Komplex in U-Form : Erster Neubau auf Kasernengelände

Drohnen-Perspektive auf den östlichen Bereich der Ex-Eiderkaserne. In der Bildmitte das Areal, das mit Eigentumswohnungen bebaut werden soll. Die alten Gebäude haben wir zur besseren Orientierung nummeriert: (1) Stabsgebäude/jetzt Schule, (2) „Eiderschlösschen“/jetzt Jobcenter, (3) Kfz-Halle, (4) Offizierheim, (5) Sanitätsgebäude, (6) Arrestgebäude, (7) „Topo Batterie 600“/jetzt „Overath & Sand“, (8) Marställe, (9) Lagergebäude, (10) Reithalle, (11) Pferdeklinik.
1 von 2
Drohnen-Perspektive auf den östlichen Bereich der Ex-Eiderkaserne. In der Bildmitte das Areal, das mit Eigentumswohnungen bebaut werden soll. Die alten Gebäude haben wir zur besseren Orientierung nummeriert: (1) Stabsgebäude/jetzt Schule, (2) „Eiderschlösschen“/jetzt Jobcenter, (3) Kfz-Halle, (4) Offizierheim, (5) Sanitätsgebäude, (6) Arrestgebäude, (7) „Topo Batterie 600“/jetzt „Overath & Sand“, (8) Marställe, (9) Lagergebäude, (10) Reithalle, (11) Pferdeklinik.

Unternehmen aus Angeln plant 50 Eigentumswohnungen in Neuwerk-West

Avatar_shz von
25. März 2018, 11:46 Uhr

Rendsburg | In der ehemaligen Eiderkaserne bahnt sich ein Projekt mit historischer Note an. Wird es verwirklicht, und darauf deuten alle Zeichen hin, wäre es der erste Neubau auf einem Ex-Kasernengelände in Rendsburg seit dem Abzug der Bundeswehr vor etwa zehn Jahren.

Im Fokus steht ein Eckgrundstück ganz im Osten der Konversionsflächen, nur einen Steinwurf vom Kulturzentrum entfernt. Investor ist die Wohnungsbaugesellschaft Böklund, kurz Woba. Sie hat sich das 5467 Quadratmeter große Areal gesichert. Der „Baublock 05“, wie er in den Unterlagen heißt, befindet sich an der Ecke Tulipanstraße/Untereiderstraße (Letztere hieß bis September ebenfalls Tulipanstraße). Auf der Fläche sollen etwa 50 hochwertige Eigentumswohnungen entstehen. Für rund 720 000 Euro wechselt das Grundstück den Besitzer. Der Preis ergab sich aus dem gutachterlichen Verkehrswert. Dadurch stellte die Stadt sicher, dass nicht der höchste Bieter, sondern der beste Entwurf zum Zuge kam. Die Wobau setzte sich mit ihrem Vorschlag gegen andere Bewerber durch. Bis Mai soll der Grundstückshandel notariell besiegelt werden. Sofort danach wollen die Planer aus Angeln ihr Vorhaben umsetzen und mit der Vermarktung beginnen.

Für Rendsburg wäre es ein großer Fortschritt auf dem von Verzögerungen geprägten Weg zum Wohn- und Arbeitsquartier Neuwerk-West. Eine Mischung aus Büros und 380 Wohneinheiten für 500 Menschen, durchzogen von viel Grün, soll Käufer nach Rendsburg locken.

Die Woba will erst nach Abschluss der Grundlagenplanung mit ihren Entwürfen an die Öffentlichkeit gehen. Fest steht: Das Vermessungsbüro „Overath & Sand“ an der verlängerten Arsenalstraße und die Mieter an der Tulipanstraße und Untereiderstraße bekommen neue Nachbarn. Die unbebaute Lücke zwischen dem Ingenieurbüro und dem Marstall wird durch ein Reihenhaus mit fünf Wohnungen gefüllt. Übrig bleibt eine etwa quadratische Fläche. Auf ihr entsteht ein Komplex in der Form eines großen „U“, die offene Seite zeigt gen Norden. Vorgesehen sind drei Stockwerke plus Dachgeschoss sowie eine Tiefgarage. Alle Bewohner sollen ihr Fahrzeug sicher und trocken unter der Erde abstellen können. Wie genau die Anlage aussehen wird, steht zwar weitgehend fest – die Wobau will die Bilder aber erst zeigen, wenn alle Verträge in trockenen Tüchern sind.

Das zwölf Jahre alte Unternehmen plant, baut, verkauft und vermietet Objekte im nördlichen Schleswig-Holstein. Als Referenz kann es unter anderem die „Alte Gärtnerei“ mit knapp 200 Eigentumswohnungen in Flensburg-Mürwik vorweisen. Seit einem Jahr wird am „Quartier Neuwerk“ gearbeitet. Ralph Sörnsen von der Woba lobt ausdrücklich die bisherige Zusammenarbeit mit der Stadt Rendsburg. „Das klappt gut, die Bauverwaltung hat alles gut vorbereitet und zügig in die Wege geleitet“, sagt der Leiter der Projektentwicklung. Wenn er morgens eine Mail ans Rathaus geschickt habe, sei noch am selben Tag eine Antwort gekommen. Das sei in anderen Städten anders. „Die müssen ziemlich gut sortiert sein.“

Stand der Konversion

Die ehemalige Eiderkaserne ging am 20. Oktober 2008 in den Besitz der Stadt Rendsburg über. Der Kaufpreis betrug zwei Millionen Euro. Seitdem wurden einige der denkmalgeschützten Altbauten in ein ziviles Dasein überführt. Neubauten  existieren noch nicht. Das gilt auch für die ehemalige Feldwebel-Schmid-Kaserne, in der mehrere alte Gebäude und Hallen für Gewerbe, Büros, Schule, Wohnzwecke und als Erstaufnahme von Flüchtlingen genutzt werden.

 In der Ex-Eiderkaserne tut sich immerhin schon einiges – auch ohne eine Straße, die das gesamte Gelände erschließt: Das monumentale, wie ein „E“ geformte „Eiderschlösschen“ hat sich ein Unternehmer aus Bielefeld gesichert. Nach langer Renovierung beherbergt es nun das Jobcenter des Kreises. Der Betrieb läuft schon, Schlüsselübergabe ist am kommenden Dienstag. Das Stabsgebäude nebenan wird von Herderschule und dem Helene-Lange-Gymnasium im Schulterschluss genutzt.  Auf einer vom „Eiderschlösschen“ und Stabsgebäude flankierten Fläche ist eine Kindertagesstätte in privater Trägerschaft geplant.  Ein  Ensemble aus zwei alten Reitställen („Marställe“) und einem Lagergebäude ist bis Juli für einen Projektentwickler aus Flensburg reserviert. Privatleute wollen die historischen Gebäude zu Reihenhäusern und Wohnungen umbauen. Die PflegeLebensnah interessiert sich für das Gebäude parallel zur Reithalle und möchte darin  das erste Tageshospiz im Land gründen. Beide Interessenten kooperieren miteinander. Im Gebäude der einstigen „Topographiebatterie Batterie 600“ neben der Zufahrt an der Arsenalstraße befindet sich ein Vermessungsbüro. Die Kfz-Halle neben dem Kulturzentrum macht Platz für ein Blockheizkraftwerk. Noch zum Verkauf stehen Offizierheim, Sanitätsgebäude, Arrestgebäude, Pferdeklinik und Reithalle. „Für alle Gebäude gibt es Interessenten, mit denen verhandelt wird“, so Bauamtsleiter Frank Thomsen. Den Baubeginn der verlängerten Arsenalstraße erwartet er Mitte 2019.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen