zur Navigation springen

Tappendorf : Ernte nach sieben Jahren Wachstum

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Weihnachtsbaum-Produzenten haben jetzt Hochkonjunktur. Nordmanntannen bereiten den Bauern nicht nur im Winter viel Arbeit.

Die heiße Phase der Weihnachtsbaum-Saison hat begonnen – auch auf dem Tannenhof Struve in Tappendorf. Rund um das dritte und das vierte Adventswochenende werden die meisten Weihnachtsbäume gekauft, weiß Peter Struve. Die Nordmanntannen mit dem Gardemaß 1,75 bis zwei Meter, die bald in den Wohnstuben der Kundschaft Weihnachtsstimmung verbreiten sollen, wurden vor sechs bis sieben Jahren gepflanzt. All die Arbeit, die in einem den Kundenwünschen entsprechenden „waldfrischen“ Weihnachtsbaum steckt, wird oft nicht gesehen, meint Struve: „Das ist ein Ganzjahresjob – und das sollten die Verbraucher auch entsprechend honorieren.“

Der Hof Struve in Tappendorf ist ursprünglich ein Milchviehbetrieb, der in dritter Generation bewirtschaftet wird. Als zweites Standbein diente zunächst die Direktvermarktung von Geflügelprodukten. 1996 hatte Peter Struve mit zwei Kollegen die Idee, bei den Hofveranstaltungen in der Vorweihnachtszeit auch Tannenbäume anzubieten. „Da haben wir uns Bäume von anderswo dazugekauft“, berichtet Struve, „das lief damals ganz gut, viele Besucher haben sich bei uns einen Weihnachtsbaum mitgenommen – und so habe ich 1997 selbst mit dem Anpflanzen begonnen.“ Auf einem Dreiviertelhektar sammelte der Milchvieh- und Geflügel-Bauer seine ersten Erfahrungen in einem für ihn ganz neuen Produktionszweig: „Das war eine eigene Fläche im Dreiecksformat, die ohnehin schlecht zu pflügen war.“ Was sind die wichtigsten Dinge, die man als frischgebackener Weihnachtsbaum-Produzent lernen muss? „Man darf die Bäume nicht zu eng pflanzen, ein idealer Pflanzabstand ist 1,10 mal 1,10 Meter“, erklärt Struve, „außerdem müssen die Bäumchen stets sauber gehalten werden, weil ihnen Unkraut zu viel Kraft entziehen würde.“ Um optimale Wachstumsbedingungen schaffen zu können, werden im Frühjahr Bodenproben genommen. Struve lässt sich hinsichtlich Düngung und Pflanzenschutz von zwei Experten von der Landwirtschaftskammer beraten. Fachsimpeln kann er bei den Treffen des Schleswig-Holsteinischen Weihnachtsbaumverbands: „Da schätze ich den Austausch mit den Kollegen.“ Oder sind es doch eher Konkurrenten? „Konkurrenz belebt das Geschäft“, meint der Tappendorfer, dessen Tannenhof sich zu einem „Big Player“ unter den Nordmanntannenproduzenten des Landes gemausert hat: „Wir hatten bisher von Jahr zu Jahr stets eine Steigerung der Verkaufszahlen.“ Auf insgesamt acht Anbauflächen (Größe: 0,8 bis fünf Hektar) wachsen in Tappendorf Weihnachtsbäume heran, mit denen unter anderem diverse Baumärkte und Straßenhändler in ganz Schleswig-Holstein versorgt werden. Seit dem 10. Oktober beliefert Struve Gartencenter und Gärtnereien mit Schnittgrün, am 12. November wurden die ersten Weihnachtstannen als „Aktionsbäume“ an die Baumärkte ausgeliefert. Die Weihnachtsbäume von seinem Hof bezeichnet der Tappendorfer als „waldfrisch“. Das bedeutet: „Die Bäume sind beim Verkauf im Höchstfall vor einer Woche geschlagen worden.“

Das Selberschlagen der Bäume ist ein neuer Trend. „Ich habe in diesem Jahr zum ersten Mal Gäste aus Glückstadt, die sich bei einem Firmenausflug ihre Bäume selber schlagen“, erzählt Struve, „im nächsten oder übernächsten Jahr will ich mal versuchen, eine eigene Fläche zum Selberschlagen anzubieten.“ Es gibt noch weitere Trends: „Im Setzlingstopf gezogene Blaufichten oder Nordmanntannen, die nach dem Fest eingepflanzt werden können und wieder anwachsen.“ Solche Topf-Tannen sind 40 Zentimeter bis einen Meter groß. „Der ideale Weihnachtsbaum ist 1,75 bis zwei Meter hoch, rundherum dicht und schön gewachsen, aber nicht zu breit.“ Klar, dass der Landwirt kein Fan von künstlichen Weihnachtsbäumen ist. „Ein naturgewachsenes Produkt ist doch viel schöner“, sagt Struve, „außerdem binden die Bäume Kohlendioxid, und deshalb leisten wir Produzenten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.“

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen