Ermittlungen im Mord von Haale vor dem Abschluss

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05. Mai 2015, 12:22 Uhr

Die Ermittlungen im Fall des Haaler Doppelmords stehen kurz vor dem Abschluss. Das teilte Oberstaatsanwältin Birgit Heß auf Anfrage der Landeszeitung mit. Ob Anklage gegen den Verdächtigen erhoben wird, werde „in Kürze geprüft“, sagte sie. Angaben darüber, was ihm konkret vorgeworfen wird, konnte sie noch nicht machen.

Die Tat hatte im vergangenen Jahr großes Entsetzen in Haale und Umgebung ausgelöst: Eine 83-jährige Frau und ihre Tochter (57) wurden am 18. November 2014 tot im Stall ihres Hofes von Feuerwehrleuten gefunden. Die beiden Frauen waren erschossen worden. Der Täter hatte zudem einen Strohballen in dem Gebäude angezündet und war geflüchtet. Eine Woche später wurde ein 28-jähriger Mann aus Beringstedt festgenommen. Gegen ihn wurde ein Haftbefehl wegen zweifachen Mordes erlassen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft in Neumünster. Gerüchte, dass der Mann inzwischen wieder freigelassen wurde, dementierte die Oberstaatsanwältin. Ihr zufolge macht der Verdächtige nach wie vor keine Aussagen zu den Vorwürfen. Wie sich nach der Tat herausstellte, hatte er als Betreiber einer Autowerkstatt offenbar eine geschäftliche Beziehung zu den Frauen. Demnach könnte sich ein Streit entwickelt haben, weil er in Geldnot war. Zudem soll der Verdächtige schon vor dem Mord mit kleineren Straftaten auffällig geworden sein. Dass er Diebesgut auf dem Hof gelagert haben könnte, bestätigte sich jedoch nicht.

Die Ermittlungen gestalteten sich sehr schwierig, weil der Verdächtige sich nicht zu der Sache äußere. „Wir haben einen Indizienprozess“, sagte Birgit Heß. Dabei stehe ihre Behörde nicht unter Druck. Der Grundsatz, dass Verdächtige sechs Monate nach Inhaftierung auf freien Fuß gesetzt werden müssen, wenn bis dahin keine Anklage erhoben wurde, gelte nicht bei so schwerwiegenden Vorwürfen wie Tötungsdelikten. Die Ermittler bemühten sich zwar um einen schnellen Abschluss, der könne sich aber etwa dadurch verzögern, dass Gutachten erstellt werden müssen.

Der Abschluss der Ermittlungen und eine Anklageerhebung würde auch in Haale für Beruhigung sorgen. Die Lage habe sich inzwischen zwar weitgehend normalisiert, so Bürgermeister Bernd Holm, aber im Ort werde noch immer über den Fall gesprochen.

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