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Kreis Rendsburg-Eckernförde : Erste Station für Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Petra Mück ist die Ansprechpartnerin für Asylbewerber, die im Kreis untergebracht werden sollen. Jeden Donnerstag kommen neue Flüchtlinge hinzu.

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2014 | 15:00 Uhr

Jeden Donnerstag erwartet Petra Mück (53) ein „Überraschungspaket“. Das ist der Tag in der Woche, an dem Flüchtlinge aus der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung in Neumünster nach Rendsburg kommen, um im Kreis eine Unterkunft zu finden. Dann hat die neue Asylsozialberaterin Rendsburg-Eckernfördes alle Hände voll zu tun. Sie ist für die Neuankömmlinge die erste Ansprechpartnerin. Doch auch sonst ist das Arbeitsaufkommen hoch. Petra Mück hat ihre Stelle vor knapp vier Monaten angetreten – genau in einer Zeit, in der der Flüchtlingsstrom sprunghaft anstieg.

Mit voraussichtlich über 800 Asylbewerbern kommen in diesem Jahr mehr als doppelt so viele wie 2013. Nach kurzem Aufenthalt in der Gemeinschaftsunterkunft an der Rendsburger Kaiserstraße 21 sollen sie weiter über die Ämter in Unterkünfte der Gemeinden vermittelt werden. Doch das ist gar nicht so einfach. Petra Mück ist nicht nur für den Transfer der Menschen aus fernen Ländern zuständig, sondern auch für die Wohnungssuche. Sie muss bei der Unterbringung nicht nur die ethnische Herkunft und die Religion der Flüchtlinge berücksichtigen, sondern auch eine passende Bleibe finden. Das scheitert häufig am Geld. Für die Asylbewerber werden die gleichen Mietsätze wie für Arbeitslosengeld-II-Empfänger gewährt. „Das macht es häufig schwer, Wohnungen zu finden“, sagt Petra Mück.

Dann setzt oft ein Teufelskreis ein: Weil keine Bleibe zu finden ist, bleiben die Flüchtlinge zum Teil länger in der Gemeinschaftsunterkunft, als die als Höchstmaß vorgesehenen sechs Monate. Dann beginnen sie, Wurzeln zu schlagen, wodurch die Weitervermittlung noch schwieriger wird, so Mück. Besonders bei ganzen Familien stehe sie oft vor einem Problem: Weil die Kinder schulpflichtig sind, müssen sie gleich in Rendsburg eine Schule besuchen. Die Stadt ist als Betreiberin der Gemeinschaftsunterkunft jedoch nicht im Zuweisungsschlüssel berücksichtigt. Wenn sie die Unterkunft wieder verlassen, müssen sie also eine Bleibe in einer Gemeinde finden, von der aus die Schule noch erreichbar ist – für Mück ein weiteres Hindernis für eine schnelle Vermittlung.

Die Unterrichtsversorgung für die Flüchtlingskinder sei ohnehin schlecht: „Es gibt zu wenig Deutschkurse“, sagt Mück. Die Klassen für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache seien überfüllt, häufig gebe es Wartelisten. „Das liegt nicht an den Schulen. Das Kultusministerium muss mehr Lehrer dafür zur Verfügung stellen“, sagt Mück. Insgesamt sei mehr Personal nötig, da es sich häufig um traumatisierte Kinder handele, die Betreuung benötigten.

„Der Flüchtlingsstrom wird weiter wachsen“, sagt Mück. In der vorvergangenen Woche seien allein 40 Asylbewerber auf einmal gekommen. Die meisten aus Syrien, Irak und Afghanistan. Petra Mück kommt bei der Betreuung eine Menge Erfahrung zugute. Die Sozialpädagogin aus Bayern war unter anderem in ihrer Heimat Beraterin in einem Wohnheim mit rund 350 Flüchtlingen. Außerdem habe sie vor zwei Jahren im Flüchtlingslager Balata in Nablus/Palästina gearbeitet. Daher kann sie sich auch etwas auf Arabisch verständigen.

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