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A7 bei Rendsburg : Erste Blitzer-Bilanz von der Rader Hochbrücke

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mehr als 10.000 Temposünder sind in vier Wochen erwischt worden – aber nur 5083 werden bestraft.

Rendsburg | Heinz Fritz sieht den Unterschied nicht, er hört ihn. Der 79-jährige Borgstedter bewohnt seit 1972 ein Haus, das sich schräg unterhalb der Rader Hochbrücke befindet. Und seit es auf der meistbefahrenen Autobahnbrücke des Landes vier fest installierte Blitzer-Säulen gibt, fließt die Blechkarawane deutlich langsamer als zuvor über seinem Grundstück und dem Nord-Ostsee-Kanal hinweg. „Hier unten ist es deutlich leiser geworden“, sagt der Hochbrücken-Anwohner. Das dauernde Klappern bei der Überfahrt der Fahrzeuge von der Rampe auf die Brücke störe ihn aber immer noch, fügt Fritz hinzu.

Sehen kann der Borgstedter bei Dunkelheit indes die Blitze, die von den meterhohen Messanlagen ausgelöst werden. „Es ist unwahrscheinlich, was da geblitzt wird. Alle zwei Minuten bestimmt“, das jedenfalls habe sein Nachbar schon einmal beobachtet.

Zahlen aus dem Landespolizeiamt (LPA), die seit Dienstag vorliegen, bestätigen diesen Eindruck. Nach Angaben eines LPA-Sprechers gerieten zwischen dem 14. September und 15. Oktober mehr als 10.000 Fahrzeuge in die Fotofalle. Nur die Hälfte der Verstöße wird jedoch zur Anzeige gebracht. Denn viele Verkehrssünder kommen aus Ländern, in denen die Bußgeldbescheide nicht vollstreckt werden können, weil keine Amtshilfe geleistet wird, Dänemark und Schweden zum Beispiel. Alle anderen Raser erhalten ein Knöllchen von der Hochbrücke: „Uns liegen 5083 Tempoüberschreitungen vor, bei denen die Fahrzeughalter von uns Post bekommen“, sagt Ulrich Baschke aus dem Verkehrsdezernat im LPA.

Bei den verwertbaren Verkehrssünden lagen in 2715 Fällen Lastwagen über der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern. 3073 Mal wurde nur ein Verwarnungsgeld bis 55 Euro verhängt, 2010 Mal ein Bußgeld (ab 60 Euro). 177 Fahrverbote wurden in dem genannten Zeitraum ausgesprochen. Der schnellste Raser war mit Tempo 180 auf der A7 über dem Nord-Ostsee-Kanal unterwegs. „Die höchsten Geschwindigkeiten werden in der Nacht gefahren, wenn die Verkehrsdichte am geringsten ist“, sagt Polizeisprecher Baschke.

Ausgelöst wird der Blitz ab Tempo 69. Die hochmodernen Messanlagen sind in der Lage, zwischen Lkw und Pkw zu unterscheiden. Sie waren zum Schutz der maroden Rader Hochbrücke installiert worden. Nach Experteneinschätzung hat das 1972 eingeweihte Bauwerk nur noch eine Nutzungsdauer von etwa elf Jahren.

Zum auffallend geringen Durchschnittstempo, das seit Mitte September vor und auf der Hochbrücke herrscht, trägt möglicherweise auch die Beschilderung bei. Dürfen Autofahrer 100 Stundenkilometer schnell sein, gibt es für sie nur eine elektronische Geschwindigkeitsanzeige. Sie befindet sich weit vor den Blitzer-Säulen. Wer sie verpasst, etwa weil andere Fahrzeuge die Sicht versperren, bekommt keine zweite Chance mehr, sich der erlaubten Geschwindigkeit zu vergewissern – und nimmt vorsichtshalber lieber den Fuß vom Gas. Matthias Paraknewitz, Chef des Landesamtes Straßenbau und Verkehr in Rendsburg, verteidigte die Beschilderung. Sie seit rechtlich geprüft worden, genau so angeordnet und ausreichend. „Wir wollen den Schilderwald auf das Nötigste beschränken.“

 

Verwarnung oder Bußgeld?

Das Bußgeldverfahren – vom ersten Verdacht über die gerichtliche oder behördliche Entscheidung bis zur Vollstreckung – ist im Ordnungswidrigkeitengesetz (OWiG) geregelt. Bei geringfügigen Verstößen (zu geringer Sicherheitsabstand, leichte Tempoüberschreitung) kann die Verwaltungsbehörde ein Verwarnungsgeld bis 55 Euro erheben und eine Verwarnung aussprechen. Ausstellende Behörde ist in diesem Fall die dem Landespolizeiamt angeschlossene Ordnungswidrigkeiten-Stelle in Neumünster – das fällige Geld fließt in die Landeskasse.

Lehnt der Betroffene die Verwarnung ab oder er zahlt den Betrag nicht innerhalb der vorgeschriebenen Wochenfrist, wird über den Vorwurf der Ordnungswidrigkeit im Rahmen eines förmlichen Bußgeldverfahrens entschieden. Es wird dann in der Regel ein Bußgeldbescheid erlassen, der zusätzlich mit Gebühren und Auslagen verbunden ist. Auch alle Vergehen, die mit mindestens einem Punkt in der Flensburger Sünderkartei und/oder 60 Euro Bußgeld verbunden sind (zum Beispiel Handy am Steuer), fallen grundsätzlich in diese Kategorie. In diesem Fall übernimmt ein Fachdienst beim Kreis Rendsburg-Eckernförde die Bearbeitung und kassiert auch die Einnahmen.
 

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erstellt am 28.Okt.2015 | 14:24 Uhr

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