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Interview : „Es gibt keine unlösbaren Probleme“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Axel Hennecke wurde als Beauftragter für Menschen mit Behinderungen wiedergewählt. Bereits seit zwölf Jahren ist Hennecke im Amt.

„Wir konnten eine ganze Menge dazulernen“. Dieses Resümee zog der Sozialausschussvorsitzende Helge Hinz in der jüngsten Sitzung des Gremiums nach der bisherigen Amtszeit von Axel Hennecke (Foto). Seit 2001 übt der 50-Jährige in Rendsburg, seit 2005 auch für Büdelsdorf, das Amt des Beauftragten für Menschen mit Behinderungen aus. Jetzt wurde er ein weiteres Mal wiedergewählt. Mit einem erfreulichen Nebeneffekt: Seine Aufwandsentschädigung wird ab dem 1. Januar 2014 von 50 auf 100 Euro im Monat erhöht. Doch das ist für Hennecke, der durch die Erbkrankheit Friedreich-Ataxie an den Rollstuhl gebunden ist, weniger wichtig.

 

Herr Hennecke, Sie sind jetzt zwölf Jahre Beauftragter für Menschen mit Behinderungen. Können Sie sich noch an Ihren ersten Fall erinnern?

Nein. Es bleiben nur heftige Fälle im Gedächtnis. Im ersten Jahr war es der ältere Herr, der mit offensichtlichen Mobilitäts-Behinderungen und den Folgen eines Schlaganfalls zu kämpfen hatte. Er wollte eigentlich nur wissen, ob er irgendwo einen Zuschuss für einen Rollator bekommen kann. Er hatte nur eine kleine Rente. Er wusste nichts von Pflegeversicherung, Schwerbehindertenrecht und so weiter. Ich treffe ihn noch oft in der Fußgängerzone mit seinem Rollator. Die Tafel Schokolade, die ich von ihm bekommen habe, bedeutet mir mehr als das Geld, das ich für dieses Ehrenamt erhalte.

 

Wie viele Menschen erreichen Sie mit Ihren wöchentlichen Sprechstunden im Rathaus? Gibt es bestimmte Gruppen, die Sie ermutigen möchten, Sie aufzusuchen?

Das schwankt immer mit der Witterung. Im Durchschnitt suchen mich zwei bis vier Menschen persönlich auf. Dazu kommen die telefonischen Anfragen. Gerade die älteren Senioren wissen leider oft nicht, welche Rechte sie haben. Sie haben ihr Leben lang gearbeitet, und nehmen Bescheide von Behörden so hin. Das liegt wohl auch an der früheren Erziehung, Behörden nicht zu widersprechen.

 

Wie lange dauert es in der Regel, bis Verwaltung oder Behörden auf Ihre Wünsche, etwa nach dem Geländer am Ökologie-Informationspfad, reagieren und diese Anregungen auch in die Tat umsetzen?

Das kommt immer auf den Einzelfall an. Im Fall des Geländers reichte ein Gespräch mit dem Bauamt. Der Schwimmbadlift ist schon etwa sechs Monate auf dem Weg durch das Rathaus. Das liegt aber daran, dass verschiedene Geldgeber angesprochen sind. Im Prinzip sind aber alle im Rathaus bemüht, schnell und unbürokratisch zu helfen.

 

Sie sind ja auch nicht ganz „unschuldig“ daran, dass seit einigen Jahren die Plakette für Barrierefreiheit vergeben wird. Ist diese Auszeichnung ein Anreiz für Betriebe und Einrichtungen?

Ich denke, dass sich durch gute Beispiele mehr erreichen lässt, als nur auf schlechte hinzuweisen. Außerdem ist es für die Ausgezeichneten auch Werbung.

Was meinen Sie: Haben Sie das Denken in den Köpfen von Amtspersonen und auch ganz normaler Bürger verändern können?

Ich glaube, dass die Belange behinderter Menschen auf jeden Fall mehr wahrgenommen werden. Leider gibt es noch immer Entscheidungen, bei denen ich am liebsten die Entscheider mit dem Kopf an die Wand hauen würde. Ein Beispiel: In den Planungen zur Sanierung des Rendsburger Kanaltunnels ist die Barrierefreiheit der Fluchtwege durch den Rettungstunnel beschrieben. Nur: Mobiltätsbehinderte Menschen haben wegen des sehr hohen Bordsteins keine Möglichkeit, den Fluchtweg oder die Notrufnischen zu erreichen.

 

Was würden Sie in der Rückschau als Ihren größten Erfolg bezeichnen?

Das ist eine gute Frage. Mein größter Erfolg ist der tägliche, wenn ich einem Rat suchenden Menschen helfen kann.

 

Und was bleibt als Wichtigstes noch in Rendsburg und Büdelsdorf zu tun?

Das Wichtigste in beiden Städten muss das Streben nach Teilhabe in allen Lebensbereichen sein. Das ist ein großes Ziel. Aber ich denke: Es gibt keine unlösbaren Probleme, nur große Herausforderungen.


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erstellt am 02.Sep.2013 | 06:00 Uhr

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