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Erzählen ist Erinnern: Ein Westerrönfelder auf der Suche nach dem verlorenen Vater

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erstellt am 22.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Rendsburg | Jürgen von Falkenhayn teilt das Schicksal von vielen Kindern: Er wuchs ohne Vater auf, denn dieser fiel im Zweiten Weltkrieg. Drei Jahre alt war von Falkenhayn damals. Lange Jahre blieb wenig Zeit zur Erinnerung. Doch nach seiner Pensionierung 1995 verspürte "ich das Bedürfnis, die Spurensuche nach meinem verlorenen Vater weiter zu intensivieren", schreibt von Falkenhayn. Das Ergebnis ist ein Buch, das mehr ist als eine Familiengeschichte und das der Autor morgen in der Buchhandlung Reichel vorstellt.

Jürgen von Falkenhayn stammt aus einer bekannten Familie: Er ist der Großneffe des preußischen Generals der Infanterie, Erich von Falkenhayn. Auch sein Vater Ulrich (Jahrgang 1898) war Soldat. Und der Autor trat 1957 nach dem Abitur in die Bundeswehr ein. Daher ist es nur zu verständlich, dass er sich in weiten Teilen mit den Feldzügen beschäftigt, an denen sein Vater beteiligt war. Aber er setzt sich auch mit der moralischen Frage auseinander. Vielleicht, so mutmaßt er, hätte sein Vater später Widerstand geleistet. Doch der Hauptmann der Reserve und Kompaniechef fiel zu Beginn des Krieges 1941 bei Sarossawa (südostwärts von Kiew) in der Ukraine, als viele Greueltaten noch nicht bekannt gewesen waren.

Auf jeden Fall, so der Autor, "verdient mein Vater, wie Millionen von anderen Soldaten der Wehrmacht, sofern sie keine Kriegsverbrechen begangen haben, Gerechtigkeit bei der Beurteilung ihres Handelns".

Daneben spielt der Mensch Ulrich von Falkenhayn eine wichtige Rolle. Ihn näher kennen zu lernen, dabei halfen dem Sohn zahlreiche Briefe, die der Vater zwischen 1936 und 1941 an seine Mutter schrieb. Auf diese Weise und anhand anderer Dokumente - den für die Befragung von Zeitzeugen war es zu spät - konnte er ein Puzzle einzelner wichtiger Lebensabschnitte zusammensetzen.

"Erzählen ist Erinnern" heißt die Reihe, in der von Falkenhayns Buch erschienen ist. Seine Bucherzählung hatte ein für ihn wichtiges Ergebnis: "Heute ist mir mein Vater so nah und vertraut wie nie zuvor", schreibt von Falkenhayn, der mit seiner Frau in Westerrönfeld lebt.

Lesung:

Donnerstag, 23. Mai, 19.30 Uhr, Buchhandlung Reichel, Schiffbrückengalerie, Eintritt 5 Euro

Buch: Jürgen von Falkenhayn, "Sarossawa - Auf der Suche nach dem verlorenen Vater", 249 S., 12.50 Euro, Scribeo-Verlag Bettina Dodenhoeft, ISBN 978-3-936592-29-0

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