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Rendsburg : Erste Flüchtlinge haben das Containerdorf verlassen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Dennoch herrscht in der Erstaufnahme an der Büsumer Straße Hochbetrieb. Bürgermeister Pierre Gilgenast dankt den Helfern.

shz.de von
erstellt am 03.Sep.2015 | 09:58 Uhr

Zweieinhalb Wochen nach Eröffnung der Erstaufnahme an der Büsumer Straße haben die ersten Flüchtlinge das Containerdorf wieder verlassen. Wie Bürgermeister Pierre Gilgenast gestern auf LZ-Anfrage mitteilte, wurden 56 Asylbewerber in den Kreis Plön und nach Kiel verlegt. Weniger Betrieb herrscht in der provisorischen Unterbringungen, die vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten in Neumünster koordiniert wird, dadurch jedoch nicht. Im Gegenteil: Fast täglich treffen neue Flüchtlinge in Rendsburg ein. Gestern wurden 541 Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder gezählt, so viele wie noch nie seit Mitte August. Bis zu 800 Migranten sollen in den kommenden 18 bis 24 Monaten an der nördlichen Stadtgrenze vorübergehend ein Quartier finden.

Wie Gilgenast in der Sitzung des Finanzausschusses am Dienstagabend bekannt gab, stammen die meisten Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Albanien und dem Kosovo. Die Hilfsbereitschaft der Rendsburger und auch des Verwaltungspersonals sei ausgesprochen hoch, betonte der Rathaus-Chef. „Es gibt Menschen, die selber nicht viel haben und den Flüchtlingen trotzdem helfen wollen.“ Das Engagement gehe durch alle Bevölkerungsschichten und sei „unglaublich“, so Gilgenast. „So funktioniert die Willkommenskultur. Ich wünsche mir, dass die Welle der Hilfsbereitschaft noch lange anhält, und sage allen vielen Dank.“

Nach Angaben des Bürgermeisters haben Freiwillige in der Erstaufnahmeeinrichtung bereits mehr als 1200 Stunden ehrenamtliche Arbeit vor Ort erbracht. Aber auch die Damen und Herren in der Kleiderausgabe leisteten täglich „tolle Arbeit“ – sei es bei der Beratung, um die europäischen Größen zu verstehen, oder bei der Buchführung über die Ausgabe der verschiedenen Textilien.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) setzt durchschnittlich zehn Kräfte ein, um die humanitären Aufgaben zu bewältigen. Mitarbeiter des Kieler Uniklinikums helfen freiwillig bei den Gesundheitschecks, die für das Asylverfahren erforderlich sind. Im Einsatz sind Ärzte, Psychotherapeuten, Pflegekräfte, medizintechnische Assistenten und Verwaltungsangestellte. Um den Flüchtlingen die Zeit zu vertreiben, hilft der FC Fockbek ebenfalls mit und hat auf dem Gelände neben der St.-Peter-Ording-Straße einen Bolzplatz mit Kreide markiert. Mehrere Rendsburger Vereine haben bereits angekündigt, ein Fußballturnier zu organisieren. Der Schleswig-Holsteinische Fußballverband will die Federführung übernehmen. Auch Geldspenden seien bei der Stadt in großer Höhe eingegangen, teilte der Bürgermeister mit. Eine Familie habe für Spiel- und Sportgeräte 2000 Euro zur Verfügung gestellt. Ein Teil des Geldes werde sofort für dringend benötigte Gegenstände verwendet, eine weitere Summe erst dann, wenn das Containerdorf ab Oktober auf seine endgültige Größe und Ausstattung angewachsen sei.

Angesichts der aktuellen Ereignisse in Bayern rechnet Gilgenast damit, dass Rendsburg weitere Flüchtlinge wird aufnehmen müssen – dauerhaft. Bisher leben, unabhängig von der Erstaufnahmeeinrichtung, 58 Asylbewerber in der Stadt, bis zu 100 wurden für dieses Jahr angekündigt. „Nach derzeitiger Gesetzeslage gehen wir jetzt von insgesamt 192 Zuweisungen aus.“

>Sachspenden werden täglich von 9 bis 15 Uhr (freitags bis 13 Uhr) in der GMI-Lagerhalle im „Oktogon“ (Schleswiger Chaussee) angenommen. Es werden Helfer benötigt, die mit anpacken.

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