Top Regional : Es begann mit drei Inseln

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Wie ist die Altstadt entstanden? Stadthistoriker Alfred Gudd wirft Blick in Geschichte.

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29. Mai 2018, 09:28 Uhr

Rendsburg | Die Eider stellte seit jeher eine natürliche Grenze zwischen den frühdänischen Normannen im Norden und den germanischen und slawischen Stämmen im Süden dar. Dort, wo der zur Nordsee strömende Fluss mit den Fluten der Gezeiten zusammenstieß, bildeten sich die drei Inseln, auf denen Rendsburg später zur Stadt heranwuchs. Wie eine Barriere stellten sie die Trennung zwischen Ober- und Untereider dar.

Seit Urzeiten führte ein von Nord nach Süd verlaufender Handelsweg quer über die mittlere der drei Inseln (in der Zeichnung „Altstadtinsel“). Daraus wurde der Straßenzug der Mühlenstraße mit der Verlängerung durch die Schleifmühlenstraße.

Ein zweiter Handelsweg, von der in der Untereider gelegenen Schiffbrücke ausgehend, stieß rechtwinklig von Westen her hinzu. Dieser Weg wurde später zur Hohen Straße. Dort, wo die beiden Inselwege zusammentrafen, entstand schon zu alten Zeiten ein Handelsplatz, der später im Zuge der Stadtentwicklung zum Altstädter Markt zusammenschrumpfte.

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts ließen sich die ersten Siedler dauerhaft auf der mittleren Insel nieder. Ihre Häuser errichteten sie am Rand der beiden Inselwege. Lediglich die Ostseite der Mühlenstraße bildete eine Ausnahme. Dort führte die Fassadenflucht der Gebäude in einem weiten Bogen halbkreisförmig um den alten Handelsplatz herum. Wer sich den Bauklotz des ehemaligen Hertie-Kaufhauses weg denkt, kann diesen Bogen heute noch erkennen.


Pastoren- oder Ehebrechergang

Vom Inneren des Halbkreises heraus führten Wege zum Inselrand. Fast alle sind heute noch vorhanden, die meisten jedoch sind namenlos. Der Klapper- oder Totengang und der Pastoren- oder Ehebrechergang führten zur Obereider. Der Steinkellergang, der Stegen und der Glasergang führten zum Stegengraben.

Beim Wiederaufbau nach dem Stadtbrand von 1286 wurde Rendsburg um die Neue Straße erweitert. Auch auf der Nachbarinsel (in der Zeichnung „Neustadtinsel“) wurde jetzt gebaut. Entlang ihrer Längsachse verläuft seither die Nienstadtstraße.

Im Zuge des Festungsbaus wurde Rendsburg mit einem Wall umbaut. Am Wallfuß führte die Wallstraße (parallel zur Neuen Straße im Süden davon) um die Stadt herum. Ein Teilstück dieser Straße wurde 1856 zur Eisenbahnstraße, ein weiteres Teilstück 1938 zur Straße Am Holstentor.

Der Mühlengraben und der Stegengraben, die als Nebenarme der Eider trennend zwischen den drei Inseln lagen, wurden 1893 im Zuge des Kanalbaus zugeschüttet und sind seither Teil des Straßennetzes der Altstadt.

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