ausblieb – das Wochenende war für die Menschen in Rendsburg und Umgebung mit einigen Behinderungen verbunden. Umso erstaunlicher war die Tatsache, dass kaum jemand sich beschwerte und die Situation mit Verständnis, Geduld und einer gehörigen Portion Fatalismus ertragen wurde. Aber das lag vielleicht daran, dass wir in den letzten Monaten Kummer gewohnt sind.

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erstellt am 13.Okt.2013 | 20:08 Uhr

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