„Praxis ohne Grenzen“ in Rendsburg : Erst fünf Jahre geöffnet – und schon unverzichtbar

Das Team der Rendsburger „Praxis ohne Grenzen“, hintere Reihe von links nach rechts: Jörg Frey, Lutz Backhaus, Gabi Winkel, Werner Kröger, Achim Diestelkamp. Vorne von links nach rechts: Sabine Schwichtenberg, Ingrid Schwan, Doris Neumann und Agnes Retzlaff.
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Das Team der Rendsburger „Praxis ohne Grenzen“, hintere Reihe von links nach rechts: Jörg Frey, Lutz Backhaus, Gabi Winkel, Werner Kröger, Achim Diestelkamp. Vorne von links nach rechts: Sabine Schwichtenberg, Ingrid Schwan, Doris Neumann und Agnes Retzlaff.

Die „Praxis ohne Grenzen“ für Menschen ohne Krankenversicherung verzeichnet weiter hohen Zulauf.

shz.de von
19. März 2018, 10:24 Uhr

Rendsburg | Wer krank wird, geht zum Arzt. So einfach ist das aber nicht für Menschen, die keine Krankenversicherung haben. An diesen Personenkreis wendet sich das Angebot der „Praxis ohne Grenzen“ in der Moltkestraße 1 in Rendsburg. 2013 öffnete sie zum ersten Mal ihre Türen.

Bei einer Feierstunde zum fünfjährigen Bestehen blickte Ulrich Kaminski, Fachbereichsleiter beim Träger, dem Diakonischen Werk des Kirchenkreises Rendsburg-Eckernförde, auf die Anfänge zurück. Auf Anregung von zwei Mitarbeitern der Rendsburger Tafel, Harry Evers und Hermann Peters, und dem Arzt Lutz Backhaus holte das Diakonische Werk Mediziner, Apotheker und Pflegekräfte an einen Tisch und öffnete nach fast einjähriger Vorbereitung die „Praxis ohne Grenzen“.

Zehn Helferinnen und sechs Ärzte sind involviert, alle arbeiten ehrenamtlich und kostenlos. „In der Patientenkartei befinden sich derzeit 168 Namen, 40 von ihnen kamen im vergangenen Jahr dazu“, berichtete Dr. Achim Diestelkamp, ehrenamtlicher Teamleiter der Praxis. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm im Vorjahr drei Patienten, denen er und sein Team nicht helfen konnten. „Sie haben so lange gewartet, bis es nicht mehr ging“, sagte der Mediziner. „Sie sind verstorben, wenige Wochen nachdem sie das erste Mal bei uns waren.“

In den vergangenen Jahren kamen einige Flüchtlinge als Patienten dazu, die woanders gemeldet sind, sich allerdings in Rendsburg aufhalten und hier nicht versorgt sind. Andere Patienten sind Obdachlose oder auch Selbstständige, die ihre Krankenkassenbeiträge nicht mehr zahlen konnten. Auch Menschen ohne berechtigten Aufenthaltsstatus werden behandelt. Das Land unterstützt die Arbeit finanziell. Auf Wunsch bleiben die Patienten anonym. „Wer will, muss gar nichts von sich preisgeben“, so Diestelkamp.

Die „Praxis ohne Grenzen“ kümmert sich um eine Erst- und Grundversorgung für Menschen ohne Krankenversicherung und Bedürftige. Wenn nötig, verweisen die Mediziner die Betroffenen zu Fachärzten oder ins Krankenhaus und übernehmen auch die Kosten. Meist aber würden die Fachärzte gar nichts berechnen, stellte Diestelkamp fest. Auch mit den örtlichen Apotheken, der Imland-Klinik und den weiteren Beratungsstellen des Diakonischen Werkes arbeitet die Praxis zusammen.

Neben der medizinischen Betreuung berät die Praxis die Patienten auch dahingehend, wie sie wieder eine Krankenversicherung erlangen können. Benötigte Medikamente erhalten Bedürftige bei Bedarf kostenfrei über Spendengelder und die Apotheken, die das Projekt unterstützen. Dazu gehören auch Verhütungsmittel. Das Projekt wird unterstützt vom Kreis Rendsburg-Eckernförde. „Wir konnten 2017 in 144 Fällen helfen“, sagte Dr. Achim Diestelkamp.

Die „Praxis ohne Grenzen“ ist mittwochs von 16 bis 17 Uhr und donnerstags von 10 bis 11 Uhr geöffnet. Telefon: 0175/75 88 5755, nur zu den Öffnungszeiten.
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