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Bürgerversammlung wegen Flüchtlingen : Erstaufnahme in Rendsburg: Große Hilfsbereitschaft und viele offene Fragen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

500 Besucher kamen ins Arsenal und wollten wissen, wie sie den Flüchtlingen in der Erstaufnahme helfen können.

von
erstellt am 17.Aug.2015 | 10:59 Uhr

Rendsburg | Kein Platz blieb Montagabend im Tagungszentrum Hohes Arsenal in Rendsburg leer, als Bürgermeister Pierre Gilgenast und Innenstaatssekretärin Manuela Söller-Winkler über den aktuellen Stand der Erstaufnahmestation für Flüchtlinge in Rendsburg informieren wollten. Mehr noch. Einige der 500 interessierten Besucher mussten hinten stehen bleiben, hielten aber trotzdem die vollen zwei Stunden durch. Denn sie alle wollten ihre Fragen rund um das Containerdorf in der St.-Peter-Ording-Straße im Norden der Stadt beantwortet bekommen.

Kritische Stimmen gab es kaum, ganz im Gegenteil. Die Besucher applaudierten laut, als Gilgenast sagte: „Das Thema ist uns eine Herzensangelegenheit. Die Herausforderung für Rendsburg ist gering im Vergleich zu der Herausforderung für die Flüchtlinge.“ Schnell stellte sich am Abend heraus: Die meisten waren gekommen, um zu erfahren, wie sie den Flüchtlingen helfen können. Eine freischaffende Hebamme bot sich als Unterstützung für die Ärzte in dieser Woche an. Eine andere Bürgerin wollte wissen, wo sie Geld auf ein Hilfskonto überweisen kann und ein Mann fragte nach, welche Dinge im Moment akut gebraucht werden. „Männerschuhe, Taschen und Rucksäcke, Umstandskleidung“, lautete die Antwort von Gilgenast. Weiter werden Hygieneartikel, Kleidung, Buggys, Wolldecken und Spielgeräte benötigt. „Und wie sieht es mit Fahrrädern aus?“ „Ja unbedingt!“

Wer Hilfsgüter spenden möchte, wird gebeten, sich an die Nummer 04331-206-647 zu wenden. Es wird davon abgeraten, die Spenden direkt im Dorf abzugeben.

Auch ein Spendenkonto wurde bereits am Montag eingerichtet.

Spendenkonto: Sparkasse Mittelholstein, Empfänger: Stadt Rendsburg, Kontonummer: 8600, Bankleitzahl: 21450000, Verwendungszweck: Flüchtlingshilfe.

Rendsburgs Bürgermeister und die Innenstaatssekretärin waren sichtlich gerührt von den zahlreichen Hilfsangeboten. „Vielen Dank an Rendsburg für diese unglaubliche Unterstützung. Ihnen allen gebührt großer Respekt. Das habe ich so noch nie erlebt. Hier herrscht eine Grundhaltung, wie man sie sich im ganzen Land wünscht“, sagte Söller-Winkler und Gilgenast ergänzte: „Wir sind überwältigt von der Hilfe.“

Doch dass die ersten Helfer bereits an ihre Grenzen stoßen und es noch an vielen Enden fehlt, wurde ebenfalls deutlich. Einige von ihnen griffen beherzt zum Mikrofon: „Wir haben für morgen noch keinen Arzt. Ich kann das nicht alleine machen. Wir haben auch so viele Schwangere dort“, sagte eine Sanitäterin und eine andere Frau fragte: „24 Monate soll die Einrichtung bleiben. Wie soll das mit dem Ehrenamt funktionieren?“ Nur durch freiwillige Helfer werde das Containerdorf nicht auf Dauer organisiert, beruhigte die Staatssekretärin. „Das war jetzt die Startaufstellung.“

Der Infoabend war nur eine von vielen Veranstaltungen, die Helfer zusammen bringt. Schon Mittwochabend trifft sich im Kulthaus eine Gruppe von Bürgern, die über mögliche Unterstützung sprechen wird. Die Stadt plant, auf ihrer Internetseite eine eigene Rubrik zum Thema Flüchtlinge. Dort sollen Bürger über den aktuellen Stand und Hilfsangebote informiert werden. Doch das werde sicherlich noch etwas dauern, genauso wie die Organisation einer zentralen Annahmestelle für Hilfsgüter, machte Gilgenast deutlich. Er bat die Bürger um ein wenig Geduld. Es müsse jetzt eine Struktur geschaffen werden. Erste Ansätze gibt es bereits, zum Beispiel eine Telefon-Hotline der Stadt.

Was die Rendsburger Helfer schon geleistet haben:

  • An der St.-Peter-Ording-Straße hat die Firma T.H. Sievers Stadtverkehr eine Bedarfshaltestelle für die Bewohner und Helfer der Erstaufnahmeeinrichtung eingerichtet. Die Linie 15 verbindet den Eiderpark und den ZOB und fährt die neue Haltestelle am Containerdorf von 7.11 Uhr bis 20.11 stündlich an. Bei Bedarf wird die Haltestelle ab heute bedient, teilte das Busunternehmen mit.
  • Die Feuerwehr verteilt Kleinholz gegen den Matsch: Nach 48 Stunden im Dauereinsatz in der Erstaufnahmeeinrichtung wurde das Technische Hilfswerk (THW) am Montag von der Rendsburger Feuerwehr abgelöst. Nach den schweren Regenfällen war der Boden im Containerdorf durchnässt. Teilweise stand das Wasser zehn bis 15 Zentimeter hoch, berichtete Feuerwehrmann Sören Peper. Ein Kamerad sagte: „Das ist hier Wacken 2.“ Mit der gleichen Methode wie auf dem Metal-Festival sicherten die 15 Feuerwehrmänner dann auch die Zuwegungen. Mehr als 90 Kubikmeter gehäckseltes Holz wurden dafür vom Umwelt- und Technikhof (UTH) angeliefert. Die Helfer verteilten das Schnittgut auf den Hauptwegen und legten genoppte, schwarze Gummimatten darauf, damit sich 236 Flüchtlinge und Dutzende Helfer trockenen Fußes über das Gelände bewegen können.
  • Nicole Matheisen stellt auf dem Oktogon-Gelände (ehemals Feldwebel-Schmid-Kaserne), Schleswiger Chaussee 91 in Rendsburg, Lagerraum im GMI-Lager-Haus für Kleiderspenden zur Verfügung. Im Oktogon (Halle 44) können Spender von Montag bis Freitag zwischen 9 und 16 Uhr Kleidung, Schuhe und Hygieneartikel abgeben. Zusätzliche Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag jeweils von 17 bis 19 Uhr an.Für das Sichten und Sortieren der Kleidung sucht Nicole Matheisen noch Unterstützung. Unter der Nummer 0172 / 41 74 123 können sich Helfer bei ihr melden.
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